Dossier Agrarzenter

DP: „Die Regierung hat versagt!“

veröffentlicht am 16.09.2011

DP: „Die Regierung hat versagt!“

Die definitive Entscheidung der landwirtschaftlichen Unternehmensgruppe „Verband“, die geplante Filiale des Agrarzenters an der Mosel (Futtermittelfabrik, Silo und Düngemittellager) für 23 Millionen Euro im saarländischen Perl-Besch zu errichten, sorgt weiterhin für viel Gespräch. Und für Unmut innerhalb verschiedener landwirtschaftlicher Kreise, sowie in Regierung und Parlament, die sich für eine „nationale Lösung“ in diesem Dossier ausgesprochen hatten. Scharfe Kritik am „Verband“ wurde gestern morgen etwa bei einer Sitzung des parlamentarischen Landwirtschaftsausschuss laut. Dieser will auf jeden Fall mehr über die Beweggründe hinter der Entscheidung der Genossenschaft erfahren und welchen Einfluß sie auf den hiesigen landwirtschaftlichen Sektor hat. Zu diesem Zweck wurde beschlossen, die Vertreter des „Verband“ und der Regierung in den Parlamentsausschuss zu laden.

Für die Demokratische Partei ist indes klar, dass die Entscheidung des „Verband“ „ein Schlag ins Gesicht der Regierung“ ist. Seit einem Jahrzehnt bereits warte die Luxemburger Landwirtschaft auf eine Lösung in dieser Angelegenheit und die DP habe stets Druck gemacht, eine nationale Lösung zu finden. „Die Landwirtschaft braucht zentrale und effiziente Infrastrukturen. Unsere Landwirtschaft soll unabhängig vom Ausland bleiben. Die Weiterverarbeitung der Primärprodukte soll in Luxemburg stattfinden, um einerseits Mehrerträge zu erschaffen und andererseits die Rückverfolgung der Produkte zu garantieren.“, betont Fernand Etgen, DP-Generalsekretär und agrarpolitischer Sprecher der DP-Fraktion in einer Pressemitteilung, „dies sind im Übrigen alles Ziele, die sich die Regierung einmal auf die Fahne geschrieben hatte.“

„Die Regierung ist überihre eigene Konzeptlosigkeit gestolpert“

Die Regierung habe die Standortdiskussion von Anfang an verschlafen. „Von Mersch über Colmar-Berg bis nach Mertert hat sich die Regierung schwer getan, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, um das Agrarzenter auch weiterhin als Einheit in Luxemburg zu verankern. Ob es nun die Suche nach einem geeigneten Gelände war, die Anbindung an die Transportinfrastrukturen oder der in Luxemburg herrschende prozedurale Dschungel, man sei im Saarland mit offenen Armen empfangen worden, so stellte man gestern seitens des Verbands fest“, wettert die größte Oppositionspartei.

„Ist der StandortColmar-Berg gesichert?“

„Die Regierung hat viel zu spät den Standort Mertert ins Spiel gebracht. Wir tun uns in Luxemburg immer wieder, und immer noch, zu schwer für die Unternehmen Bedingungen zu schaffen, die ihnen eben dieses Gefühl geben, erwünscht zu sein“, sagt Fernand Etgen, der sich auch über den Standort Colmar-Berg besorgt zeigt: „Des Weiteren muss man sich fragen, ob der Standort Colmar-Berg gesichert ist, da es im aktuellen Gemeinderat Stimmen gegen dieses Projekt gibt und Politiker der Regierungsmehrheit in den Gemeindewahlkampf gezogen sind mit dem Ziel, die Ansiedlung des Verbands zu verhindern“. Nach Colmar-Berg soll bekanntlich das Gros des Agrarcenters kommen – für eine Investition in Höhe von 38 Mio. Euro.

„Die DP bedauert es, dass die Gelegenheit verpasst wurde, das Agrazenter als Ganzes in Luxemburg zu behalten. Man wäre der Rolle unserer Landwirtschaft in unserer Wirtschaft und Gesellschaft gerecht geworden, wenn man sich auf einen Standort in Luxemburg hätte einigen können. So wurde eine einmalige Chance für unsere Landwirtschaft verpasst! Leidtragender ist in diesem Fall das Genossenschaftswesen und -bewusstsein der luxemburgischen Landwirtschaft“, so die DP. ‹