Neu im Plattenregal: „Insorcism“ von Kyrenee

Szenen einer ungewöhnlichen musikalischen Ehe

veröffentlicht am 10.12.2011

Szenen einer ungewöhnlichen musikalischen Ehe

Aus dem fruchtbaren Nährboden der nationalen Musikszene wachsen Tag für Tag neue Bands heraus. Immer mehr Newcomer fühlen sich jedoch dazu berufen, ihre musikalischen Ergüsse nach drei Probe-Sessions auf Platte pressen zu lassen. Die im Jahre 2002 gegründete Band Kyrenee hat vor kurzem ihre…erste Platte veröffentlicht. Das auf den Namen „Insorcism“ getaufte Werk beinhaltet zehn Eigenkompositionen, an denen die Musiker und ihr Anhang in den vergangenen neun Jahren Gefallen gefunden haben. Hält man die Disc in der Hand, merkt man, dass der Band viel am Artwork der Platte liegt. Das graphische Konzept des Covers findet im Hochglanzbooklet seine Fortsetzung und macht Appetit auf den Inhalt der Scheibe. Die Band kann und soll man in keine Schublade stecken. Die Besatzung besteht aus einem Schlagzeuger, einem Gitarristen, einem Screamer-Sänger, einer Sängerin und – man höre und staune – einem Violinisten und einem Cellisten. Wer jedoch nun Böses schwant und hier eine seichte Pop-Platte mit kalorienreichem Zuckerpop erwartet, kann sich entspannt zurücklehnen. Kyrenee lädt den Hörer auf eine Erkundungs-Rundfahrt durch so unterschiedliche Genres wie Metall, Gothic und Hard-Rock ein. Der Beginn der Rundfahrt verkommt jedoch sehr bald zu einer Kaffeefahrt: Der Opener „Insorcism“ sowie „Rage“ und „Lurker“ lassen sich definitiv in keine Schublade rein quetschen. Allerdings animieren sie nicht wirklich zum Weiterhören des Albums. Der vierte Titel „Rain“ entschädigt den Hörer aber für die anfänglichen Startschwierigkeiten: treibende Drums, eine Purzelbaum schlagende Gitarre und ein inbrünstig shoutender Leadsänger Luc Schreiner. Das erinnert doch irgendwie an guten alten US-Hardcore. Mit „Me & I“ biegt die Band in eine melodiösere Seitenstraße ab, die jedoch alles andere als holprig ist. Kyrenee ist eine der wenigen Bands, die es in der jüngsten Vergangen fertig gebracht haben, mit „Rain“ einen kurzweiligen, fast zehn-minütigen Track einzuspielen, der nicht vor sich ständig wiederholend Riffs trieft. Ein solcher Titel auf einer Debütplatte lässt dann die anfängliche musikalische Kaffeefahrt verschmerzen. › pav