Zu viel Frucht- und Industriezucker schaden Gesundheit dauerhaft

Ob als Konservierungsmittel oder Geschmacksverstärker, auch in vielen herzhaften Nahrungsmitteln steckt heute Zucker. Aber muss das bei Tomatensoße oder Salatdressing wirklich sein? Das verunsichert viele Verbraucher, andererseits braucht der Körper aber auch Zucker. „Alles hängt von den Zuckern ab, welche mit der Ernährung aufgenommen werden“, sagt Jean-Marie Bermer, diplomierter Sporternährungsexperte und diplomierter Ernährungsberater. Bermer führt weiter aus, „wir brauchen schon mindestens 50 Gramm Zucker pro Tag, damit unser Gehirn die mentale Konzentration aufrechterhalten kann.“ An alle, die schon mit Keksen oder Kuchen liebäugeln, direkt die Einschränkung: Denn der Körper ist laut der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch in der Lage, diesen notwendigen Einfachzucker aus Stärke aufzuspalten, die etwa in Kartoffeln oder Reis enthalten ist. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt daher für Erwachsene pro Tag nur 25 Gramm Zucker, Haushaltszucker oder industriell hergestellte Fruktose. Das entspricht fünf Teelöffeln. 
Ob man nun zu viel Frucht- oder Industriezucker zu sich nimmt, ist für die Gesundheit gleich schädlich, allerdings gibt Bermer zu bedenken, dass Fruchtzucker im Fett gespeichert wird. Die Kilos zu viel sind aber bekanntlich nicht das größte Problem: „Zu viel Zucker über lange Zeit fördert unter anderem Diabetes und Übergewicht und viele andere Krankheiten“, erklärt Bermer, Besitzer der Firma Power-Food’s J-M.B. Durch die Erhöhung der Triglyceride und des Cholesterins bereitet Zucker den Boden für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach Angaben des Ernährungsberaters fördert Zucker auch die Entwicklung bestimmter Krebsarten, etwa in Dickdarm, Magen, Bauchspeicheldrüse, Gebärmutter und Brust.

Zuckerrausch hält nicht lange vor

Um den alltäglichen Zuckerkonsum zu senken, hat Bermer ein paar Tipps: So hilft es, den Verbrauch von raffiniertem Zucker zu senken, Fruchtsäfte und gesüßte Getränke, auch von der Werbung als „light“ deklarierte Varianten, zu reduzieren. Sinnvoll sei für eine gesündere Ernährung in punkto Zucker vor allem, mehr Proteine und langkettigen Zucker zu essen. Dieser findet sich unter anderem in Vollkornprodukten, Dinkel, Quinoa und Hafer. Bei langkettigem Zucker handelt es sich um komplexere Zuckerverbindungen, für deren Aufspaltung der Körper länger braucht. Dieser Zucker schmeckt nicht süß und kommt außer in Getreide und Vollkornprodukten auch in Kartoffeln, Reis, Hülsenfrüchten und Nüssen vor. Über die Aufnahme von langkettigem Zucker erhält der Körper nicht nur Energie, sondern auch Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe.

Ganz anders verhält es sich beim kurzkettigem Zucker, welcher aufgrund seines einfacheren Aufbaus im Verdauungstrakt leichter aufgespalten werden kann. Damit ist er mittels Insulinausschüttung schneller im Blut und wird in den Zellen schneller in Energie umgewandelt. Weil der Energiehaushalt durch diese Zuckerart rasch beeinflusst wird, empfindet man beim Essen von Süßigkeiten auch eine Art „Zuckerrausch“. Allerdings muss die Bauchspeicheldrüse zur Blutzuckerregulation dann mehr Insulin ausschütten. Die schnell gelieferte Energie verpufft nur wieder schnell – das Insulin wird abgebaut und Heißhunger droht. Bei Diabetes ist der Vorgang der Blutzuckerregulation gestört, Betroffene benötigen Insulin, um ihre Zuckerwerte stabil zu halten.

Gesundheitsbedenken führen zu Überlegungen von Zuckersteuern

Süße Sünde

Luxemburg Frankreich hat sie bereits, Mexiko auch; Großbritannien will sie 2018 wieder einführen, Deutschland hat sie 1993 abgeschafft und denkt jetzt wieder darüber nach: Eine Zusatzsteuer für Zucker-Getränke, allen voran Limonade, soll eine abschreckende Wirkung haben und den Verbrauch reduzieren. Zwölf europäische Länder haben eine solche Steuer auf Getränke wie Cola, Limonade oder Mischgetränke. Im Schnitt sinken die Verkaufszahlen um einstellige Prozentbeträge. Aber jedes Bisschen zählt im Kampf gegen den Zucker-Boom – und in einigen US-Städten wie Berkeley in Kalifornien sank der Konsum um satte 21 Prozent. Den Verbraucher dort treffen, wo er wirklich verwundbar ist, lautet das Motto. Die Idee ist nicht neu: Schon 2016 mahnte die Weltgesundheitsorganisation, der Fettleibigkeit den Kampf anzusagen und zuckerhaltige Getränke mit einer Sondersteuer zu belegen. Die damalige Empfehlung lautete: 20 Prozent – mindestens. Das sollte den Zuckerkonsum senken und damit einhergehend unter anderem Übergewicht, Diabetes und Karies reduzieren. Und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, die in Luxemburg derzeit mit 30 Prozent auf dem ersten Platz der Todesursache liegen. Selbst Krebs ist nicht so tödlich. lj
In welchen Lebensmitteln sich Zucker versteckt

