COLETTE MART

„Das Geschäftsmodell Sex gegen Geld hat viele Spielarten, aber es funktioniert seit ein paar Tausend Jahren immer nach dem gleichen Prinzip: Ein Mann kauft sich den Körper einer Frau, und die Frau tut so, als ob sie das toll findet.“ Dies schreibt die Wochenzeitung „Die Zeit“ in Bezug auf das neue Buch „Prostitution. Ein deutscher Skandal“ von „Alt-Feministin“ Alice Schwarzer, die zu diesem Thema wieder eine öffentliche Diskussion angekurbelt hat.

Schwarzer denunziert das deutsche Prostitutionsgesetz von 2001, welches dazu führt, dass Freier in Bussen nach Deutschland kommen, und verarmte rumänische und bulgarische Mädchen ebenfalls in Bussen hergebracht werden, um nach Flatrate-Muster Sex anzubieten. Das liberale Gesetz hat einen rechtlosen Raum geschaffen, in dem viel Geld verdient wird, allerdings nicht von den ausgebeuteten Mädchen selbst, sondern eher von organisierten Gangs. Kriminalität und Menschenhandel werden gefördert, derweil Alice Schwarzer mit ihrem Feldzug als feministische Spielverderberin dasteht.

Hierzulande beschäftigt sich das Frauenministerium seit mehreren Jahren mit dem Thema Prostitution, und der nationale Frauenrat setzt sich für eine gesetzliche Regelung nach dem schwedischen Modell ein, in dem Prostituierte als Opfer gesehen werden und Freier sich strafbar machen. Natürlich wird die Prostitution mit einem solchen Gesetz nicht ganz verschwinden. Die Frage bleibt jedoch, welche Haltung der Staat einnehmen muss, um sich nicht implizit zum Komplizen von Menschenhandel zu machen. Das Argument, dass mit einem strengeren Prostitutionsgesetz das gesamte Phänomen in einer Grauzone verschwindet und überhaupt nicht mehr kontrollierbar ist, hat sich nicht bewährt angesichts der doch guten Resultate, die Schweden in diesem Bereich erzielte. „Es geht dabei vor allem um eine Veränderung des Blickwinkels. Die Schweden finden es jetzt nicht mehr „normal“, dass Männer sich Frauen kaufen. Die Huren-Folklore… ist plötzlich schal“ schreibt „Die Zeit“ weiter zu diesem Thema.

Ein Prostitutionsgesetz, das also Prostituierte als Opfer sieht und soziale Wiedereingliederungsprogramme zur Verfügung stellt, könnte auch bei uns dazu führen, dass die Zwangsprostitution und der Menschenhandel wesentlich erschwert werden, und dass jene Prostituierte, die in einem solchen System vielleicht durch die in der Gesellschaft existierende Nachfrage übrig bleiben, zumindest selbst ihr Geld behalten können.

Dass Prostituierte freiwillig dieser Aktivität nachgehen, bleibt ein männlicher Mythos. Oft geraten die Betroffenen in einer solche Situation, weil es ihnen an einem liebevollen Elternhaus fehlte, an finanzieller Absicherung, an Respekt vor sich selbst und dem eigenen Körper. Luxemburg bräuchte darüber hinaus dringend eine Sexualerziehung, die den Respekt für das andere Geschlecht besser verankert, sowie ebenfalls die Überzeugung, dass Sexualität ein Geschenk ist und kein Recht. Und schon gar keines, das man für ein paar Euro kaufen kann.