TRIERGERHARD KLUTH

Trierer Domkapellmeister geht nach Leipzig

Während 13 Jahren bestimmte Stephan Rommelspacher als Domkapellmeister das musikalische Geschehen an der hohen Domkirche zu Trier. Seit dem 1. September nun ist seit Amtssitz nicht mehr die Trierer Mutterkirche, sondern die Propsteikirche in Leipzig. Damit ist Rommelspacher zwar kein Kathedralmusiker mehr, übernimmt aber weiterhin die Leitung an einer katholischen Hauptkirche. Die Propstei St. Trinitatis ist das zentrale römische Gotteshaus in der sächsischen Metropole, in der durch den Thomaskantor Johann Sebastian Bach Musikgeschichte geschrieben wurde.

Am vergangenen Wochenende stand Rommelspacher in Trier noch einmal als Dirigent vor seinem Domchor. Was als ein Konzert des Trierer Doms in Kooperation mit dem Mosel Musikfestival (MMF) deklariert war, gestaltete sich tatsächlich als ein ganz persönlicher Abschied Rommelspachers von seiner bisherigen Wirkungsstätte. Unter seiner Leitung führten der Domchor zusammen mit dem Kammerchor „Cantores Trevirensis“ (Einstudierung Matthias Balzer) und dem Münchener Barockorchester „L’arpa festante“ die Bachsche h-Moll Messe auf. Was das Publikum im nahezu voll besetzten Dom erleben durften, war weniger ein Konzert, denn mehr ein feierlicher, tiefgründiger Gottesdienst.

Ohne falschen Pathos

Schon im Kyrie ließ Rommelspacher keinen Zweifel daran, dass diese Veranstaltung nicht einer Selbstdarstellung dienen sollte. Breit, getragen und tatsächlich bittend erklang der erste Teil dieses Opus summum. Kontrastreich dazu der Eingangschor des Gloria, der einen wahren jubelnden Charakter hatte. Das „Gratias agimus“ gestaltete Rommelspacher als einen großen Dank. Ohne falschen Pathos, dafür aber mit einer Kraft und Würde, der man sich nicht entziehen konnte. Einer der Höhepunkte des BWV 232 stellt zweifellos das Credo dar. Dies war auch in Trier so und es hätte niemanden gewundert, wenn nach dem sehr betroffen machenden „Crucifixus“ beim strahlenden „Et resurrexit“ tatsächlich die Sonne im Ostchor des Domes aufgegangen wäre. Dies alles war nur möglich, weil die Chöre wirklich alles gaben und dem präzisen Dirigat Rommelspachers minutiös folgten. Natürlich waren hier und da Unsicherheiten zu spüren. Die Ensemble sind keine Profichöre und Bachs hohe Messe ist mehr als nur anspruchsvoll. Und gerade weil es Laien sind, muss man den Chören bescheinigen, dass sie hier ein Meisterwerk vollbrachten und bis zur großartigen Schlussfuge „Dona nobis pacem“ über sich hinaus wuchsen.

Wunschkonzert

„L’arpa festante“ ist in der Region kein unbekanntes Orchester mehr. Gerade unter Rommelspacher hat es schon viele Konzerte gespielt und immer wieder unter Beweis gestellt, dass es in der historisch informierten Aufführungspraxis wirklich firm ist. So war es auch diesmal. Unter der Führung von Konzertmeister Christoph Hesse bildete das Orchester einen homogenen Klangkörper, der sich voll und ganz auf die Wünsche des Dirigenten einließ. Einzig einige intonatorische Probleme in der Bassgruppe schmälerten diesen Eindruck ein wenig. Gekrönt wurde das Erleben durch das Solistenquartett, bei dem der Altus Terry Wey zweifelsfrei ein besonderes Glanzlicht darstellte. Seine makellose Stimme verlieh besonders dem „Agnus Dei“ einen edlen, erhabenen Glanz, der dazu angetan war, Emotionen freizusetzen. Strahlend und gleichzeitig sehr würdevoll konnte man die Partien der Sopranistin Monika Mauch und des Tenors Hans Jörg Mammel erleben. Ein wenig bedauerlich war die fehlende Kraft in der Tiefe bei Bariton Andreas Pruys.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Insgesamt hat Rommelspacher mit dieser h-Moll Messe zwei Dinge unter beweis gestellt. Trier und die Region verliert einerseits einen großen Musiker. Zum anderen bekommt Leipzig einen Künstler, der bestens mit dem großen Erbe der Stadt umzugehen versteht. Die stehenden, minutenlangen Ovationen, die das Publikum, Chor und Orchester ihm entgegen brachten, waren Dank, sowie Glück- und Segenswünsche zugleich. Berechtigt.