PRÜM
INGO ZWANK

Anfangs belächelt, heute Hochkaräter: Eifel Literatur Festival-Gründer Josef Zierden im Gespräch

Große Autoren, großes Publikum - darauf zielt das Eifel Literatur Festival (ELF) ab. Rund 250 hochkarätige Autoren, darunter Literatur-Nobelpreisträger wie Günter Grass und Hertha Müller, hat das Eifel Literatur Festival (ELF) bereits in die durchaus als ländlich zu bezeichnende Region zwischen Trier und Prüm gebracht. Das Eifel Literatur Festival, das alle zwei Jahre stattfindet, hat sich inzwischen großregional und deutschlandweit einen Namen gemacht. Beim ELF wird die literarische Welt lebendig. Wie attraktiv das Eifel-Literatur-Festival ist, zeigt nicht nur die hohen Besucherzahlen, sondern eben und vor allem die namhaften Autoren. „Und die stehen für 2016 bereits in den Startlöchern, doch wer genau, dass wird noch nicht verraten“, sagt Festivalleiter Dr. Josef Zierden, der wieder mit 22 Events ein großes Programm für jede Lesevorliebe zusammengestellt hat.

„Spürbare Leidenschaft für die Literatur“

Vom 15. April bis 29. Oktober werden sich 20 Autoren und Autorinnen in Lesungen mit Werken aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch präsentieren. „Die stilistische Bandbreite ist dabei so vielseitig wie das Themenspektrum und die Art der Präsentation. Vertreten sind Klassiker der Gegenwartsliteratur, die ihre Beobachtungen von Zeitgeschichte in Romanen und Essays verdichten“, sagt der Germanisten Zierden. „Ebenfalls dabei sind Bestsellerautoren der Sparte Krimi und Spannungsliteratur, deren Werke teils auch aus Verfilmungen bekannt sind. Gebührenden Raum im Programm nehmen zudem Größen aus Humor und Unterhaltung ein.“

Mit vielen prominenten Namen gut vertreten sei wird auch die Sparte des populären Sachbuchs zu Themen aus Gesellschaft, Gesundheit und Religion. „Für feine literarische Kammerspiele ist ebenfalls gesorgt, unter anderem, wenn sich wichtige Autorinnen der jungen Generation vorstellen“, verrät der Gymnasiallehrer, ohne eben zu viel zu verraten. Noch soviel: „Beim 12. ELF sind auch die Frauen wieder stärker als zuvor vertreten: Genau die Hälfte der Schriftsteller ist weiblich“, erzählt der Festivalleiter mit einem Schmunzeln, da ihm der Vorhalt gemacht wurde, 2014 nur eine Autorin präsentiert zu haben.

Dabei waren die Anfangsjahre nach 1994 alles andere als einfach. Bis 2001 bildete die belletristische Literatur der Eifel und über die Eifel den Schwerpunkt. Später wurde das literarische Programm erweitert: Die Eifel sollte eine Literaturbühne sein für Autoren auch außerhalb der Eifel. „ Und wir wurden belächelt. ‚Eifel? Wo ist das?‘ bekam ich zu hören. Und als ich dann noch davon sprach, Literaturnobelpreisträger zum Festival holen zu wollen, hielt man uns für komplett verrückt.“ Doch genau diese Hartnäckigkeit, „es ist sicherlich eine Gratwanderung zur Nervigkeit“, so Zierden, und die „spürbare Leidenschaft zur Sache und zur Literatur“ haben ihm sehr viele Türen geöffnet, wenn „eben nicht über die Verlage, dann über die Autoren direkt - und alles vom heimischen Büro aus. Womit auch der Punkt erreicht wurde, dass „ich einen gewissen Minderwertigkeitskomplex bezüglich des Festivals abgelegt habe“ - auch wenn ihm beim Nobelpreisträger Graas die Knie geschlottert haben, wie Zierden gesteht. Mittlerweile kann sich Zierden quasi seine Autoren aussuchen, „bei einigen habe ich den Eindruck, als ob sie sagen wollten: ‚Warum erst jetzt?‘“ Dabei versucht Zierden stets, eine gesunde Mischung ins Programm aufzunehmen, „neben meinen Dauerbrennern wie Pater Anselm Grün“ - womit er einen der Highlights für 2016 verriet. „Unerreicht ist die Anziehungskraft von Pater Anselm Grün, dem Pater mit den Eifeler Wurzeln. Der hat gleich zweimal das Eventum Wittlich gefüllt und rund 3.000 Besucher angezogen.“ Was zeigt, dass sich das ELF mittlerweile zu einem wahrer Publikumsmagnet entwickelt hat. Allein 2014, im zwanzigsten Jahr nach seiner Gründung, zog das rein ehrenamtlich organisierte Festival mit elf Veranstaltungen rund 10.000 Besucher an. Treuen Fans reisen mittlerweile von 500 und mehr Kilometern an. „Teilweise fahren sie mit Wohnmobilen den Veranstaltungen hinterher.“ Schirmherrin Vera Reiß, die rheinland-pfälzische Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, nennt es „ein echtes Schwergewicht unter den deutschen Literaturfestivals“. Und das will auch seine zwölfte Auflage im kommenden Jahr untermauern.

Autoren stehen quasi in der Warteschlange

Ein besonderes Bonbon im nächsten Jahr bietet das Festival mit drei - auch für andere Interessierte offene - Schullesungen im St. Matthias Gymnasium Gerolstein. Die Schüler können hautnah renommierte Autoren erleben, deren Werke sie sich freiwillig als Unterrichtsgegenstand ausgesucht haben. „Erst am 9. November, 14.00, wird aber das komplette Programm mit dem Vorverkaufsstart bekannt gegeben.“ Doch Zierden verrät dann aber doch etwas, wenn auch etwas kryptisch: „Auch der Darm kann zu einem Bestseller werden. Oder die Suche nach dem Glück. Und selbst über die Demenzerkrankung des Vaters kann man heiter schreiben. Und mit Briefen an die behinderte Schwester kann man tief berühren. Und was der Seele gut tut, sollte man sich von einem ausgewiesenen Autor mit Millionenauflage erklären lassen…“ Ein Topact des Festivals neben Grün, soviel dürfen wir an dieser Stelle verraten, ist der Vater des „Sams“, Paul Maar, der, obwohl er sich schon quasi von der Bühne verabschiedet hatte, den Weg in die Eifel finden wird.Am kommenden Montag, 9. November, wird Dr. Josef Zierden das detaillierte Programm des 12. Eifel Literatur Festivals im Rahmen einer Pressekonferenz mit Kultur-Staatssekretär Dr. Walter Schumacher vorstellen. Zeitgleich ab 14.00 beginnt der Karten-Vorverkauf - weitere Infos und das Programm gibt es unter www.eifel-literatur-festival.de