LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Fabien Olsem empfing die Eltern der verstorbenen Catherine Bullen und Gründer der Catherine-Bullen-Foundation vor wenigen Tagen in Luxemburg

Am 2. September haben die Eltern der verstorbenen britischen Medizinstudentin Catherine Bullen Luxemburg besucht. Fabien Olsem lernte die von den Eltern gegründete Catherine-Bullen-Foundation 2010 während eines Freiwilligen-Projekts in der Region Omaheke in Namibia und das nach ihr benannte Krankenhaus kennen. Diese Erfahrung beeindruckte den heute 32-Jährigen so sehr, dass er anschließend Kontakt zu Catherine Bullens Eltern suchte, woraufhin ein freundschaftlicher Kontakt entstand.

In welcher Form hat Sie der Kontakt mit der Catherine-Bullen-Foundation tief beeindruckt?

Fabien Olsem Ich habe von der Catherine-Bullen-Foundation das erste Mal in Namibia im Jahre 2010 gehört. Ich war auf dem Weg von Gobabis - einer größeren Stadt in der Omaheke-Region - nach Eiseb. Während den fünf bis sieben Stunden Fahrtzeit in der Trockensaison mussten wir an Otjimanangombe vorbei, wo im Jahre 2008 die Klinik gebaut wurde. Mein Fahrer erzählte mir die Geschichte von Catherine Bullen und fortan suchte ich den Kontakt. Beeindruckt hat mich die Kraft, mit der Linda und Roger ihre Projekte angehen und wiev iel Leidenschaft sie in das Land, in dem ihre Tochter verstorben ist, investieren

Inwiefern unterscheidet sich Ihr Verein, Sunie e.V., von anderen Organisationen?

Olsem Wir beschränken unsere Unterstützung auf eine Region in einem Land und verlassen nach geleisteter Arbeit auch das Projekt, welches wir danach nur noch auf Anfrage unterstützen . Weiterhin besteht Transparenz in unseren Finanzen. Somit kann jeder sehen, wo seine Spende hinfließt, beziehungsweise in welchem Projekt sie eingesetzt wird. Jeder Euro aus einer Spende wird auch dafür benutzt. Die berühmten 10-30%, die man für Werbung beispielsweise benutzen kann, werden bei uns, wie bei vielen kleineren NGOs nicht beansprucht, da jeder seine Zeit freiwillig investiert. Die Werbematerialien werden durch die Mitgliedsbeiträge gedeckt und die Flüge zur Evaluation oder für Praktikanten bezahlt jeder selbst. Suni e.V. investiert mehr in Bildungsprojekte und die Catherine-Bullen-Stiftung eher in Bauprojekte, wie die Klinik oder die Schlafräume in einem Internat. Dadurch, dass wir selbst oft Projekte besuchen, respektive mit lokalen NGOs zusammenarbeiten, wissen wir immer, wie es vor Ort aussieht.

Wie sieht die Arbeit der Stiftung aus?

Olsem Die Arbeit der Stiftung hier in Europa besteht vor allem aus Fundraising, beziehungsweise Spenden zu bekommen. Dies wird vor allem durch Verkäufe und Vorträge gemacht. Roger und Linda fahren zweimal im Jahr nach Namibia und schauen sich mit nationalen und lokalen Partnerorganisationen an, wo dringend Unterstützung gebraucht wird und versuchen dann dort zu helfen. Weiterhin besuchen sie auch ihre Projekte und schauen sich an, wie es mit der Arbeit vorangeht.

Arbeiten Sie auch für die Catherine-Bullen-Foundation?

Olsem Ich arbeite ehrenamtlich für Suni e.v. und wir arbeiten mit der Foundation zusammen, da wir im gleichen Gebiet, der Omaheke Region, und mit Zielen, die sich gut ergänzen, aktiv sind.

Sie sind vor wenigen Tagen von einer weiteren Reise nach Namibia zurückgekehrt. Wie ist die momentane Situation vor Ort?

Olsem Auch in diesem Jahr habe ich die Schule besucht, an der ich vor fünf Jahren als Freiwilliger tätig war. Die Regierung arbeitet intensiv in dieser Region, aber es fehlt noch immer an vielem. An der Mphe Thuto Schule sind in diesem Jahr fünf Klassen, die in Zelten unterrichtet werden. Die Regierung hat angekündigt, weitere Klassenräume zu finanzieren sowie auch Lehrerunterkünfte, denn auch hier gab es einen Mangel. Die sanitären Anlagen wurden auch verbessert, was der Hygiene der Kinder gut tut. Dadurch, dass das Hostel seit einigen Jahren vom Staat finanziert wird, wurden aus drei Arbeitern 15. Ich habe in diesem Jahr auch nur dieses Projekt besucht, da ich mich mit den damaligen Lehrern und jetzigen Freunden treffen wollte.
Was könnte oder müsste Ihrer Meinung nach noch verbessert werden?

Olsem Es wird viel Hilfe geleistet, leider ist diese meistens sinnlos. Es gibt Computerprojekte oder Beamer, welche in Schulen stehen, die aber durch Mangel an Elektrizität nicht benutzt werden können. Die Unterstützung müsste besser organisiert werden. Dies gelingt, wenn man lokale NGOs in Namibia mit einbezieht.

Die Eltern von Catherine Bullen, Roger und Linda, waren in der vergangenen Woche in Luxemburg. Wie ist das Treffen mit den beiden verlaufen?

Olsem Roger und Linda waren erst auf der Mitgliederversammlung von Suni e.V. und sind zwei Tage später nach Luxemburg gekommen. Es war für Sie das erste Mal, dass sie in Luxemburg waren. Wir konnten uns über Namibia austauschen und auch über die einzelnen Projekte. Die Wahrnehmung in einem anderen Land ist nicht immer die gleiche und von daher hilft es oft, wenn man sich mit Gleichgesinnten zusammentut, um vieles Revue passieren zu lassen. Wir haben über Momente gesprochen, die wir in Namibia erlebt haben, einem Land, das uns alle fasziniert.

Catherine Bullen ist vor zwölf Jahren auf eine tragische Weise in Namibia verstorben. Haben ihre Eltern dieses Trauma inzwischen verarbeiten können?

Olsem Auf diese Frage kann man als Außenstehender nur sehr schwer antworten. Allerdings ist es in meinen Augen bereits schwierig genug, in das Land zu reisen, in welchem die Tochter verstorben ist, aber dann auch noch Unterstützung durch verschiedene Projekte anzubieten. Dafür braucht man viel Kraft und Liebe.

Inwiefern war der Gedenkfond den Eltern eine Stütze?

Olsem Linda und Roger haben zu Beginn nie an eine Stiftung geglaubt und sie ist auch erst nach einigen Jahren gegründet worden. Ich glaube allerdings, dass die Besuche in Namibia ihnen gut getan haben. In diesem Jahr wurde die renovierte Klinik in Oshivelo, wo Catherine damals verstorben ist, durch den Gesundheitsminister Dr. R. Kamwi eingeweiht und nach ihr benannt. An vielen Stellen lebt Catherine oder ihre Erinnerung in Namibia weiter.


www.namibia-aid.org.uk
www.suni-ev.de