Einen Herzinfarkt beim Sport erleiden - das passiert öfter, als viele denken. In den USA gibt es Statistiken, wonach ein Mensch von 100.000 einen plötzlichen Herzstillstand erleidet. Für Luxemburg fehlen solche Zahlen. Um Zusammenhänge, Ursachen und mögliche Maßnahmen zur Prävention herauszufinden, hat das „Luxembourg Institute of Health“ (LIH) zusammen mit der „Société pour la Recherche sur les Maladies Cardio-Vasculaires“ (SRMCV) vor einem Jahr eine Datenbank für solche Fälle gegründet. Jetzt werden Betroffene oder Bekannte von Betroffenen gesucht, die Auskunft über den Vorfall, die Sportart und eventuelle Vorbeschwerden geben können. Ansprechpartner ist Eric Besenius, Sportwissenschaftler vom „Sports Medicine Research Laboratory“ (SMRL) des LIH.
„Das Hauptaugenmerk dieser Studie ist es herauszufinden, welche Bevölkerungsgruppe besonders betroffen ist, in welchem Kontext die Probleme auftreten oder bei welcher Sportart dies in Luxemburg und der luxemburgischen Bevölkerung der Fall ist.
Die Botschaft, die oft falsch verstanden wird, ist nicht, dass Sport ungesund ist, denn gar keine Bewegung zu machen, kann noch schlimmere Folgen für die Gesundheit haben. Andererseits gibt es natürlich Fälle von plötzlichen Herzstillständen, die stark mediatisiert worden sind, wie der Tod des Triathleten Laurent Vidal im November 2015, und Angst verbreiten. Aber zu solchen Vorfällen kommt es dann doch glücklicherweise eher selten.
Eine Risikogruppe sind Leute, die über einen längeren Zeitraum sportlich inaktiv waren und innerhalb kürzester Zeit gleich von null auf hundert durchstarten und zum Beispiel innerhalb von sechs Monaten einen Marathon laufen wollen. Der Körper kann sich zwar an vieles anpassen, aber er braucht Zeit dafür. Vor allem, wenn man vorbelastet ist und zu Herzproblemen neigt, kann das gefährlich werden.
Deshalb sollte man sich auf jeden Fall vorher beim Arzt durchchecken lassen und eine Leistungsdiagnostik machen, das gilt vor allem für Personen ab 40 Jahren. Aber auch bei aktiven, gesunden Sportlern können plötzliche Herzprobleme beim Sport auftreten. Diese Herzprobleme können auch genetische Ursachen haben. In solchen Fällen empfehlen wir auch den Angehörigen, wenn sie sich wegen eines Falles in der Familie bei uns melden, sich durchchecken zu lassen, um ähnlichen Problemen vorzubeugen. Zu ungefähr 90 Prozent sind es jedoch Männer, die von Herzproblemen beim Sport betroffen sind, wobei die Ursachen nicht hundertprozentig geklärt sind. Das kann unter anderem anatomische und hormonelle Ursachen haben.
Für die luxemburgische Datenbank über plötzliche kardiale Ereignisse beim Sport werden Fälle von plötzlichen Herzproblemen, die beim Sport oder bis zu einer Stunde nach dem Sport aufgetreten sind, gesucht. Dies sind also nicht nur der plötzliche Herzstillstand, sondern auch Herzinfarkte oder andere plötzliche Herzprobleme.
Betroffene oder Zeugen von solchen Fällen können online ein Formular ausfüllen oder sich telefonisch melden. Bei den Fragen geht es nicht um medizinische Details, sondern allgemein zum Ort und Zeit des Vorfalls, zu der Sportart und ob Herzprobleme bekannt waren. Die Datenbank ist anonym, von der nationalen Forschungsethik- (CNER) sowie Datenschutzkommission (CNPD) genehmigt, geht bis ins Jahr 2000 zurück und wird zumindest bis 2020 fortlaufen.
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