LUXEMBURG
MARCO MENG

Unternehmertum ist der Motor für eine prosperierende Wirtschaft

Wirtschaftswachstum und Wohlstand eines Landes hängen maßgeblich vom Unternehmergeist, der darin herrscht, ab. Der Unternehmer Sanjeev B. Ahuda, der auch Präsident von The Indus Entrepreneurs (TiE) in Großbritannien ist, sprach mit uns über dieses Thema, ehe er gestern bei der BGL BNP Paribas dazu einen Vortrag hielt.

Unternehmertum steht im Mittelpunkt Ihres Vortrags. Warum in Luxemburg?

Sanjeev Ahuda Ich wurde von Herrn Kohli und der Indischen Handelskammer in Luxemburg eingeladen. Herr Kohli ist wie ich selbst Unternehmer, und wir muntern beide junge Leute auf, den Weg zum Unternehmertum zu gehen. Junge Leute setzen Sachen für die Zukunft um, nicht für heute oder gestern. Junge Leute sind darum wichtig, und Unternehmertum als Prinzip ist ebenfalls wichtig.

Augenblicklich herrscht in Europa die Diskussion um Steuern und Eurokrise. Wie sehen Sie die Zukunft Europas?

Ahuda Ich glaube nicht, dass das alles wirklich neue Probleme sind. Europa hatte immer Hochs und Tiefs, die allerdings nie sehr extrem waren, was eine Stärke Europas ist. Die Herausforderung ist: Wo wollen wir sein, wenn wir aus dem Tal herauskommen. Was ist, wenn dann nicht genug Jobs vorhanden sind, es nicht genug motivierte Leute gibt, wenn die Gesellschaft weiter denkt, Regierungen müssten Arbeitsplätze schaffen? In Europa gibt es viele junge Leute, die das Gefühl haben, ihre Zukunft wurde ihnen gestohlen. Man muss Möglichkeiten für diese jungen Menschen schaffen, denn kein Land kann es sich leisten, das nicht zu tun. Zudem müssen die Menschen erkennen, dass man nicht nur „erfolgreich“ ist, wenn man eine gute Stelle in einer Firma hat, sondern auch, wenn man ein eigenes Unternehmen gründet, wenn man etwas Neues schafft. Ich rede hier davon, ein Wirtschaftssystem für junge Menschen zu kreieren, nicht von staatsfinanzierten Programmen. Das funktioniert erstens nicht, und zweitens haben die Regierungen dazu auch nicht das Geld.

Ein Teil des Problems.

Ahuda Ja. Und jedes Land hat dieses Problem. Ein Beispiel: Indien wird in 15 Jahren mehr Einwohner haben als China. So viele Jobs werden nicht geschaffen. Die Leute müssen, wenn sie erfolgreich sein wollen, ihr eigenes Geschäft führen. Hier ist die Frage, unterstützt die Politik das? In Indien geschieht das nicht, aber hier in Europa gibt es eine ganz andere, viel bessere Ausgangslage. Allerdings muss jetzt gehandelt werden, denn die Umsetzung wird fünf oder sogar zehn Jahre dauern. Meine Furcht ist, wenn die jungen Leute denken, ihnen wurde die Zukunft gestohlen, wird das letztendlich zu großen Unruhen führen, wie man sie zum Teil schon in Griechenland sah.

Aber es gibt auch die Furcht, dass man das, was einst sicher war, verliert.

Ahuda Dass der Status Quo nicht bleibt, ist eine Tatsache. Die Staaten werden nie genug Geld haben, dass sie so weitermachen können, wie es mal war, und all das zu garantieren, woran man sich gewöhnt hat. Ich sage darum auch immer jungen Leuten: Denke nicht an die Vergangenheit oder bedauere, dass es nicht mehr so ist wie es mal war. Denn das ist vergangen. Denk an den nächsten Tag, an die Zukunft. Und ein Teil der Zukunft ist Bildung. Wie gründet man ein Geschäft? Wie setze ich Ideen um? Wie gehe ich mit Geld um? Hier muss die Politik den Weg ebnen: Neue Gesetze, die den Weg ins Unternehmertum fördern.

Wie ist es um den Unternehmergeist in Europa bestellt?

Ahuda Fangen wir mit dem Guten an. In Europa herrscht ein hohes Bildungsniveau, und junge Leute sind auch technisch sehr versiert. Zudem hat Europa ja hier auch ein reiches Erbe: all die technischen Erfindungen und Produkte. Das Handicap ist erstens die hohe Steuerlast und zweitens, dass das Unternehmertum selbst in der Gesellschaft nicht hoch angesehen ist. Es nützt nichts zu sagen: Früher war das gut, weil es früher funktionierte. Man hat heute gar keine andere Wahl mehr. Die Grenzen sind offen, wie sie es nie waren. Wenn man mit dem Rest der Welt in Wettbewerb tritt, müssen die Preise, Produktivität und so weiter mithalten. Natürlich spielen Gewerkschaften auch eine wichtige Rolle als Vertreter der Arbeitnehmer. Sie sollten aber kein Hindernis für Unternehmer sein, denn die stehen eben in internationalem Wettbewerb. Es ist ganz einfach: Um als Unternehmen profitabel zu sein, muss mehr hereinkommen als man ausgibt.

Politiker stellen sich gerne vor große Konzerne, wenn es dort um die Arbeitsplätze geht, aber was ist mit kleineren Firmen?

Ahuda So ist es. Wer wählt jedoch die Politiker? Nicht die Politiker machen unser Leben, wir machen unser Leben. Ich weiß, dass das nicht üblich ist, in Europa so zu denken, aber man kann es sich in Zukunft nicht leisten, nicht so zu denken. Zwei Sachen sind besorgniserregend: Das politische System ist zu altmodisch, die Prozesse dauern zu lange, und man kümmert sich zu wenig um junges Unternehmertum. Das Zweite ist die hohe Bürde, die man an Schulden mit sich herumträgt und für die man immense Zinsen zahlt. Junge Leute sind heute aber bedeutend klüger als wir das früher waren. Wir sollten mehr an die junge Generation glauben und ihr mehr zutrauen.