Neue Ausstellung im „Muséé national d’histoire et d’art“

Archäologische Funde aus den letzten 15 Jahren

veröffentlicht am 21.10.2011

Archäologische Funde aus den letzten 15 Jahren

Im „Musée national d’histoire et d’art Luxembourg“ (MNHA) am Fischmarkt steht ab heute, Freitag, eine Etage ganz im Zeichen der archäologischen Aktivitäten hierzulande in den letzten 15 Jahren. Die neue Ausstellung „Unter unseren Füßen – Archäologie in Luxemburg 1995 bis 2010“ ist in gewisser Weise der legitime Nachfolger der Ausstellung „Empreintes du passé“ aus dem Jahre 1996. Diese Ausstellung lieferte erstmals einen chronologischen Überblick über die im Großherzogtum durchgeführten archäologischen Forschungen. In den vergangenen 15 Jahren sind die Archäologen immer wieder auf sehr interessante, wie auch wertvolle Funde gestossen, auf die das MNHA von 21 Oktober dieses Jahres bis zum 2. September 2012 die Öffentlichkeit aufmerksam machen möchte. Da sich die Ausstellung über 11. Monate hinweg zieht, ist das Angebot an Exponaten sehr reichhaltig. Die beiden Kuratoren und Archäologen Franziska Dövener und François Valotteau haben diese aktuelle „archäologische Retrospektive“ nach Themen strukturiert. In jedem Ausstellungsraum gibt es Informationen zu einem spezifischen Thema; innerhalb eines Themas geht man dann chronologisch vor.

Wie arbeiten Archäologen?

Die Ausstellungsmacher nahmen die Gelegenheit beim Schopf, um den Besuchern in den kommenden Monaten auch hinter die Fassade des Archäologen-Berufs blicken zu lassen. In einem Teil der Ausstellungsräume bekommen die Besucher Einblicke in die Methodik der Archäologie gewährt. Große Informationstafeln machen sie vertraut mit den gängigen Fachtermini der Ausgräber. Ein nachgebauter archäologischer Fundort am Anfang des Rundgangs zeigt den archäologischen Laien, wie die einzelnen Bodenschichten abgetragen werden und auf welches Gerät die Ausgräber zurückgreifen. Die Ausstellung zeichnet somit den gesamten Weg des Fundes von der Fundstelle bis zur Museumsvitrine nach. Zu jeder Etappe, die der Fund durchläuft, liefern die Verantwortlichen mit Hilfe sogenannter „Forschungsstationen“ die nötigen Erläuterungen.

Die Exposition verleiht jenen Museumsarbeitern Gesichter, die im Hintergrund arbeiten und dafür sorgen, dass Fundstücke gesäubert im Museum landen. Naturwissenschaftliche Analysemethoden fanden ebenso ihren Weg in die Ausstellung, wie die Erklärung moderner, in der Archäologie weit verbreiteter Restaurierungstechniken. Alle Funde, die es nicht ins Museum schaffen, landen selbstverständlich nicht auf dem Sondermüll, sondern werden in blauen Plastikschubladen gelagert und in den museumseigenen Depots in Mersch oder Pfaffenthal aufbewahrt. Ein Teil eines solchen eher schmucklosen Archivs wurde eigens für die Ausstellung nachgebaut.

Nahezu nahtlos geht die Ausstellung dann über zu den aktuellen Ausgrabungsorten hier in Luxemburg, die alle auf einer wandgroßen Landkarte eingetragen sind. Zu den ältesten Fundorten gehören jene im Müllerthal, das der Archäologe François Valotteau als „archäologische Bibliothek“ Luxemburgs bezeichnete. Sehr häufig werden die Archäologen hierzulande zu sogenanten, im Archäologen-Jargon als „Notgrabungen“ bezeichneten Einsätzen bestellt. Dies ist immer dann der Fall, wenn Bodendenkmäler oder Fundgegenstände durch Bauarbeiten auf Großbaustellen akut gefährdet sind. Im Vorfeld ambitiöser Bauprojekte versuchen die Archäologen des Museums immer häufiger, das Baustellengrundstück nach eventuellen Funden zu durchforsten.

Luftaufnahmen von einem Großprojekt in Mamer liefern Einblicke in die Sisyphusarbeit, die Archäologen Seite an Seite mit schweren Baugeräten leisten. Im ersten Drittel der Ausstellung begegnet der Besucher ebenfalls Funden aus dem Bereich „Wohnen und Handwerk“ aus den letzten 15 Jahren. Jägerwerkzeuge warten ebenso auf den Betrachter, wie die Miniaturnachbauten früherer Gebäude oder Getreidesilos. Da man darauf bedacht ist, die Besucher interaktiv in die Ausstellung mit ein zu beziehen, lässt man sie auch Hand mit anpacken. Junge und alte Museumsgänger bekommen die Gelegenheit geboten, die Mahlverfahren ihrer Vorfahren auszuprobieren und können versuchen, zumindest ansatzweise, mit einem Mühlstein ihr eigenes Korn zu mahlen.

