SANDWEILER
NICO PLEIMLING

Die Illustratorin Muriel Moritz arbeitet gerne unter Zeitdruck

Muriel Moritz hat ihre Begabung schon in der Kindheit entdeckt. Ihren Lehrerinnen soll früh aufgefallen sein, dass ihr das Malen leicht fällt und ihre ideenreichen Bilder fanden schnell Interesse beim Lehrpersonal sowie den Klassenkameraden.

Ihre erste Illustration ist recht früh entstanden?

MURIEL MORITZ Ich nahm am „Raiffeisen Mol-Konkur“ mit dem Thema „Wasser ist Leben“ teil. Ich hatte so viel Spaß, ein Bild mit Teich, vielen Wassertieren und Pflanzen so detailliert und naturgetreu zu malen, dass man es als meine erste Illustration bezeichnen kann. Geschichten habe ich damals mit meinen Bildern noch nicht erzählt. Comics las ich jede Menge und später zeichnete ich kleine Comicstrips in meine Schulbücher.

Vor Ihrem Studium haben Sie schon 1996 im Rahmen des Wettbewerbs „Melusina“ der Kulturkommission von Contern ein Ausrufezeichen als Illustratorin gesetzt. Wie kam es dazu?

MORITZ Ich überzeugte die Jury mit meinen Bildern zum Text von Lex Roth und der erste Preis offenbarte sich als Veröffentlichung in Form eines Bilderbuches. Dieses Projekt hat mich sehr überraschend in die Welt des Illustrierens „geworfen“, noch bevor ich das erste Trimester auf der Brüsseler Akademie für Bildende Kunst hinter mir hatte: Ich durfte zum ersten Mal bei Editions Saint-Paul Verlagsluft schnuppern. Auch mit dem Buch „Léiwendraachenmailchen“ 1999 gaben Jemp Schuster und Jang Linster mir die Chance, noch im Studium ein Märchenbuch mit fünfzig Geschichten zu illustrieren und gerade dieses Buch öffnete mir wieder neue und wichtige Türen.

Was konnten die Lehrer in Brüssel Ihnen denn noch beibringen?

MORITZ Das Studium in Brüssel ist so aufgebaut, dass man zuerst überhaupt nicht mit dem vollständigen Buch in Kontakt kommt. Man beginnt, ein Wort in Bild umzusetzen, z.B. „Leichtigkeit“ und sucht selbst nach Lösungen, Techniken und Materialien. Sehr bereichernd waren dann die wertvollen Gespräche mit den Lehrern und allen Schülern um einen Tisch herum nach drei Wochen Arbeit an einem Projekt. Erst ab dem dritten Jahr illustrierte man eine erste vollständige Geschichte und setzte sich mehr und mehr mit Text und Bild in einem Zusammenhang auseinander.

Ein Illustrator ist von allem ein bisschen: Architekt, Städteplaner, Landschaftsgärtner, Modedesigner, Maler, Fotograf, Autor, Philosoph, Typograf, Drucker, Historiker, muss sich mit Autorenrechten auskennen und den menschlichen Körper anatomisch gut kennen. Die Zeit in Brüssel war sehr inspirierend und hat mich für meinen weiteren Lebensweg sehr geprägt.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

MORITZ Ich würde sagen verspielt. Es ist mir wichtig, mich nicht in einer Technik festzufahren und es bleibt immer interessant neue Seiten und Arbeitsweisen an sich kennenzulernen, sobald man das Material wechselt. Dennoch denke ich, dass man meine Bilder wiedererkennt. Vielleicht am Blick und Gesichtsausdruck der Figuren?

Woher holen Sie die Inspiration für Ihre Illustrationen?

MORITZ Das Material leitet mich, ich schaffe eine Grundstimmung mit Musik, die ich im Loop abspiele, damit ich in einem Zeitfenster „festsitze“. So kann ich in das Thema eintauchen und mich damit auseinandersetzen. Denn ich zerlege es und suche nach einer eigenen Logik in der Geschichte. Gespräche mit dem Autor können auch inspirierend sein. Aber auch der Wunsch des Kunden, wenn es eine Auftragsarbeit ist. Manchmal fällt es schwer zu verstehen, was die Kunden wollen und erst nach den ersten Entwürfen finden wir eine Linie...

Welche ist Ihre Lieblingstechnik?

MORITZ Ich liebe die Einfachheit von Aquarell und farbiger Tinte, aber auch die Drucktechnik und ihre Schichten oder auch noch Stempel schnitzen und in beide Techniken einbringen...

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Autoren?

MORITZ Manchmal meldet sich ein Verlag mit einer Geschichte, die er illustriert haben möchte. Ich lerne den Autor nach und nach kennen und wir planen das Buch in der Gruppe. Ab und zu meldet sich auch ein Autor bei mir, schickt mir einen Probeauszug und wir treffen uns regelmäßig, um ab einem gewissen Zeitpunkt der Durchführung des Projekts einen geeigneten Verlag anzusprechen. Bis jetzt habe ich mir noch nie die Zeit genommen, selbst meinen Wunschautor anzuschreiben und nachzufragen, ob wir zusammenarbeiten können.

Es gibt da auch noch eine oder zwei Geschichten, die ich mir selbst ausgedacht habe, die mir sehr am Herzen liegen und die seit Jahren darauf warten aufs Papier zu kommen.... Vielleicht im nächsten Jahr?

Woran arbeiten Sie derzeit?

MORITZ Zurzeit arbeite ich sehr intensiv am zweiten Band eines Schulbuchs namens „Sprachfuchs“ für das Unterrichtsministerium. Der erste Band Sprachfuchs 3.1 ist gerade neu im Schulunterricht angekommen. Eine Autorin aus Österreich hat mich mit ihrem Buchprojekt zum Thema „Natur retten“ angeschrieben. Das Projekt spricht mich sehr an, ich starte hier, sobald es die Zeit erlaubt.

Ist eine Ausstellung mit Ihren Arbeiten in Planung?

MORITZ Im Mai 2014 zeigt die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse Saarbrücken eine Ausstellung mit dem Titel „Beste Freunde“, wo ich die Originale von „Quagga“ zeigen darf.