ST GALLEN
CORDELIA CHATON

Werden Roboter schon morgen tausende Arbeitsplätze ersetzen?

Kaum ein Thema treibt die Menschen derzeit so um, wie das der Zukunft der Arbeit. Werden Roboter Tausende in die Erwerbslosigkeit treiben? Ist das bedingungslose Grundeinkommen unvermeidbar, wenn Regierungen die Massenverarmung vermeiden wollen? Wie sieht es in Afrika, Asien oder den USA damit aus? Solche Fragen diskutierten Unternehmer und Politiker auf dem 48. Symposium in Sankt Gallen unter dem Titel „Beyond the end of work“. Die Studenten der Schweizer Universität laden jedes Jahr zum kultur- und generationsübergreifenden Dialog, um gemeinsame Lösungen zu finden. Rund tausend Gäste sind in diesem Jahr dabei. Die noch bis heute Freitag währende Veranstaltung besuchen auch Teilnehmer aus Luxemburg wie Hans-Jürgen Schmitz von Mangrove Capital Partners, Statec-Chef Serge Allegrezza, der in seiner Eigenschaft als Präsident des Verwaltungsrats der Post da ist, Roger Hartmann von
Fuchs & Associates Group, Cargolux-CFO und Vizepräsident Maxim Strauss, Telindus-CEO Gérard Hoffmann oder Bernhard Dedenbach von „Partners to Leaders“.

Der britische Ökonom und Politiker Baron Brian Griffiths of Fforestfach erinnert sich noch an die Studentenaufstände der 68er. „Damals hatte eine ganze Generation das Gefühl, dass ihnen die Gesellschaft keine Zukunft bot“, weiß der Vizepräsident von Goldman Sachs. „Hier in Sankt Gallen haben sich fünf Studenten aus fünf verschiedenen Ländern zusammen getan, um eine konstruktive Konferenz zu organisieren. Einige von ihnen sind heute dabei.“ Er sieht Parallelen zu heute, wo wieder viele Menschen Angst vor der Zukunft haben, weil sie durch Roboter und Algorithmen ersetzt werden. Lord Griffiths of Fforestfach sprach die persönliche Verantwortung beim technischen Wandel an. Der konservative Politiker ging auch auf die Rolle der Politik ein.

Das war das Stichwort für die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard, die meint: „Die neue Generation hat einen coolen Umgang mit Digitalisierung. Aber bei den meisten auf den Planeten ist das nicht der
Fall. Da gibt es Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, der Privatheit und der Daten.“ Leuthard setzt sich für digitale Inklusion und eine Strategie ein, die vom Kindergarten bis zum Altersheim reicht. Denn auch sie weiß, dass es aktuell 1,5 Millionen Schweizer unter 25 Jahren gibt, die Probleme im Umgang mit dem PC haben. Und das bremst Unternehmen.

Chancen für Afrika

Die Ministerin für Industrie und Handel aus Botswana, Bogolo Kenewendo, sieht hingegen viel mehr Chancen als Bedrohungen für ihr Land wie auch für Afrika. „Wir sehen das als Möglichkeit, die hohe Arbeitslosigkeit zu senken! Ich sehe die Zukunft heller.“ Egal, ob Optimisten oder Pessimisten am Werk sind: Matt Flynn, Direktor des britischen „Center for Research into the older workforce“ ist überzeugt davon, dass ältere Arbeitnehmer Hilfe beim Karrieremanagement brauchen.

Das hat auch Dominic Barton schon öfter gehört, unter anderem von einem der größten Arbeitgeber weltweit, der zu den Kunden des McKinsey-Chefs gehört. Er selbst kann sich nur schwer vorstellen, ein bedingungsloses Grundeinkommen zu beziehen. „Für mich wäre es ein Alptraum, einfach am Strand zu sitzen und nichts zu tun“, versichert er. Auch McKinsey sei mit der Frage der Einstellung der richtigen Profile konfrontiert und erhalte immerhin 800.000 Bewerbungen im Jahr, von denen 5.000 eingestellt würden. Die Zeiten hätten sich geändert: „Früher redeten wir von Diversität, wenn wir Leute von der Wharton Business School statt von Harvard holten“, erinnert er sich. „In diesem Jahr stellen wir fünf Leute ohne Uni-Diplom ein. Das mag Ihnen wie ein Witz erscheinen, aber unseren HR-Leuten ist das sehr ernst.“ Durchschnittlich verbringt ein Mensch rund 100.000 Stunden seines Lebens mit Arbeit. Zwar herrschte bei den Diskussionen keine Einigkeit darüber, wie die Arbeit in Zukunft aussieht. Aber dass sich die Bedeutung der Arbeit verändert und darin sowohl Herausforderungen als Chancen liegen, darin waren die Teilnehmer sich einig.