PIERRE MEULIEN

Die „Innovative Medecines Initiative“ (IMI) ist eine Partnerschaft zwischen der EU und der europäische Pharmaindustrie, vertreten durch die EFPIA (European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations). Für die Periode 2014-2024 hat die IMI ein Budget von 3,3 Milliarden Euro, das jeweils zur Hälfte vom EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 und von großen Unternehmen gespeist wird. Die Initiative hat zum Ziel, die Gesundheit in der EU zu verbessern, indem die Entwicklung von und der Zugang der Patienten zu innovativen Behandlungen beschleunigt wird. Dies betrifft ganz besonders Bereiche, wo ein bislang nicht befriedigend abgedeckter medizinischer oder sozialer Bedarf besteht. Dabei setzt die IMI auf eine Vereinfachung der Zusammenarbeit zwischen den Schlüsselakteuren in der Medizinforschung, wie Universitäten, die Pharma- und andere Industrien, kleine und mittlere Betriebe, Patientenorganisationen und medizinische Regulierungsbehörden.

„Mit zwei Ausschreibungen wollen wir die medizinische Entwicklung in kritischen Bereichen, wie Ebola sowie verschiedenen Erkrankungen voran treiben. Exzellente Wissenschaft besteht in all diesen Forschungsbereichen, aber nur, wenn wir die Experten aus Industrie, Hochschule, kleinen Biotechnik-Betrieben und Patientengruppen zusammenbringen, können wir Weltklasse-Wissenschaften so umsetzen, dass die Patientengesundheit verbessert wird. Das ist der Mehrwert, den die IMI bringt.

28.000 Menschen wurden beim letzten Ebola-Ausbruch in Westafrike infiziert, 11.000 starben. Das unterstreicht den dringenden Bedarf nach neuen Impfungen, Behandlungen und schnellen Diagnosemöglichkeiten dieser verheerenden Seuche. Bei allen Forschungsprogrammen, die direkt anliefen, sind dennoch weitere Anstrengungen vonnöten, damit künftig Ausbrüche direkt gestoppt werden können. Wir werden desweiteren ein Programm ausschreiben, um sogenannte Big Data-Programme zu koordinieren und zu unterstützen, besonders im Bereich des klinischen Outcomes von Herzpatienten (Big Data ist ein neuer Ansatz zur Untersuchung komplexer Phänomene: Da moderne Informationstechnologien große Datenmengen verarbeiten können, sind statistische Methoden einsetzbar, die bei einem Patienten medizinische Vorhersagen treffen können, Anm. der Red.).

Heute bleiben 20 Prozent der Krebserkrankungen bei Kindern unheilbar und auch wenn sie überleben, so leiden sie unter erheblichen Langzeit-Nebenwirkungen. Wir wollen eine Forschungsplattform einrichten, um potenzielle Krebsmedikamente für Kinder leichter identifizieren zu können. Bei Alzheimer und Parkinson soll der Forschungsfokus darauf liegen, herauszufinden, wie sich die Eiweißablagerungen über das Gehirn verbreiten. Das erhöht die Chancen, neue Angriffsziele für eine Behandlung bestimmen zu können. Zum Bereich der chronischen Schmerzen zählen auch die neuropathischen Schmerzen, unter denen sechs bis acht Prozent der Bevölkerung leiden. Sie sind extrem schwer zu behandeln und wir brauchen dringend Erkenntnisse über ihre Ursachen. Wir verfügen derzeit auch über keine Behandlungsmöglichkeiten für die trockene, altersbedingte Makuladegeneration, die weltweit eine der führenden Ursachen für Erblindung ist. Der letzte Bereich, für den wir Forschungsprojekte ausschreiben, ist die Medizinsicherheit und wie wir sie mit bildgebenden Verfahren beurteilen und einschätzen können.“