LUXEMBURG
MARCO MENG

Fünf Jahre Indisch-Luxemburgische Handelskammer

Fünf Jahre existiert sie nun schon, die Indian Chamber of Commerce Luxemburg (IBCL), ein Jubiläum, das gestern unter reger Teilnahme in der Zentrale der BGL BNP Paribas auf dem Kirchberg gefeiert wurde unter dem Motto „Gründe, den Fokus auf die indisch-luxemburgischen Geschäftsmöglichkeiten zu legen“.

Manjeev Singh Puri, Indiens Botschaft für Belgien, Luxemburg und der Europäischen Union war aus Brüssel angereist, Luxemburgs Botschafter in Indien Gaston Stronck kam aus Neu Delhi, ebenso Nidhish Mehrotra von ANM Global, einer jungen indischen Wirtschaftskanzlei. Wirtschaftsminister Etienne Schneider beglückwünschte die IBCL, die in kurzer Zeit bereits eine beeindruckend hohe Zahl an Mitgliedern sowohl aus der indischen wie auch der Luxemburger Geschäftswelt hat.

Indiens Wirtschaftswachstum hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgeschwächt, die Industrieproduktion stagniert, allerdings ist das Leistungsbilanzdefizit gesunken (Exporte steigen, Importe sinken). Auch der Kursverfall der Rupie ist gestoppt. Für dieses und kommendes Jahr rechnen Analysten mit einem Wirtschaftswachstum um 5%. Eines der größten Probleme Indiens sind derzeit die niedrigen Investitionen wegen der vergleichsweise hohen Zinsen sowie die Ungewissheit des wirtschaftlichen Kurses nach den Parlamentswahlen, die noch laufen. Aussichtsreichster Kandidat ist die BJP-Partei, deren Vorsitzender als wirtschaftsfreundlich gilt; Finanzmarktreformen stehen bei der BJP allerdings nicht oben auf der Agenda, wie Anjalika Bardalai von der Eurasiagroup in einer Analyse schreibt. Doch trotz allem: Langfristig ist Indien zweifellos einer der wichtigsten Wachstumsmärkte weltweit.

So verweist IBCL-Geschäftsführer Sudhin Kohli auch darauf hin, dass ST Microelectronics, ein französisch-italienisches Unternehmen, in Indien zwei Fabriken baut und dort die stolze Summe von 10,17 Milliarden Dollar investiert. Walmart öffnet hundert Geschäfte, und in der zweiten Hälfte 2013 sind die ausländischen Direktinvestitionen in den indischen Pharmaziesektor um 86% gestiegen sind.

Noch ist Indien im Schatten Chinas. Doch das Riesenland mit seiner wachsenden Mittelschicht bietet, da sind sich Experten einig, enormes wirtschaftliches Potenzial. Kohli verweist auf das intellektuelle Talent, das Indien habe, und die steigende Kaufkraft seiner Landsleute. „Das bietet ein riesiges Potenzial für beide Wirtschaften“. Dem stimmt Wirtschaftsminister Schneider zu: Man solle die finanzielle und wirtschaftliche Kooperation intensivieren. „Zehntausende Einwanderer haben in den letzten Jahrzehnten ihr Talent eingebracht und zum Prosperieren Luxemburgs beigetragen“, so Schneider, „dazu gehörte in den letzten Jahren auch eine zunehmende Zahl junger Unternehmer und hochqualifizierte Menschen aus Indien.“

Um eine wirtschaftsfreundliche Umgebung mit niedrigen Hürden zu schaffen, arbeite man derzeit an einer einfacheren Möglichkeit „1-1-1-Unternehmen“ zu gründen: Eine Person an einem Tag mit einem Euro. Außerdem prüfe man die vorhandenen Mittel wie Investitionshilfen und Staatsgarantien, mit denen Aktivitäten und Unternehmen, die investieren wollte, unterstützt werden.

Diamanten nach Luxemburg

Die IBCL bemüht sich derzeit darum, dass die Indian Renewable Energy Development Agency, die Export-Import Bank Indiens wie auch die indische Infrastructure Finance Company Luxemburg als EU-Hauptquartier auswählen. Auch indische Diamantenhändler in Antwerpen, so Kohli, haben die IBCL kontaktiert und überlegten, ihr Zentrum nach Luxemburg, genauer, in die Freihandelszone am Findel zu verlagern, die voraussichtlich im September eröffnet werden wird. Kohli schätzt, dass im Laufe von zwei Jahren etwa 50 solcher Unternehmen nach Luxemburg kommen könnten. Er verwies dabei aber auch auf das bestehende Visa-Problem, das gelöst werden müsse und auch den intellektuellen Austausch bislang noch einschränke, da viele indische Studenten nicht nach Luxemburg können, weil sie ihre Ehefrauen nicht mitnehmen dürfen.

Umgekehrt wirbt Kohli auch dafür, dass Luxemburger Unternehmen in Indien investieren und verweist darauf, dass in letzter Zeit in punkto Handel und Finanzen dort einiges liberalisiert wurde und das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU kurz vor der Unterzeichnung stünde.

Indiens Finanzsektor unterentwickelt

Indien sei zudem auf dem Weg, weitere Lizenzen für neue ausländische Banken zu vergeben (die letzte war dort 2004 vergeben worden!). Der Finanzmarkt des Landes ist laut den Wirtschaftsanalytikern der Eurasia Group stark konzentriert: Indien hat nur 89 Banken: 20 davon sind indische Privatbanken, 43 ausländische Kreditinstitute, ähnlich sieht es im Versicherungswesen aus.

Das Wirtschaftswachstum und die Modernisierungsbestrebungen Indiens manifestieren sich derzeit in zahlreichen Infrastrukturprojekten des Landes, zum Beispiel soll der Jawaharlal Nehru Hafen, der mit über 50% des Umschlagvolumens größte Containerhafen Indiens, um ein viertes Containerterminal für rund 961,3 Millionen Euro erweitert werden.

Nach der IBCL will der indische Staat Kapital über sechs Milliarden Dollar in den USA und in Europa aufnehmen. „Wir würden gern Luxemburg als einen geeigneten Ort für das indische externe Anleiheprogramm präsentieren und schlagen der Luxemburger Regierung darum vor, eine Task Force zu bilden, um sich dieses Themas anzunehmen“. Für Oktober ist eine Wirtschaftsmission in Begleitung des Erbgroßherzogs nach Indien geplant.