LONDON
CHRISTIAN SPIELMANN

Zwei chaotisch verlaufende Theaterstücke in London

Wenn man ein Theater in London betritt und auf der Bühne wird noch der Bodenbelag verlegt und ein Mitarbeiter sucht einen Hund oder es wird am Strom gewerkelt und ein Kabel durch den Zuschauerraum gezogen, dann kann doch nur alles schief laufen. Aber in „The Play That Goes Wrong“ im Duchess Theatre und in „Peter Pan Goes Wrong“ im Apollo Theatre ist das Schieflaufen gewollt und regt die Lachmuskeln derartig an, dass man oft nach Luft schnappt.

The Play That Goes Wrong

Diese Komödie von Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields wurde erstmals 2012 uraufgeführt. 2014 wurde das Stück ins Duchess Theatre verlegt und gewann 2015 den Laurence Olivier Award als beste Komödie. Eine Amateurtruppe soll das Stück „Murder at Haversham Manor“ aufführen, das stark an Agatha Christies „The Mousetrap“ erinnert. Charles Haversham (Oliver Llewellyn-Jenkins) wurde ermordet. Sein Bruder Cecil (Daniel Millar), seine Verlobte Florence (April Hughes), deren Bruder Thomas (Adam Byron) und der Diener Perkins (George Haynes) stellen viele Theorien über mögliche Motive an und rufen schließlich die Polizei. Inspektor Carter (Hayden Wood) kommt durch den Schneesturm zum Schloss und beginnt mit seinen Untersuchungen.

Der Ideenreichtum an unmöglichen und stets witzigen Situationen ist unglaublich und sicher nur in dieser Form in England zu finden. Weit über die Hälfte der Gags sind visueller Natur. Eine Schauspielerin wird bewusstlos geschlagen, so dass sie durch eine Technikerin ersetzt werden muss. Das Bühnenbild zerfällt während des Stücks zusehends, um am Ende in Schutt und Asche zu liegen. Wer nun der Mörder ist, ist schlussendlich egal, Hauptsache die Lachmuskeln werden so strapaziert, dass sie eine Zeit brauchen, um sich von diesen Lachattacken zu erholen.

Peter Pan Goes Wrong

Dieselben Autoren sind auch für die Parodie auf „Peter Pan“ verantwortlich, ein Stück, das seit Dezember 2015 läuft und einen Tick witziger ist als „The Play That Goes Wrong“, auch wenn sich viele Gags in beiden Stücken in verschiedenen Formen wiederfinden. Ein Erzähler (Laurence Pears) liest die Geschichte von Peter Pan (Daniel Pitout) vor und hat Probleme mit seinem Stuhl, der außer Kontrolle gerät. Wendy (Bryony Corrigan) und ihre Brüder John (Sydney Smith) und Michael (Matt Cavendish), ein Farbiger, der mit Kopfhörern spielt, über die er seine Texte geflüstert bekommt, weil er immer alles vergisst, werden von Peter Pan ins Neverland entführt. Hier wartet Captain Hook (Harry Kershaw) auf den Jungen und seine Begleiter. Das Chaos kann beginnen! So reißt der fliegende Peter ein Fenster aus dem Rahmen, knallt mehrfach gegen die Wände und fällt schließlich in die Tiefe, so dass er nicht mehr weiter spielen kann und durch eine Technikerin (Adeline Waby) ersetzt wird, die den Text aber nicht kennt. Am Ende liegt auch hier ein Teil des Bühnenbilds zerstört auf der Bühne, und die Zuschauer müssen sich wiederum lange Zeit von ihren Lachkrämpfen erholen.

Beide Stücke sind hervorragend interpretiert, und man muss die Schauspieler bewundern, die mit allem Ernst spielen, ohne selbst Lachanfälle zu bekommen. Bewundernswert ist der Humor, britisch durch und durch, und die zahlreichen visuellen Gags, die einfach originell sind. Vielleicht sollte man „The Play That Goes Wrong“ zuerst sehen, aber am Ende wird „Peter Pan Goes Wrong“ um eine Haaresbreite besser gefallen.

Übrigens wird „The Play That Goes Wrong“ (Chaos auf Schloss Haversham) im Fritz-Rémond-Theater in Frankfurt bis zum 22. Januar 2017 erstmals in der deutschen Fassung gespielt.

Weitere Informationen und Tickets unter www.theplaythatgoeswrong.com, www.peterpangoeswrong.com und www.fritzremond.de