LUXEMBURG/GLASGOW
DANIEL OLY

Schottland-Urlaub: Highland-Wanderung, Baumstamm-Weitwurf, Destillerien-Tour und mehr

Abenteuer Schottland-Urlaub: Das Land der Whisky-Destillerien und unendlichen Highlands lädt aber nicht nur zu gemütlichen „Tastings“ ein, sondern hat auch niedliche und bisweilen schräge Besonderheiten zu bieten. Den Urlaub buchten wir deshalb nicht nur, um es uns in den örtlichen Pubs in Glasgow mit Köstlichkeiten wie Ale, Cider, Haggis, Steak and Ale Pie oder dem unfassbar süßen Irn Bru gut gehen zu lassen. Das Ziel war direkt klar: Möglichst viele Eindrücke sammeln.

Also erst mal auf Highland-Wanderung. Wir hatten uns auch direkt einen interessanten Aufstieg ausgesucht: „Goatfell“ nennt sich der nicht ganz 1.000 Meter hohe Brocken auf der Insel Arran, von dessen Spitze aus man bei gutem Wetter gar bis nach Irland sehen soll! Das klang trotz Start auf Meereshöhe so verlockend, da muss man einfach hoch. Zwischendurch verfluchte und hinterfragte man die Entscheidung; die ganzen Leute, die uns wieder entgegen kommen und vom Gipfel schwärmen? Bestimmt allesamt elendige Lügner, die nur nicht wissen, dass ich auch Kishon und über das Tal der Schmetterlinge gelesen habe!

Weiter ging es trotzdem. Später dann das ernüchternde Resultat: Sonnenbrand, eine gewaltige Brandblase an jedem Fuß und die traurige Gewissheit, das Ziel - dieser vermaledeite Gipfel! - nicht erreicht zu haben. Die Beine machten circa 20 Höhenmeter vor dem Ende einfach nicht mehr mit, versagten zuerst den Dienst und verwandelten sich dann in weichgekochte Spaghetti. Immerhin: Einen Sonnenbrand in Schottland einfangen - das muss man auch mal schaffen!

Erlebnis Highland-Games

Zu meiner Verteidigung: Es war untypisch heiß und trocken, da wir Schottland am Ende einer ungewöhnlich langen Hitzeperiode besuchten. Der typische schottische Hochsommer (zwischen fünf und 25 Grad, wechselhaft mit Regen, Gewitter, Sonne und Hagel) stellte sich dann an den kommenden Tagen ein, als wir in die Universitätsstadt und Golfmekka St. Andrews fuhren, um die dortigen Highland-Games zu besuchen.

Wer das Konzept nicht kennt: Das ist ungefähr so wie Dorffest oder Kirmes, nur mit mehr Sport: Auf den Highland-Games wird so etwa gelaufen, geradelt oder um die Wette getanzt. Selbst Dudelsack-Wettbewerbe dürfen nicht fehlen. Und natürlich die kräftigen Kerle, die einen Hammer, zentnerschwere Gewichte oder einen Baumstamm durch die Gegend werfen.

Bei einem vorangegangenen Schottland-Urlaub waren wir auch auf einem Highland-Games-Event, verpassten die Highlights aber leider. Deshalb waren wir diesmal möglichst früh aufgebrochen, um nicht nur dem Radrennen auf Rasen (!) und den Dudelsack-Festspielen beiwohnen zu können, sondern auch die „Heavies“ bei ihrer Kunst zu sehen. Die Entscheidung lohnte sich: Es goss zwar wie aus Eimern, trotzdem lief das Spektakel wie geplant ab, auch wenn die Punktrichter regelmäßig ihr windschiefes Zelt wieder geraderücken mussten. Für Zuschauer gab es dann spannende Rennen und den „Heavies“-Wettbewerb, für den eigentlich alle da waren. Den Anfang machte der - für Kontinentaleuropäer - noch verständliche Hammerwurf, bevor dann endlich die „Caber“, etwa Telegrafenmasten-große Baumstämme, ausgepackt wurden.

