Sein kämpferisches Sportlerherz hatte sich der mit dem heutigen Tag aus dem Dienst scheidende Wirtschaftsminister weit über die aktive Zeit hinaus erhalten und zehrte bis zur selbst gewählten Beendung der politischen Mandatsperiode daran. Jeannot Krecké braucht sich deshalb auch nicht als Faulpelz, Günstling oder gar Feigling betiteln zu lassen, weil er die Auseinandersetzung suchte und den offenen Schlagabtausch nicht mied.
Dass er, besonders in den letzten Jahren seiner politischen Laufbahn, bisweilen „maulte“ und gegen den politischen Kurs aufbegehrte, den die CSV-LSAP-Koalition und die von ihr getragene Regierungsmannschaft steuerten, gehört zu seinem Charakterbild, das ihm auch in seiner aktiven Sportlerzeit so manche gelbe Karte einbrachte wegen Meckerns und Aufbegehrens gegen Tatsachenentscheide.
Richtig durchsetzen konnte sich Krecké, anders als im sportlichen Bereich, auf der politischen Bühne eigentlich nie so ganz. Er tat zwar alles dafür, dem Land die von ihm auch erwarteten neuen Impulse zu geben, Luxemburg draußen in der Welt als leistungsfähigen und unternehmensfreundlichen Standort für industrielle und andere wirtschaftliche Aktivitäten zu preisen und neues, pragmatisches Bewusstsein zu wecken für die Notwendigkeit einer gezielteren Politik der wirtschaftlichen Diversifizierung. Am Ende blieb ihm, in allen genannten Bereichen, der wirklich durchschlagende Erfolg jedoch verwehrt.
Daran war er persönlich wahrscheinlich am wenigsten Schuld, weil er immer wieder gegen Widrigkeiten und Gegnerschaften ankämpfte und sich nicht aus dem, der eigenen Überzeugung entstammenden, Konzept bringen ließ. Jeannot Krecké verlässt seinen verantwortungsvollen Regierungsposten erhobenen Hauptes und unter dem Bedauern vor allem der einheimischen Wirtschaftsgemeinschaft, die in ihm einen verständnisvollen, ferventen und einsatzfreudigen Mitstreiter gefunden hatte.
Dass ihm der vor allem in Luxemburg selbst angestrebte Erfolg eines wirklich erkennbaren Mentalitätswandels am Ende verwehrt blieb – was ihn aller Wahrscheinlichkeit nach auch zur schon längere Zeit geplanten Aufgabe des Ministeramtes führte – , lag vor allem an einer für ihn bedauerlicherweise etwas unglücklichen politischen Konstellation, in der er sich mit seiner Amtsauffassung unwohl fühlen musste und in der er sich, allem Einsatz zum Trotz, nie wirklich durchsetzen konnte.
Allein die Art und Weise, wie er jüngst in kleinerem Kreis über die (hervorragende) Zusammenarbeit mit Finanzminister Luc Frieden sprach, ließ erkennen, wie gefrustet er war, nicht mehr echte Mitkämpfer in der Regierungsmannschaft zu haben, die, wie er selbst, die kurzfristige Publikumsgunst gerne gegen den langfristig vorzeigbaren und dauerhaften Erfolg der eigenen politischen Aktion eingetauscht hätten.
Seine Mitspieler ließen ihn entweder ins Abseits laufen, oder sie ließen ihn als Stürmer auf dem Weg zum Tor verhungern, weil sie ihm nicht die benötigten Bälle zuspielten. Das macht Frust beim Sportler, das ärgert, besonders über einen längeren Zeitraum hinweg, auch den Politiker, der tatsächlich etwas bewegen will und von sich aus dafür auch keine Mühe scheut und alles daran setzt.
Krecké ist, in einer weniger scharfen Form als früher, der Aufbegehrer, der Revoluzzer geblieben, als der er sich in jugendlichen Jahren, auch im Verein mit (damals) Gleichgesinnten, gerne gebärdete. Die Welt, ja selbst den kleinen Luxemburger Mikrokosmos, hat er nicht wirklich verändert. Wahrscheinlich hat er in einem gewissen Ausmaß dazu beigetragen, den kleinen und großen Unternehmern des Landes das Gefühl zu vermitteln, dass es auch noch Politiker gibt, die sich für die wirtschaftliche Zukunft des Landes interessieren und einsetzen, mit Sicherheit hat er auf seinen zahlreichen Reisen in fast alle Weltregionen zu einem höheren Bekanntheitsgrad und zu besseren Sympathiewerten für das Land beigetragen, ganz sicher kann er sich rühmen, unter dem Strich einen guten Job gemacht zu haben.
Mit dem Endergebnis seines langfristigen politischen Wirkens kann er zum Schluss aber nicht zufrieden sein.
„Gudd gemengt, vill geschafft, näischt erreecht!“ Schade. Aber er ist damit nicht allein, er teilt dieses Los mit vielen anderen.


