STRASSEN
SIMONE MOLITOR

58 Künstler haben an der Kollektivausstellung „FuelBox3“ in Strassen mitgewirkt

Es riecht nach frischer Farbe. Ein Geruch, der einem in einer gewöhnlichen Kunstgalerie normalerweise nicht in die Nase steigt. Eine konventionelle Galerie erwartet man aber auch nicht, wenn man das ehemalige Autohaus „Garage Grün“ in Strassen betritt. Die Neugierde wird bereits vor der Tür geweckt, immerhin haben sich zehn Künstler an den Außenwänden kreativ ausgetobt. Heute Abend wird die dritte Auflage der Kollektivausstellung „FuelBox“ eröffnet. Eine Initiative der Künstler Laurent Turping, Yvette Rischette, Raphael Gindt und Dani Neumann, von denen jeder noch einmal ein Dutzend Künstler eingeladen hat. 58 sind es schließlich. Ausreichend Platz ist vorhanden, nämlich 1.200 m².

Stimmiges Ganzes

Kollektiver kann eine Kollektivausstellung tatsächlich kaum sein. Nicht nur ist jedes Genre vertreten - Graffiti, Videoinstallation, klassische oder sehr abstrakte Gemälde, Skulpturen aus Holz und Metall -, nein, es wurde auch noch direkt mit dem Raum gearbeitet. Dennoch ist ein gelungenes und - möglicherweise unerwartet - stimmiges Ganzes entstanden.

Blickfang gleich beim Betreten der früheren Autowerkstatt im hinteren Gebäudeteil: ein Segelboot, das inmitten eines Sandhaufens steht. Auch ein imposanter, 25 m² großer Tisch mit Platz für 60 Leute sorgt für Staunen. „Hier werden wir ein großes ,dîner d’artistes‘ für alle beteiligten Künstler organisieren“, verrät Gindt. „Ganz im Sinne dieses Kollektivgedankens wollen wir alle an einen Tisch bringen, damit man sich auch mal richtig austauschen kann. Wir waren ja selten alle gemeinsam hier am Werk“, sagt Turping, der das Monsterteil zusammengezimmert hat.

Mehr kreativer Spielraum

Es ist das erste Mal, dass auch die hintere Halle mit in die Expo eingebunden wird, bei der letzten Auflage hatten sich die Organisatoren noch auf den Showroom beschränkt. Der kreative Spielraum ist folglich um einiges gewachsen. „Diesmal haben wir wesentlich mehr mit dem Raum gearbeitet und eben nicht nur Bilder an die Wand gehängt. Genau das war die Idee, dass jeder individuell etwas mit dem Raum macht“, erklärt Gindt.

„Das Interessante ist, dass man gerade bei solchen Ausstellungen im unkonventionellen Rahmen auch mal aus sich rausgehen und sich ausprobieren kann und so als Künstler auch weiterkommt“, meint er, „wann hat man sonst schon die Möglichkeit, so großformatig zu arbeiten und noch dazu direkt auf die Wand zu malen? In einer Kunstgalerie jedenfalls nicht“. Tatsächlich sind regelrechte Gesamtkunstwerke entstanden, die gleichzeitig aber auch vergänglich sind. Ist die Ausstellung erst einmal vorbei, verschwinden sie. Verkaufen kann man eine kunstvoll gestaltete Mauer jedenfalls nicht. „Wem es nur ums Verkaufen geht, der sollte vielleicht besser Verkäufer werden“, meint dazu Gindt, „der Künstler hat hier aber die Möglichkeit etwas zu zeigen, was er sonst nicht zeigen kann. So etwas bekommt man ja nicht auf eine Leinwand“.

Diese neue Erfahrung hat auch Dani Neumann gemacht, die die ganze hintere Gebäudewand mit einem Werk, in dem viel Witz steckt, gestaltet hat. Dieses Bild gibt es indes auch auf Leinwand, dies aus praktischen Gründen, wie sie erklärt: „Damit ich es auf die Wand projizieren und dann malen konnte. Das war doch etwas einfacher. Da ich keine Graffiti-Künstlerin bin, war es eine gewisse Herausforderung auf einer hohen Leiter mit Farbtopf und Pinsel zu jonglieren, um eine derart große Fläche zu bemalen“.

Andere Atmosphäre

Die zwei Gebäudeteile machen die Ausstellung alleine deswegen schon so interessant, weil sie sich von ihrer Optik her so klar voneinander unterscheiden: Der Showroom mit seinen weißen Fliesen und Mauern erinnert viel eher an eine klassische, geordnete Galerie, währen die hintere Halle deutlich mehr Industriecharakter hat. Die Atmosphäre ändert, sobald man die Schwelle zum anderen Bereich überschreitet.

Als wir unseren Rundgang durch die Ausstellung beenden, wird vor der Tür gerade das letzte Kunstwerk geliefert: Rafael Springers „Jickemobil“ - ein alter Mercedes, der mit 600 kg bunten Murmeln beklebt ist und auf dem Parkplatz gleich für die nötige Aufmerksamkeit sorgen wird.

Darf man sich denn auf weitere Ausgaben der „FuelBox“ freuen? „Bestimmt. Oder sagen wir, hoffentlich“, antwortet Gindt. Wann das frühere Autohaus abgerissen wird, um Platz für die geplante Wohnanlage zu machen, ist noch unklar.


Vernissage ist heute Abend (11. Oktober) ab 18.00. Übrigens wurde jeder der teilnehmenden Künstler gebeten, ein Werk zu spenden. Diese werden am Eröffnungsabend zugunsten der „Fondatioun Kriibskrank Kanner“ verkauft.

„FuelBox3“ kann an allen Oktober-Wochenenden besichtigt werden (12.-14., 19.-21., 26.-28.), dies jeweils von 15.00 bis 20.00. Adresse: 242, route d’Arlon in Strassen