LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Neue Literaturrubrik „LesBar“ ab dem 18. April im „Journal“ - Jérôme Jaminet erklärt das Konzept

Wann haben Sie zuletzt ein Buch regelrecht verschlungen und beim Lesen alles um sich herum vergessen? Erfahrungsgemäß ist es nicht immer leicht, sich im Bücherdschungel zurechtzufinden und ein wirklich lesenswertes Werk zu erwischen. Genau dabei wollen wir künftig helfen. Ab dem 18. April veröffentlicht das „Lëtzebuerger Journal“ einmal im Monat - genau in der Mitte mittwochs - seine neue
Literatur-Doppelseite „LesBar“. Was Sie erwartet, erklärt Literaturvermittler Jérôme Jaminet, der die Rubrik koordiniert.

Vielleicht gleich etwas provokativer gefragt: Wird überhaupt noch gerne genug gelesen, um mit einer solchen Literatur-Doppelseite Anklang zu finden?

Jérôme Jaminet Nun ja, es kann wohl nicht geleugnet werden, dass das Interesse an Literatur oder Büchern im Allgemeinen abgenommen hat. Gerade deshalb gilt es, in die Offensive zu gehen, nicht indem man die Leute auf allen Kanälen mit Literatur bombardiert, sondern indem man sie mit einem anderen Konzept wieder mehr auf den Lese-Geschmack bringt. Eigentlich wird ja heutzutage so viel gelesen wie nie zuvor. Zum einen liegt dies an den hohen Alphabetisierungsraten, zum anderen an den neuen Technologien. Enorm viel wird online gelesen. Nur ist es eben ein anderes Lesen: Kürzer, schneller, ungenauer. Auf diese neuen Lesegewohnheiten möchten wir einerseits zwar reagieren, gleichzeitig aber natürlich ausgewählte Bücher schmackhaft machen.

Das klingt etwas paradox…

Jaminet Genau das ist trotzdem das Konzept: Statt ellenlanger Rezensionen oder großer Verrisse bieten wir zuverlässige kurze Empfehlungen, demnach quasi eine kompetente Kaufberatung, wenn man so will. Jeden Monat stellen international renommierte Kritiker und Buchblogger drei lesenswerte Bücher in der Rubrik „Die fantastischen 3“ vor. Auch wenn es in der Tat etwas paradox klingen mag, sollte man die Leser meiner Meinung nach da abholen, wo sie stehen, sie demnach mithilfe kürzerer Texte dazu ermuntern, sich wieder auf längere Texte einzulassen.

Wer entscheidet, welche Bücher besprochen werden?

Jaminet Die Mitarbeiter selbst. Deshalb war es mir wichtig, sowohl luxemburgische als auch internationale Kritiker mit an Bord zu haben, sodass aus verschiedenen Perspektiven auf die Literatur in ihrer ganzen Vielfalt geblickt wird.

Welchen Platz bekommt die Luxemburger Literatur?

Jaminet Ich bin sehr froh, dass die Aufmerksamkeit seit einigen Jahren verstärkt auf die Literatur aus Luxemburg gerichtet wird. Natürlich wird sie ihren Platz auch auf den „LesBar“-Seiten haben. Durch die Experten aus dem Ausland bietet sich zudem die Gelegenheit, unsere Literatur unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Dieser Blick von außen fehlt uns bis jetzt. Ausländische Kritiker oder Buchblogger beschäftigen sich nämlich eher selten mit Büchern aus Luxemburg. Das könnte sich nun ändern. Ich werde unseren Mitarbeitern jedenfalls luxemburgische Neuerscheinungen zukommen lassen, dies in der Hoffnung, dass sie auch in ihren jeweiligen Medien im Ausland darüber schreiben.

Was wird abgesehen von „Die fantastischen 3“ noch geboten?

Jaminet Wenn man will, dass wieder mehr Bücher gelesen werden, muss man bei der jungen Generation ansetzen. Die Schule macht diesbezüglich wohl nicht immer alles richtig, will heißen, Literatur wird dort eher analytisch behandelt, was nicht selten eine abschreckende Wirkung hat. In unserer Rubrik „Spickzettel“ werden Schulklassiker dagegen auf humorvolle Art und Weise neu präsentiert. Diese Bücher werden von luxemburgischen Autoren vorgestellt. Tullio Forgiarini wird sich dieser Aufgabe in der ersten Ausgabe annehmen. Im Mai ist es dann an Gast Groeber und im Juni an Roland Meyer, um erst einmal nur diese Namen zu nennen. Auch diese Rubrik wird relativ kompakt ausfallen.

Wird dennoch an irgendeiner Stelle auch in die Tiefe gegangen?

Jaminet Ja, denn es gibt noch zwei weitere Rubriken. Das klassische Interviewformat wird seinen Platz ebenfalls finden, beziehungsweise werden wir auch längere Rezensionen veröffentlichen oder detaillierter auf gewisse Themen eingehen, dies unter dem Rubriknamen „Zwischensicht“. Gespräche mit Autoren oder Organisatoren von Literaturveranstaltungen werden folglich ebenso Bestandteil sein. Wir möchten uns mit dieser Doppelseite an ein breites Publikum richten, wozu natürlich auch der eingefleischte Literaturinteressierte gehört. Dann gibt es auch noch die Kolumne „Lesezeichen“, die ich selbst mit Inhalt füllen werde. In dieser Glosse soll dem literarischen Zeitgeist auf lockere Art und Weise nachgespürt werden.

Insofern versucht sich „LesBar“ also von anderen Literaturbeilagen abzuheben?

Jaminet Genau, es gibt natürlich bereits ein gewisses Angebot, indem wir jedoch gezielt mehr unterschiedliche Leute mitwirken lassen, versuchen wir, ein breiteres Publikum zu erreichen: Junge Leute, Literaturliebhaber, aber auch den Ottonormal-Leser, der gelegentlich in solchen Literaturbeilagen etwas zu kurz kommt.

ZU DEN MITWIRKENDEN

Sie schreiben insbesondere für die Rubrik „Die fantastischen 3“

Sophie Weigand: deutsche Literaturbloggerin und Mitarbeiterin des Magazins „Buchkultur“ (www.literatourismus.net)

Jochen Kienbaum: deutscher Literaturblogger und Reporter beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (www.lustauflesen.de)

Elisabeth Dietz: deutsche Literaturredakteurin beim BÜCHERmagazin, schreibt auch für piqd.de (tinyurl.com/elisabeth-deitz)

Stefan Mesch: deutscher Literaturkritiker, unter anderem tätig für Deutschlandradio Kultur und den Tagesspiegel (www.stefanmesch.wordpress.com)

Estelle Lenartowicz: französische Literaturkritikerin, arbeitet für „L’Express“ und „Lire“ (tinyurl.com/estelle-lenartowicz)

Jeff Thoss: luxemburgischer Literaturwissenschaftler, Schwerpunkt englische Literatur, arbeitet an der Freien Universität Berlin

Sébastian Thiltges: luxemburgischer Literaturwissenschaftler, Schwerpunkt französische Literatur, arbeitet an der „Université de Lorraine“

Christine Mandy: Korrespondentin im „Lëtzebuerger Journal“, macht derzeit ihren Master in Germanistik an der Universität Trier