STADTBREDIMUS
MARIA WIMMER

„Retrouvailles Concept“ ist auf die Restaurierung alter Gebäude spezialisiert

Jorge Simoes liebt alte Häuser. Denn sie hatten Qualität und wurden für viele Generationen gebaut und nicht nur für eine, wie die Neubauten, sagt er. Niedrigenergie- oder Passivhäuser sind ihm ein Dorn im Auge. Zu oft würden unökologische Kunststoffe verbaut, die das Haus kaputt machten, statt natürlicher Materialien. „Da wird Styropor auf eine alte Mauer geklebt, die dann nicht atmen kann. Man muss die Mauern atmen lassen“, findet Jorge Simoes.

In Neubauten könne die Luft nicht zirkulieren, man fühle sich wie in einer Zär, einem Gewächshaus, „da kann man nicht gesund atmen“, meint er. Allergien und Schimmel seien die Folge. „In einem alten Haus atmen die Mauern mit, da kommt immer Luft rein“, sagt der Tischler, der
irgendwann „die Schnauze voll hatte“ von Spanplatten-Möbel. Er spezialisierte sich auf Antiquitäten, weil er die Qualität alter, massiver und beständiger Holzmöbel schätzt.

Für Denkmalpflege sensibilisieren

Seit 22 Jahren ist der gelernte Tischler nun selbständig. 2008 hat er das Unternehmen „Retrouvailles“ gegründet, das über 40verschiedene Handwerker vereint, die auf Restaurierung spezialisiert sind - von Häusern, Kirchen und Klöstern über Stuck und Möbel bis zu Bucheinbänden. Denn wer ein Haus restauriert, braucht oft nicht nur einen Schreiner, sondern auch einen Stuckateur. In Luxemburg sei es eben nicht einfach, den richtigen Restaurator zu finden, darum seien viele Partner deutsche und französische Firmen - mit Sitz in Luxemburg. Beim Thema Restaurierung müsse man „mit der Großregion arbeiten“. Gerade in der Denkmalpflege sei ein gewisses Gespür für Antikes notwendig, sagt Simoes. Da es keine spezielle Ausbildung dafür in Luxemburg gibt, wünscht er sich mehr Workshops und Seminar, um die Menschen für die Denkmalpflege zu sensibilisieren. Simoes’ Unternehmen macht „alles, was kompliziert ist“, getreu dem Motto: „Alles ist zu retten“.

Simoes weiß wie kein anderer, dass man um alte Häuser kämpfen muss. Der Verein „Sauvegarde du Patrimoine“, dessen Präsident er ist, hat schon viele Häuser oder Villen vor dem Abriss gerettet. Denn sehr oft entscheiden Bürgermeister im Land über das Schicksal alter Häuser entscheiden, ohne die Meinung des Denkmalamtes einzuholen, um Platz zu machen für kleinere Wohneinheiten, sagt Simoes. Er fordert, alte Häuser zu respektieren.

Simoes liebt die besondere Atmosphäre von alten Gebäuden. Und er kann nicht verstehen, dass man alte Böden oder Stuckdecken herausreißt, um sie durch günstige, meist unökologische Materialien zu ersetzen. „Beim Wort Entkernen wird mir schlecht“, sagt der gelernte Tischler.

In seinen Augen ist das im Schnitt genauso teuer wie eine Renovierung. „Es heißt immer, Holzfenster seien aufwändig in der Pflege, weil man sie so oft streichen muss, aber das stimmt nicht. Und wie sehen denn bitte Plastikfenster nach 20 Jahren aus?“, fragt er. Natürliche Materialien wie Stein, Holz oder Lehm seien zwar im Schnitt etwas teurer, aber dafür auch besser in der Qualität. Außerdem gebe es für die Renovierung alter Häuser Unterstützung vom Denkmalamt - bis zu 50 Prozent der Kosten.

Ein restaurierter Altbau sei zeitlos und behalte seinen Wert. Zudem könne man ein Haus modern sanieren, ohne historische Elemente kaputt zu machen, sagt der Restaurator. Die Häuser von heute würden nur 30 bis 40 Jahre halten, alte Häuser hätten oft schon mehrere hundert Jahre auf dem Buckel. „Wenn man die richtig restauriert, warum sollen sie dann nicht noch 150 Jahre halten?“.