LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Direktor Léon Losch über Chancen und Risiken der Loterie Nationale

Spürt die Loterie Nationale die Krise? Wird derzeit weniger oder mehr gespielt? Wie entwickeln sich die Einnahmen der Loterie Nationale?

LÉON LOSCH Der Trend für 2012 ist ziemlich stabil. Wenngleich wir merken dass es bei einigen Produktkategorien wie beispielsweise bei den Rubbellosen seit ein paar Jahren einen leichten Rückgang gibt. Das hängt vielleicht auch damit zusammen dass viele Automaten in den Supermärkten stehen, die bedingt durch die Krise vielleicht etwas weniger Besucher haben. Bei Lotterien wie Euro Millions beispielsweise steigt hingegen das Interesse, was vor allem auf die Riesen-Jackpots zurück zu führen sind, die zu gewinnen sind.

Wie entwickelt die Loterie Nationale eigentlich neue Produkte? Gibt es da einen speziellen Rhythmus?

LOSCH Wir müssen innovativ sein. Doch das wird auf dem kleinen Luxemburger Markt zunehmend schwieriger. In bevölkerungsreichen Ländern können Lotterie-Unternehmen sogar Nischen-Produkte für eine spezielle Kundschaft entwickeln und die Produkte dabei immer noch rentabilisieren, das ist bei uns quasi unmöglich.

Wir sind ständig dabei, das „Packaging“ unserer Rubellose zu überdenken. Stets befinden sich 10 bis 12 verschiedene Los-Serien im Angebot, die Serien werden aber immer kleiner, der Erneuerungsrhythmus verschärft sich. Was für uns auch solide Mehrkosten bedeutet.

Seit 2007 bietet die Loterie Nationale auch Spiele im Internet an. Wie entwickelt sich dieses Segment?

LOSCH Die Bruttoeinnahmen (Einsätze weniger Gewinne) sind von etwa 635.000 Euro 2008 auf knapp 1,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Die Loterie Nationale zählt über 18.000 eingeschriebene Personen bei ihrem Internetangebot. Eine sehr positive Entwicklung also, die allerdings einen sehr kleinen Anteil am internationalen Geschäft ausmacht. Es handelt sich hier um eine hochkonkurrentielle, grenzübergreifende Sparte, die von großen internationalen Unternehmen dominiert wird. Es ist aber auch eine Domäne, wo viele illegale Angebote bestehen und zahlreiche Zwischenhändler versuchen, Kapital draus zu schlagen.

Seit dem Frühjahr haben Sie auch Pferdewetten im Sortiment. Kommt das an?

LOSCH Wir sind zufrieden mit der Entwicklung. Man muss wissen, dass diese Art von Wetten eine ganz spezifische Klientel interessiert und dass man sich ein gewisses Know-How über die Welt der Pferderennen aufbauen muss, um gezielt zu wetten.

Wird die Loterie Nationale in Zukunft auch andere Sportwetten anbieten?

LOSCH Das Gesetz von 2009 über die Loterie Nationale erlaubt uns das und wir schauen uns derzeit nach möglichen Alternativen um. Wir haben bereits erste Kontakte mit anderen Staatslotterien aufgenommen. Wir müssen natürlich sehr detailliert analysieren, welches Produkt und welche Formel in Luxemburg erfolgreich angeboten werden kann.

Wohin fließt der Gewinn der National-Lotterie eigentlich?

LOSCH Er geht zu 100 Prozent an die „Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“, die ihn sozialen Zwecken zuführt, vor allem an den „Fonds National de Solidarité“, die kommunalen Sozialbüros, die Caritas, das Rote Kreuz , das Olympische Komitee und der Kulturfonds.

Was tut die Loterie Nationale zur Prävention vor der Glücksspielsucht?

LOSCH Wir sind uns unserer Rolle bewusst und versuchen das Möglichste, um zu vermeiden dass jemand in die Spielsucht reinrutscht. Wir arbeiten etwa mit „Anonym Glécksspiller“ und „SOS Détresse“ zusammen und sind „Responsible Gaming“-zertifiziert von der Europäischen Lotterievereinigung. Beim Online-Spiel setzen wir übrigens wöchentliche Limits von maximal 250 Euro. Das ist sehr niedrig im Vergleich mit anderen Anbietern in Europa.