Münzen aus der Zeit der Reichskrise

Zahlreiche neue Funde aus dem 3. Jahrhundert aus der Moselgegend zeigt das Museum in den kommenden Monaten. Aus der Zeit der römischen Soldatenkaiser stammen Gegenstände, die in erster Linie Numismatiker interessieren dürfte. Die Münzenfunde illustrieren die bewegte historische Entwicklung dieser Zeit. Aus der römischen Villa aus Moersdorf kommen die römischen Handwerksgeräte, die von der Bevölkerung zur Bearbeitung von Holz- und Metalobjekten angefertigt worden waren. Ein kleines, aber durchaus beachtenswerte Detail des ergiebigen Fundes aus Moersdorf ist ein Tongefäß, auf dem ein Ziegelstempel mit Christogramm von dem Sichausbreiten des Christentums in der Moselgegend zeugt.

Fällt das Schlagwort „Handwerk“, so kommt man im Rahmen dieser Ausstellung nicht an der Eisenerzindustrie und den mit ihr zusammenhängenden Funden vorbei. Die Museumsmitarbeiter haben keine Mühen gescheut und haben den Ofen einer mittelalterlichen Eisenhütte nachgebaut. Schon im 13. Jahrhundert wurde Eisenerz in den sogenannten Rennöfen zu Stahl verarbeitet.

Kleinadelsburgen als Forschungsobjekte

Luxemburgs Landschaft ist u.a. geprägt von seinen zahlreichen Burgen. Angesichts der hohen Dichte von gut bis sehr gut erhaltener Herrschaftsansitze, wurden die kleineren Anwesen oftmals von der Forschung übergangen. In Laufe der letzten Jahre widmete sich das Museum gezielter der Erforschung zweier kleinerer Adelsburgen. In Bettemburg und Kolpach waren die Archäologen sehr erfolgreich und fanden zahlreiche Überreste dieser einstigen Residenzen.

Zu den wichtigsten Entdeckungen zählt die Archäologin Franziska Dövener die Fragmente des Fortunaaltars in Dalheim. Die Archäologin konnte anlässlich einer geführten Besichtigung ihre Begeisterung über dieses Teil auch über vier Jahre nach dem Fund nicht verbergen und mißt ihm die gleiche Bedeutung zu, wie jenem des „Vichtener Mosaiks“. Nachdem der Altar in den Bartringer Museumswerkstätten restauriert wurde, kann er ab heute im Museum bewundert werden.

Als fruchtbar erwiesen sich auch die Ausgrabungen am Ortsrand der Gemeinde Mamer, unweit des „Lyçée Josy Barthel“. 2010 stießen die Archäologen auf einen alten römischen Brunnen, der nach seiner Entleerung historisch-wertvolle Schätze preisgab. In der Ausstellung zu sehen sind eine gut erhaltene Votivfigur in Form eines Hahns und ein Münzprägestempel. Aktuelle Ergebnisse der Arbeiten in Goeblingen-Miecher werden ebenfalls am Fischmarkt serviert.

Den neusten Forschungsfunden des „Titelbergs“ reservieren die Kuratoren einen ganzen Ausstellungsraum. Eine nicht unwesentliche Anzahl an ausgegrabenen Tierknochen stützt die Theorie, dass sich auf diesem Grundstück eine frühzeitliche Metzgerei befand. Wissenschaftliche Analysen ergaben, dass es sich hierbei um die Überreste von Tieren handelt, die zu kulinarischen Zwecken getötet wurden.

Stichwort „Titelberg“: der Ort wurde kürzlich mit einer erst seit kurzem in der Archäologie angewandten Technik fotografiert. Die Orthophotographie-Technik liefert unverzerrte und maßstabsgetreue Abbildungen der Erdoberfläche.

Bestattungsriten

Den Abschluss bildet ein Thema, das in unserer heutigen Zeit erst langsam enttabuisiert wird: der Tod. Die letzten Jahre über sammelten die Archäologen wichtige neue Erkenntnisse über Grabbauten sowie über den Totenkult unserer Vorfahren. Unter Zuhilfenahme neuer wissenschaftlich-technischer Mittel – wie z.B. moderne DNA-Analysen – ist es den Forschern gelungen, neue Erkenntnisse über das bereits im Jahre 1935 gefundene „Loschbour“-Skelett in Erfahrung zu bringen. Neue Informationen erhielten die Wissenschaftler über den Gesundheitszustand des Loschbour-Menschen.

Die Archäologen konnten im Rahmen ihrer Arbeiten an dem Doppelgrab aus Altwies auf die Lasertechnologie zurückgreifen, um einen exakten Formguss herzustellen. Das Museum ist somit in der Lage, den Besuchern eine naturgetreue Nachbildung des gesamten Grabes, inklusive der beiden Toten zu präsentieren.

Ehe man seine Rundgang beendet, sollte man auf jeden Fall einen kurzen Blick auf die 3-D-Rekonstruktion des Mausoleums aus Bartringen werfen. Neben dieser Rekonstruktion zeigt das Museum außerdem die schönsten und am besten erhaltenen Steinblöcke dieser Grabstätte.

Begleitend zu dieser neuen Ausstellung „Unter unseren Füßen – Archäologie in Luxemburg 1995 bis 2010“ hat das MNHA einen reich- bebilderten Ausstellungskatalog veröffentlicht, den alle Archäologieinteressierten und Museumsbesucher im museumseigenen Shop erwerben können. › pav

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