Kampagne „Save Your Ears“

Zu laute Musik kann das Gehör schädigen

veröffentlicht am 29.06.2010

Zu laute Musik kann das Gehör schädigen

Unter dem Motto „Save Your Ears“ steht eine Sensibilisierungskampagne des Gesundheitsministeriums. Ziel der Kampagne ist es, jungeund alte Musikfreunde für dieRisiken von zu lauter Beschallung auf Konzerten und durch Kopfhörer zu sensibilisieren.

Gestern präsentierten Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo, Jean-Marc Hild (Direction de la Santé) und Dr. Tom Faber die Kampagne in der „Rockhal“ auf Belval. In erster Linie soll die Kampagne junge und alte Menschen für die Risiken, die durch zu laute Musik für das Gehör entstehen können, sensibilisieren, erklärte Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo. Man möchte kein „Lustkiller“ sein, sondern informieren, fuhr der Minister fort.

In erster Linie zielt die Kampagne auf Besucher von Konzerten und die Nutzer von MP3-Spielern ab. Vor dem Hintergrund der Dezibelzahlen, die bei einem Konzert entstehen, oder von einem MP3-Spieler produziert werden können, nicht weiter verwunderlich. Jean-Marc Hild untermauert dies mit einigen interessanten Zahlen. Kritisch können Lautstärken bereits über 85 db(A) sein, gefährlich für die Hörzellen, die sich übrigens nicht regenerieren, wird es bereits bei Lautstärken ab 100 db(A) sein. In einer Diskothek herrschen üblicherweise Schallpegel von 105 db(A) und mitunter sogar mehr. Während die kurzfristige Beschallung nur bedingt ein Risiko darstellt, macht vor allem dauerhafte Beschallung auf hohem Niveau den Hörzellen zu schaffen. So empfiehlt man beispielsweise, sich einem Schalldruck von 105 db(A) nicht länger als 30 Minuten pro Woche auszusetzen. Messungen bei 5 Konzerten in der „Rockhal“ ergaben übrigens einen Schallpegel von durchschnittlich 100,2 db(A), der Spitzenwert lag bei 134,8 db(A), was sogar über dem Wert eines Flugzeugtriebwerks liegt. MP3-Spieler, so zeigten Studien der EU aus dem Jahre 2008, erreichen mit Schallpegeln zwischen 80 und 115 db(A) ähnlich kritische Werte. Vor allem die dauerhafte Beschallung mit solchen Geräten kann schnell zu irreparablen Hörschäden führen.

Die Kampagne „Save Your Ears“ möchte nun auf diese Gefahren hinweisen, und gleichzeitig Möglichkeiten aufzeigen, diese Gefahren zu minimieren. So werden im Rahmen der Kampagne Ohrstöpsel verteilt. Seit Februar wurden bereits 50.000 dieser Ohrstöpsel verteilt, 20.000 davon allein bei Konzerten. Diese Ohrstöpsel isolieren übrigens nicht vollständig von Außengeräuschen. Sie dämpfen den Schallpegel viel mehr um 15-30 db(A).

Des Weiteren verteilte man 2.000 Faltblätter, die über die Risiken informieren. Weitere 100.000 Ohrstöpsel und 50.000 Faltblätter wurden für den weiteren Verlauf der Kampagne bestellt. Das bisherige Echo auf die Aktion sei sehr positiv gewesen, betonte Jean-Marc Hild.

Doch auch auf gesetzlichem Niveau soll sich etwas tun. Während in Frankreich per Gesetz von 1998 ein durchschnittlicher Pegel von 105 db(A) zulässig ist, sind es in der Schweiz 93 db(A) und per Autorisation 100 db(A). In Belgien und Luxemburg wurde per Gesetz 1978 ein Grenzwert von 90 db(A) festgelegt. Ein Grenzwert, der selbst nach Expertenmeinung zu restriktiv angesetzt ist.

Demzufolge wird das Gesetz derzeit auch nicht zur Anwendung gebracht. Dafür arbeitet man an einer Novellierung des Gesetzes. Einen genauen Grenzwert wollte Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo allerdings nicht verkünden. Jean-Marc Hild betonte, dass man sich eher an den schweizerischen, als an den französischen Grenzwerten orientieren wolle.

Lob hatte der Gesundheitsminister für die Eventveranstalter im Land übrig. Die Veranstalter stünden dem Anliegen des Ministeriums offen gegenüber, so der Minister. In der „Rockhal“ beispielsweise werden schon seit einiger Zeit gratis Ohrstöpsel an die Besucher von Konzerten verteilt, unterstrich Olivier Toth von der „Rockhal“.


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