Zuckerfallen

Luxemburg Nicht nur in offensichtlich süßen Lebensmitteln steckt viel Zucker. Auch in solchen, wo man es nicht vermutet versteckt sich oft jede Menge Zucker. Wer etwa zum Frühstück Erdbeerjoghurt und abends einen Salat mit Fertigdressing isst, nimmt viel Zucker zu sich. Einige Beispiele, wo sich der süße Dickmacher versteckt.   Fruchtjoghurt Klingt gesund, ist aber eine wahre Zuckerbombe. In 150 Gramm Fruchtjoghurt stecken gerne mal sechs Würfelzucker. Ähnliches gilt für Fruchtquark, Fruchtbuttermilch oder probiotische Drinks. Wer sich gesund ernähren will, greift eventuell sogar doppelt daneben, denn fettarmer Joghurt enthält häufig zusätzlich Zucker. Dann schmeckt er nämlich eher wie ein Vollfettjoghurt. Säfte und Smoothies Obst ist gesund - aber nicht in jeder Form. Allerdings bestehen fertige Smoothies oft zum Großteil aus aus Apfelsaft oder ein anderer Fruchtsaft mit hohem Fruchtzuckeranteil. Bei Fruchtsäften sollte man darauf auchten, ob in diesem Fruchtsaftkonzentrat oder Nektar steckt, denn hier steckt oft zusätzlicher Zucker. Obst sollte man generell lieber essen als trinken. Soßen, Dressings, Dips Mit dem guten Vorsatz etwas Leichtes zu essen, macht man sich einen Salat. Wer dazu ein Fertigdressing benutzt, schüttet über Gurken, Tomaten und Rucola viel Zucker. Denn diesem ist fast immer Zucker zugesetzt. Ähnliches gilt für Tütensuppen, fertige Gemüsebrühen, Soßenbinder, Grillsoßen, Ketchup oder Fertigdips. Müsli und Cornflakes Viele Menschen starten mit Müsli in den Tag und meinen, sie täten sich damit etwas Gutes. Jedoch stecken in gesüßten Cerealien und Cornflakes Unmengen an Zucker. Hinzu kommen eine Vielzahl an weiteren Zusatzstoffen, wodurch dieses vermeindlich gesunde Früchstück eher das Gegenteil ist. Feinkostsalate und Gemüse im Glas Wenn keine Zeit ist etwas zu kochen oder man keine Lust hat, ist der Griff zu abgepackten Salaten oder Gemüse aus dem Glas verlockend, jedoch keine gute Idee. Gemüse im Glas, insbesondere Rotkohl, enthält einen hohen Anteil an Zucker. Das Gleiche gilt für Gewürzgurken im Glas. Fertiggerichte Fertiggerichte wie etwa Pizza sind bekanntlich ungesund. Jedoch ist vielen Menschen nicht klar, wie viel Zucker in solchen Produkten enthalten ist. Hersteller benutzen dabei einige Tricks, um den Zucker zu verstecken. Er wird zum Beispiel getarnt als „Fruchtsüße“ oder versteckt sich hinter Wörtenwie Glukose, Laktose, Dextrose, Saccharose, Raffinose, Maltose oder Fructose. DPA/JEK
Lebensmittelindustrie wendet einige Tricks an

Unter anderem Namen

Luxemburg Wie viel Zucker tatsächlich in einem Produkt steckt, ist häufig schwer zu erkennen. Sogar ein sorgfältiges Studieren der Nährwerttabelle hilft oft nicht. Denn oft wird der Zuckergehalt schön gerechnet. In der Nährwerttabelle muss nämlich nur herkömmlicher Haushalts-Zucker deklariert werden, andere Süßungsmittel nicht. Diese werden zwar in der Zutatenliste angegeben, allerdings meist unter versteckten Namen. Hierzu zählen zum Beispiel Dextrose, Glukose-Sirup, Laktose, Traubensüße, Saccharose, Raffinose, Maltose, Fructose oder Gerstenmalzextrakt, um nur einige zu nennen. Insgesamt gibt es mehr als 70 verschiedene Namen und Stoffe. Für viele Verbraucher sind diese Zutaten daher nicht als Zucker erkennbar. Einige Produkte werben außerdem damit, dass sie weniger süß sind, weniger Zucker oder keinen Zuckerzusatz enthalten. Von diesen werblichen Aussagen sollte man sich aber nicht beeinflussen lassen, denn dies bedeutet nicht, dass kein Zucker enthalten ist. Meist werden Konzentrate oder Fruchtsaftkonzentrate eingesetzt, die zu einem hohen Zuckergehalt führen können, aber nicht als üblicher Zuckerzusatz gelten.      lj