JEAN-NICO PIERRE

Seit zehn Jahren arbeiten sie bereits im Rahmen des Koordinations-Komitees COCSIT zusammen, nun haben sich acht soziale Akteure, die sich in Luxemburg um den Bereich der Suchterkrankungen kümmern, in der Asbl „Suchtverband Lëtzebuerg“ zusammengeschlossen. Von ama.lu asbl (Alkohol- und Medikamentensucht) über Anonym Glécksspiller asbl, das CHNP mit seinem Entzugszentrum in Manternach, das Suchtpräventionszentrum CEPT, die Jugend- an Drogenhëllef bis hin zu Diensten wie „Abrigado“ und „Impuls“ reicht die Bandbreite der Gründungsmitglieder. Man möchte sichtbarer werden, gemeinsame Positionen stärker vertreten können und als Ansprechpartner für staatliche Autoritäten und Medien da sein.

„Die Bündelung unserer Kräfte, die Koordination und die Konzertation innerhalb eines Verbandes ist für die Vertretung unserer Interessen nach außen unabdingbar geworden. Wir wären beispielsweise als Suchtsozialarbeiter gerne bei der Unterredung der Polizei und der Stadt Luxemburg dabei gewesen, als das härtere Vorgehen im Bahnhofsviertel besprochen wurde. Wenn die Polizei so stark interveniert, wirkt sich das auf die gesamte Drogenszene aus, also auch auf unsere Arbeit: Es kommt zu einem Verdrängungskampf von einer Straße in die andere, einem Viertel ins andere. Wir sind durchaus mit den Folgen konfrontiert, denn unsere Klienten aus der Suchtszene suchen sich dann neue Plätze.

Razzien helfen in den Vierteln und den Cafés. Es läuft aber auch viel auf den Schulhöfen und das müsste mehr unterbunden werden. In Zukunft wollen wir dafür sorgen, mehr in die allgemeine Suchtprävention in den Schulen eingebunden zu werden. Sie müsste einheitlicher in allen Schulen funktionieren.

Die Polizei macht hier eine wertvolle Arbeit, interveniert aber nicht unbedingt aus dem Blickwinkel der generellen Suchtprävention, den wir als Sozialarbeiter haben. Die Suchtproblematik betrifft ja nicht nur illegale Drogen und Repression. Es geht beispielsweise darum, wie und warum man eine Sucht entwickelt. Darum ist es wichtig, dass wir systematisch mehr in den Schulen aktiv werden können. Denn die Prävention ist das wichtigste Mittel im Kampf gegen Suchtverhalten. Dass unserem Sektor mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden und wir sie gezielt für mehr Prävention einsetzen wollen, darin sind wir uns einig.

Es ist uns als Suchtverband auch wichtig, die ständige Weiterbildung, als lifelong learning, für die Suchtsozialarbeiter voranzutreiben. Sucht beschränkt sich zudem nicht nur auf Schuldenmachen und auf Drogen. Von Medikamentenabhängigkeit, von Workaholics oder von Sexaholics wird bislang nicht viel geredet, vom Suchtverhalten in den ‚Col-blanc-Jobs‘, das ein ganz anderes ist, auch nicht.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bekannter und anerkannter zu machen, dass spezifische Strukturen zur Prävention, Hilfe, Behandlung und Risikoreduzierung für Drogenabhängige und Suchtkranke im weitesten Sinne existieren und notwendig sind.“