LUXEMBURG
ERIC SCHAULS

Artenschutz vor der eigenen Haustür

Am heutigen 3. März wird der internationale Tag des Artenschutzes („World Wildlife Day“) begangen; der im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens eingeführte Gedenktag soll eigentlich an bedrohte wildlebende Tierarten und Pflanzenarten erinnern, die durch internationalen Handel und rasend schnelles Wirtschaftswachstum immer öfter gefährdet werden. Dabei scheinen aber manche Arten und Regionen stärker im Gedächtnis zu bleiben und als schützenswerter zu gelten als andere, bemerkt Eric Schauls vom Nachhaltigkeitsministerium:

„Der Wolf hat seinen Platz im Märchen, aber nicht bei uns im Wald. Die Biene ist gut auf dem Logo vom Honigglas, aber nicht im Picknickkorb. Während der Safari in Kenya aber wollen wir den Elefanten hautnah und bitte direkt vor unserer Kamera.

Jeder von uns fühlt sich angesprochen, wenn er in der „Groussgaass“ von WWF dazu aufgerufen wird, die letzten Elefanten vor Wilderei und der Zerstörung ihrer Lebensräume zu schützen, die wir alle so gut aus Tierdokus kennen. Es ist uns auch unbegreiflich, dass auf den Färöer-Inseln Menschen Grindwale töten.

Aber die Rückkehr des Wolfes nach Luxemburg löst in den Meisten von uns Unbehagen, Furcht oder sogar Wut aus. Der Fuchs der ein paar Hühner reißt, wäre vielleicht auch besser nicht mehr. Soll ein Biotop den Bau unseres Traumhauses verhindern, dann spielt der Artenschutz für uns auch eher eine untergeordnete Rolle. Es gibt ja schließlich noch genügend natürliche Lebensräume irgendwo, wo sie unserer Entwicklung nicht im Wege stehen. Die Wirtschaft muss wachsen, damit unsere Kinder später ein gutes Leben führen können. Darüber hinaus herrscht auch noch Wohnungsnot, und unsere Kinder brauchen ein Dach über dem Kopf. Naturschutz, ja, aber man muss Prioritäten setzen.

Das Leben in den letzten verbleibenden Naturgebieten unserer Erde romantisieren wir gerne im Gegenzug als eine Symbiose zwischen Mensch und Tier. Eine perfekte Idylle, in der die Menschen in Harmonie mit der Natur leben. Von den Problemen der Menschen, die oft unter ganz anderen Lebensumständen tagtäglich mit Wildtieren leben, sehen wir gerne ab. Menschen, deren Vieh von Löwen oder Leoparden gerissen, oder deren Ernte von Elefanten geplündert wird, gehören nicht in diese Vorstellung. Menschen, die durch Armut zur Wilderei getrieben werden, weil es eine verlässlichere Einkommensquelle als Ackerbau oder Viehzucht ist, verachten wir.

In unserem luxemburgischen Traum vom freistehenden Haus auf dem Lande weckt einen das Krähen des Hahns auch nie morgens um 5.00, und der Fuchs auf Nahrungssuche im Garten kommt darin auch nicht vor. Die Insektendichte haben wir dahingegen schon fast unserer romantischen Traumvorstellung angepasst, unseres ambitionierten Wirtschaftens sei Dank.

Die Ambivalenz unseres Räsonnements beim Artenschutz ist omnipräsent und jeder von uns täte gut daran, seinen Beitrag dazu zu überdenken. Es sind nicht die 50 Euro an Spendengeld an eine Organisation, die den Unterschied machen, sondern unsere tagtäglichen Entscheidungen, die unsere Welt beeinflussen. Dazu ein Sprichwort der Swahili aus Afrika: ‚Drei Dinge muss der Mensch wissen, um gut zu leben: Was für ihn zu viel, was für ihn zu wenig, und was für ihn genau richtig ist.‘

In Luxemburg ist dieses Wissen verloren gegangen.“