LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Claude Bouvy ist ein anerkannter Experte im Energiebereich - Statt seine Hochschulkarriere weiter zu verfolgen, machte er sich in Luxemburg selbstständig

Claude Bouvy kennt sich aus mit Energie. Der junge Mann ist spezialisiert auf Kühlsysteme und Heiztechnik. Aber auch Nah- und Fernwärme sowie Wärmerückgewinnung gehören zu den Bereichen, in denen der Luxemburger berät. Bouvy hat sich im September 2012 mit einer eigenen Energieberatung selbstständig gemacht. Dabei sah es nach dem Studium des Maschinenbaus zunächst gar nicht danach aus. Im „Journal“ erklärt er, warum es so kam.

Herr Bouvy, wie kam es zu Ihrer Idee einer Energieagentur?

Claude Bouvy Nach meinem Studium in Zürich bin ich nach Luxemburg zurückgekommen, um Berufserfahrung zu sammeln. Ich habe ein halbes Jahr bei einem Unternehmen gearbeitet und war danach drei Jahre als Gymnasiallehrer tätig. In dieser Zeit habe ich auch Abendkurse für Meister gegeben, die Ingenieur werden wollten. Da schlug mir der damals Verantwortliche, Prosper Schroeder, vor, zu promovieren und dann an der damals noch sehr jungen Universität Luxemburg zu unterrichten.

Das klingt aber gar nicht nach Selbstständigkeit.

Bouvy Nein, erst einmal nicht. Ich bin dann an die Technische Hochschule Aachen gegangen, um dort zu promovieren. Das Promotionsthema war „die „Optimierung von Energiesystemen in Kommunen und der Industrie“. Die Arbeit habe ich am thermodynamischen Institut geschrieben. Mein Professor kam selbst aus der Industrie und fragte, ob ich eine Gruppenleitung machen wolle. Die Arbeit war intellektuell herausfordernd. Ich habe auch Projekte zusammen mit der Automobilindustrie durchgeführt. Gerade erst habe ich daher meine Habilitation zur Energieeffizienz von Fahrzeugen abgegeben.

Das ist also der Beginn einer wissenschaftlichen Karriere.

Bouvy Nein, ich habe mich zur Selbstständigkeit entschieden, weil mir das wirklich Spaß macht und sich außerdem besser mit meinem Privatleben vereinbaren lässt. Durch meine akademischen Erfahrungen habe ich bei der Energieberatung zwei Standbeine: Zum einen die Technologie. So habe ich im Automobilbereich zusammen mit einem deutschen Industriepartner schon ein Patent angemeldet. Dabei geht es um einen Wärmespeicher fürs Auto, der Öl beim Kaltstart vorheizt und so Kraftstoff spart. Das zweite Standbein ist die Beratung für Gemeinden, beispielsweise im Rahmen des Klimapaktes, regenerative Energien oder Gebäudesanierung. So habe ich beim Wärmenetz in Boulaide beraten.

Welche Schwierigkeiten haben Sie?

Bouvy Zum einen ist es für ein kleines Unternehmen schwierig, wenn Ausschreibungen eine Zertifizierung voraussetzen. Zum anderen motiviert der im Vergleich mit dem Ausland deutlich geringere Energiepreis nicht jeden dazu, tatsächlich auch auf den Energiemix zu schauen. Das gilt vor allem für den Industriebereich. Die 2001 gegründete Energiebehörde nützt vor allem großen Unternehmen. Ich persönlich bedauere das sehr, weil sich Wasser und Wind in Luxemburg gut nutzen lassen. Bei den Gebäuden gibt es viele Auflagen. Aber bei Transport und Produktion sehe ich noch Spielraum.

Welche Projekte haben Sie schon durchgeführt?

Bouvy Für die Stadt Esch habe ich den Fuhrpark bewertet, inklusive der Nutzfahrzeuge, wie zum Beispiel Müllfahrzeuge. Da musste ich dann bewerten, ob beispielsweise ein Hybrid sinnvoller wäre. Aber auch im Ausland bin ich aktiv. So unterstütze ich ein Demonstrationsprojekt auf den Kapverdischen Inseln. Dort soll ein Dorf mit regenerativer Energie versorgt werden. Dazu gehört dann auch eine Brunnenpumpe, die wahrscheinlich mittels Fotovoltaik betreiben wird. Aber ich kann mir als Ergänzung auch gut einen Wasserspeicher vorstellen, statt einer Batterie. Die Leitung des Projekts hat das Cluster EcoInnovation. Ende vergangenen Jahres war ich in Tunesien. Dort soll an einem Energiesystem für den Tomatenanbau gearbeitet werden. Das Gewächshaus steht nah an der Sahara und nachts ist es dort sehr kalt. Gleichzeitig steigen die Energiepreise. Der Kontakt dort entstand in Kooperation mit dem Außenministerium.