Handschuhe oder spezielle Griffe? Pustekuchen! Das untere Ende wird kurzerhand mit einem Handtuch ansatzweise trockengerubbelt, dann lädt sich der Kerl den Baumstamm auf die Schulter, nimmt Anlauf und - wirft! Aus dem Stand, perfekte Form, der Baumstamm fliegt. Aber werfen allein reicht nicht; die Erfinder dieses Sports müssen gewusst haben, dass Baumstamm-Weitwurf für sich genommen viel zu einfach für echte Schotten ist. Deshalb gibt es Regeln, wie man mir erklärt: Der Baumstamm muss nicht nur geworfen werden, er muss sich außerdem überschlagen. Je nach Winkel wird der Gewinner ermittelt. Das schaffte in St. Andrews an dem Tag leider keiner der Teilnehmer, wohl auch, weil es einfach zu nass war.

Es folgten: Tauziehen, vier gegen vier, auf durchnässter Wiese; das Seil mit Brandblasen-Faktor Sieben wurde hin- und hergezogen, bis schließlich ein Sieger feststand. Dabei sauten sich manche Teilnehmer anständig ein. Währenddessen warfen die „Heavies“ keine Telegrafenmasten mehr, sondern nur noch rücklings Gewichte über eine Latte. 56 Pfund schwere Gewichte, versteht sich. Wir mussten leider gehen, als die Latte bei über 14 Fuß - knapp 4,2 Meter - angesetzt wurde. Ein Blick in die später veröffentlichten Resultate zeigt aber: Schluss war erst später, der Gewinner warf über 16 Fuß hoch, fast fünf Meter. Die „Highland-Games“ sind also immer wieder ein Spektakel. Zuletzt blieb nur die Enttäuschung, dass es einmal mehr keinen „Caber-Tossing“-Schnupperkurs für Besucher gab. Muss ich eben zuhause im Garten üben...

Seegang lohnt sich

Der krönende Abschluss des Trips kam dann am letzten Tag. Der Entschluss ward gefasst, nach Anstruther (nördlich von Edinburgh) zu fahren, um einen kleinen Kutter herüber zur Isle of May zu nehmen. In dem Naturschutzgebiet brüten zigtausende Möwen, Kormorane, Tordalke. Hier tauchen sogar Robben... und Papageientaucher! Die kleinen lustigen Watschler wollten wir uns um keinen Preis entgehen lassen, und nicht einmal das Abenteuer Leihwagen - samt Fahren auf der falschen Straßenseite - hielt uns davon ab, an die Küste zu fahren und die „May Princess“ zu besteigen. Die Alternative, zwei mikroskopische Schlauchboote, wirkte nicht so attraktiv.

Rund eine Stunde mit Wellengang und reichlich Übelkeit bei den anderen Passagieren später legten wir an der nur rund 45 Hektar großen, unbewohnten (außer von Forschern des „Scottish Natural Heritage“) Insel an. Nach einer kurzen Einweisung (bloß nicht die ausgewiesenen Pfade verlassen, um nicht in Nester zu treten) durften wir auf Entdeckungsreise - und die entlohnte für die anstrengende Reise doppelt und dreifach! Fast 200.000 Wildvögel brüten jahrein, jahraus auf der Insel. Die Möwen mögen an der nur knapp sechs Kilometer entfernten Küste ihr Unwesen treiben, aber auf der Insel sind sie brav und keineswegs kamerascheu. Das kann man auch von den Papageientauchern, die im Englischen übrigens den niedlichen Namen „Puffin“ tragen, nicht behaupten. Im Gegenteil: Bis fast auf Armlänge kommt man hier an den niedlichen Beinahe-Pinguin heran. Ein Traum wurde wahr: Zwei geschlagene Stunden konnten wir die Taucher auf den Klippen verfolgen, wie sie - mit Fischen im Schnabel - Ausschau nach ihren Jungen hielten.

Die Rückreise fiel schwer, aber die Entscheidung, einmal mehr zurückzukommen, nicht. Schottland lohnt die Reise.