DÜDELINGEN
CLAUDE MULLER

opderschmelz: „The Grand Cosmic Journey“ mit der Benoît Martiny Band

Über Mangel an Präsentationen von Luxemburger Produktionen kann man sich in letzter Zeit wirklich nicht beklagen.Am vergangenen Freitag etwa war ein originelles Spektakel des Schlagzeugers Benoît Martiny mit internationalen Gästen im Düdelinger Kulturtempel „opderschmelz“ programmiert. Die Band stellte an diesem Abend nicht nur ihre neue CD, sondern auch eine DVD mit Titel „The Grand Cosmic Journey“ vor, die an diesem Ort vor etwa zwei Jahren anlässlich des Festivals „Like A Jazz Machine“ aufgenommen wurde.

Anders als das übliche Seichte

Gespannt sein durfte man, in einer Zeit, wo seichte Fusion-Musik allzu oft als Jazz vermarktet wird und der Besuch von soften Chill-Out-Jazzveranstaltungen als Must gilt, auf das eher als unkommerzielle Außenseitermusik angekündigte Konzert, das am Freitag in Düdelingen stattfand. Erfrischend anders war, dass die Band um den vitalen Schlagzeuger Benoît Martiny eine bodenständige Musik lieferte, ohne die lieblichen Klänge des beliebten Après Ski-Jazz oder die ewigen Main Streamfloskeln, die leider immer wieder häufiger bei jungen Musikern auftauchen, einzubauen. Die Bläsersektion, ohne Trompeten und Posaunen, bestand aus drei Instrumenten der Holzbläserkategorie, Alt- und Tenorsaxofon, sowie der immer öfter im aktuellen Jazz eingesetzten Bassklarinette.

Und eben dieses Dreiergespann konnte der sonst etwas monotonen „Reise ins Weltall“, den begehrten nichtalltäglichen Stempel aufdrücken. Besonders der Klang der Bassklarinette vermochte das emotionsgeladene Tongebilde des Bläsersatzes durch seine intensive Expression und effektvollen Einsatz zu bereichern. Wird dieses Instrument dann auch noch von einem wahren Meister seines Fachs, dem in Free Jazz Kreisen hoch geschätzten Michel Pilz geblasen, ist brillante, virtuose musikalische Präsenz gewährleistet.

Gleich zu Beginn katapultierte Pilz die Zuhörer weg von der geordneten Ebene einer ausdrucksstarken aber konventionellen Großformation in eine souveräne freitonale Zone mit kantiger Melodik und der stilistisch uneingeschränkten Offenheit des Modern Jazz. Altsaxofonist Jasper Vandamme aus Amsterdam sorgte mit seinen ungehemmten, manchmal wilden, manchmal einstudiert wirkenden Phrasen für die wahren Überraschungsmomente des Spektakels, während Joao Driessen am Tenorsaxofon sich auf ausgereifte Phrasen der Postmoderne im Gewand der Erfahrungen des freien Jazz mit Fusioncharakter bezog.

Eine interessante Erfahrung

Gut gefallen konnte der Verschmelzungsgrad der hektischen Kollektivimprovisationen und den kompositorisch formal gegliederten Vorlagen, die versöhnlich von der Reise in den unendlichen Kosmos in die Gefilde bewährter Strukturen zurückführten. Leider machte die schlechte Soundqualtät der engagierten Band einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Im undefinierbaren Gebrumme des Kontrabasses gingen die delikaten Einwürfe des Gitarristen Frank Jonas und des dezenten Keyboarders Leon Den Engelsen völlig unter und bei den Tutti vermisste man die Dynamik in den Melodielinien der Bläser. Trotzdem eine interessante Erfahrung mit einer nostalgischen Musik, die zu einem kurzweiligen Trip in ein Stück Zeitgeschichte musikalischer Experimentierfreudigkeit einlud.