LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

„Journal“-Gespräch mit dem deutschen Künstler Van Ray,

Er stammt aus einer bodenständigen Familie, der Weg in die Künstlerexistenz war demnach keineswegs vorgezeichnet. Einige glückliche und auch weniger glückliche Zufälle haben den gebürtigen Düsseldorfer Van Ray zu dem gemacht, was er heute ist: Eines der bekanntesten Mitglieder einer Garde junger deutscher Künstler, die ihre ersten künstlerischen Gehversuche auf der Straße unternommen haben. In seiner Teenagerzeit habe er mit profanen Graffities abgefangen, verrät Van Ray, der heute Abend in der Escher Kulturfabrik an einer Podiumsdiskussion teilnimmt im „Journal“-Gespräch. Tagsüber wird er sich an den Wänden des ehemaligen Schlachthofs verewigen.

Natürlich spielte anfangs der Nervenkitzel eine nicht unwesentliche Rolle - „Ich habe mich ausgetobt“, so der Deutsche - , doch irgendwann wollte Van Ray das Graffiti auch als Mittel der Kommunikation einsetzen. Mitte der 2000er nahm er dann Kunstunterricht, da er eingesehen hatte, dass ihm das handwerkliche Rüstzeug - wie Zeichnen und Malen - gefehlt hat. Ein Rüstzeug, das er allerdings benötigte, um verschiedene Dinge umzusetzen. „Kunst ist ein Handwerk, das man definitiv erlernen kann“, erläutert Van Ray diesen Schritt.

Selten auf der Straße unterwegs

Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte Streetart Rückenwind, Galerien rissen sich förmlich um die Künstler von der Straße. Als er mit dem Galeriebetrieb begonnen habe, sei die Offenheit für Streetartkünstler noch größer gewesen, bemerkt Van Ray. Würde er heute erst am Anfang seiner Karriere stehen, so hätte er es merklich schwerer, da weit mehr Leute aktiv seien und die Auswahl für die Galerien breiter sei.

Berührungsängste zwischen dem 1984 geborenen Künstler und den Galerien gab es nie welche, obwohl es eine Zeit lang etwas verpönt war, als Streetart-Künstler seine Arbeiten in Galerien zu zeigen. Der ewigen Frage, ob Streetart auch in Galerien gezeigt werden soll, stellt sich der Deutsche sehr gelassen: „Jeder ist froh, wenn er seine Kunst ausstellen oder er etwas verkaufen kann, meines Erachtens hat der Großteil der Szene keine Probleme damit.“

Eine Ausstellung vorzubereiten ist in der Regel zeitaufwendig, davon kann auch Van Ray heute ein Lied singen: „Mittlerweile organisiere ich mehr Ausstellungen und bin weniger auf der Straße“. Beklagen möchte sich Van Ray aber keineswegs über die aktuelle Situation: „Es ist einfach ein geiler Job, den ich ausübe“, so seine Aussage. Bedauern tut er jedoch, dass, speziell in seinem Heimatland sich öffentliche Museen nach wie vor schwer tun, Streetart zu zeigen, obwohl diese Kunst bei Sammlern und Kritikern längst hoch im Kurs steht.

Bei der heutigen Podiumsdiskussion werden mit Sicherheit einige junge Streetartkünstler im Publikum sitzen, die vermutlich einen ähnlichen Karriereweg wie Van Ray einschlagen möchten. Eine Zauberformel, die einem jungen Künstler auf Anhieb Erfolg beschert, hat aber auch Van Ray nicht parat: „Unverwechselbar sollte man als Künstler sein und versuchen, einen Wiedererkennungswert zu schaffen. Außerdem, aber das gilt für jeden Bereich, sollte man sehr, sehr gut sein.“


Van Ray nimmt heute Abend um 19.00 auf Einladung des Institut Pierre Werner an einer Podiumsdiskussion zum Thema Streetart in der Escher Kulturfabrik teil. Weitere Gäste sind der Franzose Levalet und der Belgo-Luxemburger Sanctobin.
www.ipw.lu, www.kulturfabrik.lu