BAD GANDERSHEIMCHRISTIAN SPIELMANN

Choderlos de Laclos’ Roman „Gefährliche Liebschaften“ als Musical

Im Jahre 1782 schrieb der französische Offizier und Schriftsteller Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos den Roman „Les Liaisons dangereuses“, der etliche Male verfilmt wurde, u. a. 1959 von Roger Vadim, 1988 von Stephen Frears - mit Glenn Close - und 1989 unter dem Titel „Valmont“ von Miloš Forman. Anlässlich der 56. Bad Gandersheimer Domfestspiele komponierte Heiko Lippmann, der letztes Jahr für die Festspiele sein erstes Musical „Maria ihm schmeckt’s nicht“ erschuf, sein zweites musikalisches Werk „Gefährliche Liebschaften“, das vor wenigen Tagen seine Welturaufführung feierte. Zusammen mit Andreas Gäßler ( Dialoge) und Christian Doll ( Liedtexte und Regie) schrieb er das Buch.

Verführungskünste und wahre Gefühle

Die Geschichte soll um 1760 in Paris spielen, aber die Kostüme lassen eine gewisse Zeitlosigkeit erkennen. Freizügigkeit regelt das Leben der Marquise de Merteuil (Annika Bruhns) und des Vicomte de Valmont (Dirk Schäfer). Die Marquise will, dass Valmont Cécile de Volanges (Julia Hiemer) verführt, weil diese den Comte de Gercourt heiraten soll. Sie gedenkt sich so an diesem zu rächen. Valmont will sich nicht auf einen so leichten Beutefang einlassen, zumal er zum ersten Mal in seinem Leben richtig verliebt ist und zwar in die verheiratete Madame de Tourvel (Anna Preckeler). Cécile ihrerseits verknallt sich in ihren Gesangslehrer, den Chevalier de Danceny (Pascal Höwing). Doch Valmont gelingt es sowohl Cécile, wie auch Madame de Tourvel zu verführen. Letztendlich verlangt die Marquise, dass er seinem Ruf gerecht wird, und Schluss mit Madame de Tourvel macht. In ihrem perversen Intrigenspiel hat die Marquise dem Chevalier verraten, was Valmont mit Cécile angestellt hat. Valmont erkennt, dass er seine einzige wahre Liebe laufen ließ, nur um eine perfide Wette zu gewinnen. Während des Duells mit dem Chevalier gibt er diesem die Briefe der Marquise und bittet ihn, sie zu lesen und der ganzen Welt von deren Intrigen zu berichten.

Französische Einflüsse

Choderlos de Laclos’ Roman setzt sich aus Briefen zusammen. So werden auf der Bühne viele Briefe geschrieben, gelesen und sogar ins Publikum geworfen. Die Geschichte wird jedoch lückenlos erzählt und ist in ein flottes musikalisches Gewand eingehüllt. Der mal rockigen, mal jazzigen, mal zarten Musik hört man ihre französischen Einflüsse an, speziell jene aus der Filmmusik und den Liedern der 1960er Jahre. Heiko Lippmann betonte aber, dass er sich generell von der französischen Musik inspirieren ließ und nicht von einem spezifischen Komponisten. Sehr melodiös klingen „Liebe und Krieg“, „Man sagt“, „Paris“ und „Mit den Haaren im Wind“, der schönste Song der Show.

Mit Annika Bruhns holte man sich einen Musical-Star in die Kurstadt. Sie spielt diese intrigierende, eiskalte Frau mit viel Talent und kann besonders mit „Ich bin ich“ ihre starke Stimme unter Beweis stellen. Dirk Schäfer gefällt als Valmont, der zu spät seinen Fehler erkennt, ebenso die naiv aufspielende Julia Hiemer oder die zurückhaltende Anna Preckeler. Ein weiterer bekannter deutscher Musical-Star Hardy Rudolz ist für die Choreografie verantwortlich. Außerdem singt er während den Domfestspielen den Perón in „Evita“.

Gefühle spielen sicher eine Rolle, der Sarkasmus aber dominiert die Geschichte. War der Roman noch ein Sittenbild des 18. Jahrhunderts, so zeigt das Musical die Zeitlosigkeit verletzender Intrigen und der Unehrlichkeit der Menschen, mit der man die Liebe austricksen kann.


Weitere Informationen findet man auf der Internetseite www.gandersheimer-domfestspiele.de