LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Dokumentarfilm „Preise së rëm zréck - Alamo zu Cliärref“ von Michel Tereba über die Ardennenoffensive feiert heute seine Premiere im Cube 521 in Marnach

Michel Tereba könnte dem einen oder anderen Kinofan ein Begriff sein. Er realisierte 2005 den „Zombie Film“ zusammen mit Patrick Ernzer und 2006 den außerordentlichen Kurzfilm „Psyclist“, in dem er einen Radfahrer spielt, der sich auf eine wilde Verfolgungsjagd einlässt. Als Schauspieler sah man ihn unter anderem in der RTL-Serie „Comeback“, den Filmen „Heemwéi“, „Le dernier diamant“ oder „Eng nei Zäit“.

Im Auftrag der Gemeinde Clerf und des Naturparks Our drehte er den 52-minütigen Dokumentarfilm „Preise së rëm zréck - Alamo zu Cliärref“, über die Zeit in der Ardennenstadt während der Rundsted-Offensive. Über fünf Monate recherchierte der Regisseur zusammen mit Mitgliedern des „Cercle d’Etudes sur la Bataille des Ardennes“ (CEBA). Historisches Filmmaterial und Fotos wurden angesehen. Schließlich wurden Zeitzeugen interviewt und gefilmt und Szenen mit Schauspielern nachgestellt.

Gewollte Lügen

Am 10. Mai 1940 zog die deutsche Wehrmacht über die luxemburgische Grenze. Das Land wurde unter die Befehlsgewalt des Gauleiters Gustav Simon gesetzt, und der Krieg bestimmte das Tagesgeschehen in der Stadt mit der Benediktinerabtei. Der Benediktinermönch François Schumacher erinnert sich, dass die Deutschen gar glaubten, das Kloster wäre ein französisches Spionagenest. Am 15. Januar 1941 mussten die Mönche ihr Kloster in Richtung Belgien verlassen.

Später sollten die Glocken gar „Heim ins Reich“ gebracht werden, aber der Hausmeister des Klosters nahm sie ab und versteckte sie unter einem riesigen Heuhaufen. „Die Glocken sind längst heim ins Reich!“, sagte er den Deutschen später.

Elvire Recken erzählt, dass die Eltern den Kindern das Lügen beibrachten. So mussten sie glaubhaft erklären, sollten sie von deutschen Soldaten gefragt werden, dass kein englisches Radio zuhause gehört wurde. Trauriger sind die Erinnerungen ihrer Cousine Marie-Antoinette, deren Vater verschleppt wurde und nie heim kehrte. Ab dem 9. September 1944 begannen die Amerikaner, das Großherzogtum zu befreien. Nur haperte es mit dem Nachschub, und der Führer konnte eine neue Attacke planen. Am 16. Dezember schlugen Hitlers Truppen zurück.

Einen Tag später tauchten die ersten deutschen Soldaten wieder in Clerf auf. Die schlimmste Zeit begann für die Clerfer, wie für alle Bewohner im Norden des Landes während der Ardennen- oder Rundstedtoffensive. In acht Wochen gab es rund 100.000 Tote bei den Alliierten und den Besatzern. 18.000 Häuser wurden beschädigt, 2.900 komplett zerstört.

Interessantes Filmdokument

Die Zeitzeugen, unter ihnen Hellmuth Bergmann, Ike Refice, Erny Kohn und Richard Armand, die in ihren Erinnerungen wühlen, lassen, zusammen mit den Filmen und Fotos, die Geschichte wieder aufleben. Anachronistisch wirken zwar die Trickaufnahmen von Philippe Ludivig mit Panzern, die durch das aktuelle Stadtbild Clerfs fahren, aber nur so kann man sich die Attacke aus dem Jahr 1944 vorstellen. Somit ist Michel Tereba ein interessantes Filmdokument gelungen, das eigentlich alle Luxemburger interessieren müsste.

Das Wort „Alamo“ im Titel bezieht sich auf die Schlacht von Fort Alamo 1836 im Texanischen Unabhängigkeitskrieg, bei der alle Verteidiger der Festung ums Leben kamen.


Nach der Premiere in Marnach läuft der Film in verschiedenen Kinos des Landes. Die Spielzeiten findet man auf der Internetseite www.alamo-film.lu