ECHTERNACH
CHRISTIAN SPIELMANN

Premiere am Donnerstag: Das „Théâtre Grand-Ducal“ spielt „Verrücktes Blut“

Jean-Paul Lilienfeld realisierte 2008 den Film „La journée de la jupe“, mit Isabelle Adjani. Nurkan Erpulat und Jens Hillje adaptierten das Drehbuch zu dem Theaterstück „Verrücktes Blut“, das im September 2010 im Berliner Theater „Ballhaus Naunynstraße“ uraufgeführt wurde. Der luxemburgische Schauspieler und Regisseur Jean-Paul Raths schrieb das Stück für luxemburgische Verhältnisse um. Das „Théâtre Grand-Ducal“ und das Trifolion Echternach produzieren das Stück, das Raths ebenfalls inszeniert, mit seiner Tochter Géraldine an seiner Seite.

Mit vorgehaltener Pistole

Die Lehrerin Sonja Kelich (Sabine Rossbach) versucht den Schülern Musa (Paul Robert), Ferit (Basil Prange), Bastian (Sebastian Kunzler) und Hasan (Zemir Kuc) sowie den Schülerinnen Mariam (Sabrina G. Gérard) und Latifa (Hedda Engel) die Werke von William Shakespeare näherzubringen. Die meisten Jugendliche haben einen Migrationshintergrund. Der Unterricht interessiert jedoch niemanden. Als sich Bastian und Musa streiten, geht Kelich dazwischen und entdeckt eine Pistole in Musas Rucksack. Es löst sich unglücklicherweise ein Schuss, und Musa wird an der Hand verletzt. Kelich nimmt die Pistole an sich und sieht, dass die Klasse nun Respekt zeigt, und alle sind plötzlich mucksmäuschenstill. Sie kann ihnen endlich von Schillers ethnischer Erziehung erzählen und von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“. Mit der Pistole im Nacken spielen die Schüler sogar Szenen nach. Kelich fordert von Mariam, dass sie ihr Kopftuch abnimmt, aus Respekt vor sich selbst als Frau. Die Situation eskaliert, als ein Video von Hasan auf Musas Handy auftaucht. Musa wird gefesselt, und Kelich lässt die Schüler für seinen Tod oder seine Freilassung abstimmen.

Gegenseitiger Respekt

Das Stück ist ein Plädoyer für gegenseitigen Respekt. Die Regeln hierfür sind im Prinzip einfach, und doch halten sich nicht alle Menschen daran. So kommt es zu Konfliktsituationen, die schließlich mit Waffengewalt geregelt werden müssen. „Verrücktes Blut“ gibt auch zu verstehen, dass man ohne den Besuch einer Schule nie etwas im Leben erreichen kann, schon gar nicht mit Gewalt. Als Beispiele für eine korrekte Bildung werden die Wörter „Nutte“ und „Muschi“ ins Spiel gebracht, die oft gesagt werden, aber deren wirkliche Bedeutung niemand kennt. In kurzen Intermezzos werden Lieder eingespielt, die von der Lehrerin in den Kontext des Lehrstoffes gebracht werden, wie eine Oper von Hermann Goetz und das Musical „Kiss Me, Kate“ von Cole Porter, die auf „Der Widerspenstigen Zähmung“ basieren.

Überaus ordentlich spielen die jungen Menschen ihre Rollen. Verschiedene stehen zum ersten Mal auf einer Bühne. Gekonnt sprechen sie die drei offiziellen Sprachen des Stücks, Deutsch, Französisch und Luxemburgisch, mit einem ausländischen Akzent. Sabine Rossbach kennt das Theater seit langem und spielt eine überzeugende Lehrerin. Das Stück überrascht sehr oft und regt zum Nachdenken an.

Premiere ist am 28. September um 20.00 im Trifolion in Echternach. Eine weitere Vorstellung ist in dem neuen „Kaerjenger Treff“ in Bascharage am 21. Oktober um 20.00. Dann wird in verschiedenen Schulen gespielt.


Mehr Infos unter www.tinyurl.com/theatre-grand-ducal,
Tickets unter www.trifolion.lu