LUXEMBURG
MARCO MENG

Autistische Kinder oder alte Menschen könnten von ihm profitieren: Der Roboter von LuxAI

Im Mai 2015 begann Pouyan Ziafati mit einem Projekt am „Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust“ (SnT) der Universität Luxemburg, das inzwischen zu einem eigenen Unternehmen wurde: LuxAI S.A.. Das Forschungsprojekt lautete, Roboter für die nicht-industrielle Verwendung zu entwickeln und wurde schon mit einigen Innovationspreisen geehrt.

Sie bauen ganz besondere Roboter?

Pouyan Ziafati Ja, wir bauen sogenannte „soziale Roboter“, das sind Roboter, die Menschen im täglichen Leben helfen können und mit ihnen auch interagieren. Darum auch LuxAI, denn AI steht für „Artificial Intelligence“. Weil die Unterstützung, die unsere Art Roboter leistet, mehr im Interagieren als in physischen Aktivitäten besteht, sind es also tatsächlich soziale Roboter.

Wo sehen Sie die Einsatzmöglichkeit solcher Roboter?

Ziafati Es gibt viele Möglichkeiten dafür. Worauf wir uns momentan konzentrieren sind Roboter für mental beeinträchtigte Kinder, vor allem solche, die unter Autismus leisten. Autisten haben ja Probleme mit sozialer Interaktion, und Roboter können hier durchaus für die Betroffenen nützlich sein, indem sie sie ermutigen, sozial zu interagieren. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit des Roboters besteht darin, ältere Menschen anzuspornen, sich zu bewegen, indem sie zum Beispiel mit ihnen Bewegungsübungen machen. Auch kann der Roboter in Kindergärten eingesetzt werden, wo er Kindern richtiges soziales Verhalten beibringt. Wie reagiert man am besten in bestimmten Situationen, und das in vierzig verschiedenen Sprachen. Im Bildungs- oder Gesundheitssektor kann unser Roboter Ausbilder und Therapeuten bei ihrer Arbeit unterstützen: Hauptzweck des Roboters ist, die Menschen sinnvoll zu beschäftigen.

Das Projekt starteten Sie als Forscher auf der Universität.

Ziafati Ja. Nachdem wir den Roboter entwickelt hatten, war die Frage, ob sich das kommerziell nutzen ließe, und so wurde LUX AI als Spinn-Off gegründet, dessen Geschäftsführer ich bin.
Noch macht das Unternehmen aber keinen Profit?

Ziafati Nein, noch nicht, denn noch ist der Roboter nicht zu kaufen. Wir sind noch mit der Herstellung beschäftigt. Wir haben einen Prototyp entwickelt und arbeiten zusammen mit der „Fondation Autisme Luxembourg“, und in Kollaboration mit der Uni Luxemburg sind wir derzeit damit beschäftigt, den Roboter und seine Einsatzmöglichkeiten zu testen, momentan insbesondere für die Anwendung mit autistischen Kindern. Zum Beispiel bringen wir dem Roboter bei, Emotionen zu erkennen und zu kontrollieren. Das mache ich zusammen mit meiner Kollegin Dr. Aida Nazarikhorram, die Mitgründerin des Unternehmens ist - ich selbst bin Doktor in Robotik und Künstlicher Intelligenz, sie ist Medizinerin.

Weil der Roboter ja interagieren muss: Ist er eine Art selbstlernender Roboter?

Ziafati Nein, das wäre nicht die richtige Bezeichnung. Wir haben ein Interface, eine Software entwickelt, die es jedermann ermöglicht, den Roboter ganz einfach zu programmieren, je nach eigenen Bedürfnissen. Das heißt, Grundschullehrer beispielsweise oder Kindergärtner können selbst die Anwendungsmöglichkeit des Roboters ihren Bedürfnissen anpassen. Roboter haben viele Vorteile, doch üblicherweise können nur Spezialisten sie programmieren. Was wir getan haben, ist, dass jeder ganz simpel den Roboter programmieren kann, so wie er ihn haben will. Nicht, dass er das Haus putzen soll, das wäre dann ein Service-Roboter, sondern unser Roboter ist wie gesagt für die persönliche soziale Interaktion da, das geht hin bis zum Reden und sich Unterhalten.

Wie groß schätzen Sie den Bedarf an solchen Robotern ein?

Ziafati Zieht man beispielsweise Erziehung im Vorschulzeitalter in Betrachter oder Rehabilitation in Altersheimen, dann erkennt man schon, dass das ein großer Markt wäre. Allein für Kinder mit Entwicklungsstörungen - eines von 68 Kindern ist so diagnostiziert, was eine hohe Zahl ist - wären die Anwendungsmöglichkeiten riesig.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Ziafati Wir stellen nun die Hardware her, gleichzeitig werden weiter Tests und Versuche zu Anwednungsmöglichkeiten durchgeführt. Ich denke, so Mitte 2017 können wir die ersten Roboter verkaufen. Vorher werden wir sicherlich einige davon an Erstanwender verteilen.

Potenzielle Kunden haben Sie schon?

Ziafati Wir waren natürlich in letzter Zeit auf vielen Konferenzen, Messen und Autismus-Zentren, wo wir das Projekt bekannt machten und von wo wir auch viel Interesse erhielten und die darauf warten, dass der Roboter im Verkauf ist.