LUXEMBURG
CLK

„Solidarité Luxembourg-Cuba“ ist seit 1994 in der Entwicklungshilfe auf Kuba tätig. Von Anfang an begleitet sie etwa Projekte für die Erschließung von Sonnenenergie oder zur Verbesserung der Landwirtschaft und Gesundheitspflege aber auch Aus- und Weiterbildungsprogramme. Präsidentin Christiane Tonnar und Kassenwart Siggy Koenig überzeugen sich in regelmäßigen Abständen vor Ort, wie die Projekte voran schreiten und verfolgen natürlich auch die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen auf der karibischen Insel.

Privatinitiative unterstützt

„Es hat sich viel verändert, seit Raul Castro Präsident wurde“, erzählt Christiane Tonnar mit Verweis auf die Reformen, die der nationale Plan für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung - Horizont 2030 - mit sich bringt.

Er hat es ermöglicht, dass Kubaner Geld nun auf eigene Rechnung verdienen können, was zur Gründung zahlreicher Kleinunternehmen führte. Besonders viele florieren im Tourismusbereich, vor allem in den Städten. Es hat auch einen massiven Stellenabbau in der kubanischen Bürokratie gegeben, der den Weg vieler in die Selbständigkeit beschleunigt hat. „Man sieht heute, dass auch viel mehr Geld im Umlauf ist“, sagt Christiane Tonnar, aber es gebe Defizite bei der Information über Unternehmensgründungen und der Ausbildung der Gründer. „Wo sollen sie das Wissen herhaben nach Jahrzehnten der Planwirtschaft?“, bemerkt Siggy Koenig, „ein Privatunternehmen muss auf soliden Füssen stehen, alles muss durchgerechnet sein“.

Neu ist für die meisten Betriebsgründer auch, dass sie nun Steuern zahlen müssen, an das Konzept sind sie nicht gewohnt. „Solidarité Luxembourg-Cuba“ unterstützt so ein Aus- und Weiterbildungsprogramm für Jungunternehmer der Universität Santa Clara. „Die Menschen sehen, dass sie Perspektiven haben“, erklärt Siggy Koenig, „und sie sind zufriedener“. Bedauerlich finden die beiden Kuba-Kenner, dass die Trump-Verwaltung in den USA die von Präsident Obama in die Wege geleitete Verbesserung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba wieder rückgängig gemacht hat. Heute scheint eine Lockerung des seit Jahrzehnten bestehenden Handelsembargos wieder in weiter Ferne. „Wir haben letztes Jahr besonders viele Spenden bekommen, auch größere. Das war für einige Spender sicher auch eine Art und Weise, Trump den Stinkefinger zu zeigen“, lacht Siggy Koenig.

Weitere Öffnung

Kuba öffne sich aber weiter. Zum Beispiel habe Raul Castro, der 2012 den Kubanern die Ausreise ohne Genehmigung erlaubt, indes seit Anfang des Jahres Auslandskubanern - auch ehemals Ausgereisten - die Einreise ohne Formalitäten gestattet. „Solidarité Luxembourg-Cuba“ wünscht sich nichts sehnlicher als die Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und der internationalen Gemeinschaft. Das würde auch den Wegfall einer bedeutenden Hürde für die Entwicklungsarbeit auf der Insel bedeuten. Es sei noch immer so, dass Banken Geldtransfers nach Kuba - aber auch innerhalb Luxemburgs - von Vereinigungen, die den Namen des Landes in ihrer Bezeichnung tragen, systematisch ablehnen, bedauern Christiane Tonnar und Siggy Koenig.