PATRICK WELTER

Das Gerede von der arabischen Solidarität oder gar von arabischen Brüdern war immer schon inhaltsloses Gelaber. Spätestens seit dem ersten israelisch-arabischen Krieg, als es den „Brüdern“ weder gelang, die Juden ins Meer zu werfen noch, sie irgendeine Bereitschaft zeigten, die aus dem israelischen Kernland geflohenen Palästinenser annähernd menschenwürdig unterzubringen.

Seitdem steckt der Karren tief im Dreck. Immerhin gibt es einen kalten Frieden zwischen Israel und Ägypten, eine friedliche Koexistenz zwischen Tel Aviv und Amman und eine palästinensische Zivilverwaltung im Westjordanland - letzteres sollte man trotz aller Schwierigkeiten ganz bewusst auf der Habenseite verbuchen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es außerdem informelle Absprachen zwischen der israelischen Regierung einerseits und Assad und Putin andererseits gibt. Israel wäre durchaus in der Lage, massiv in den Syrienkrieg einzugreifen, beschränkt sich aber auf Luftschläge, wenn ihm die Iran-nahe Hisbollah auf die Pelle rückt.

Auf der anderen Seite gibt es den alten Israel-Freund Türkei, die laizistische Türkei, nicht mehr. Die halb-demokratische und semi-islamistische Türkei hat die Seiten gewechselt.

Jetzt ist aber ein neuer Spieler in der Stadt - Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien. Nicht nur im eigenen Land schneidet er alte Zöpfe ab - vermutlich auch ein paar Hälse - sondern macht auch aus seinem außenpolitischen Pragmatismus keinen Hehl. Der starke Mann des Hauses Saud erkennt nach 70 Jahren das Existenzrecht Israels an, zwar nicht formell aber immerhin gesprächsweise. Seit gestern weiß die Welt, wo der wahre Feind Saudi-Arabiens sitzt - in Teheran, nicht in Tel-Aviv. Ein politischer Knaller erster Güte.

Wie lange die politische Umsetzung dauert, steht natürlich in den Sternen - hängt aber vor allem von Teheran ab. Auch wenn man nicht der Meinung ist, dass in Teheran das pure „Böse“ an der Macht ist, sollte man die Mullahs und ihre Sehnsucht nach Einfluss im Auge behalten. Je aggressiver der Iran vorgeht, desto schneller werden Israel und Saudi-Arabien an einem Strang ziehen. Bei beiden steht die Hisbollah, als Teherans langer Arm, ganz oben auf der Liste der Todfeinde. Zu ihren informellen Verbündeten zählen die meisten Golfstaaten, Jordanien und Ägypten. Washington als großem Freund nicht zu vergessen. An der Seite der iranischen Mullahs, stehen der von Teheran am langen Zügel geführte Irak, das Assad-Regime, der Neo-Osmane Erdogan und im Hintergrund natürlich Väterchen Zar.

Kleine Länder wie der Libanon oder der Jemen kommen dabei zwischen die Mühlsteine der Politik. Während der Libanon noch um seine Stabilität ringt, wird im Jemen jeden Tag mehr gestorben. Dort tobt ein blutiger Stellvertreterkrieg zwischen Riad und Teheran.

Auch der Hamas in Gaza wird niemand aus der Anti-Iran-Koalition zu Hilfe kommen, trotz aller Provokationen, auf die die dämliche Regierung Netanjahu immer wieder reinfällt. Abbas in Ramallah bleibt auch nur noch der Weg, sich mit Israel zu arrangieren - im neuen Nahostkonflikt ist Palästina nämlich nur noch eine Fußnote.