DEN HAAG/LUXEMBURG
LJ

Europol: Nur 10 Prozent der verdächtigen Transaktionen werden eingehend untersucht

Die europäische Polizeibehörde Europol hat gestern einen beunruhigenden Bericht über die Effizienz der Geldwäschebekämpfung veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem, dass nur zehn Prozent der rund einer Million Berichte über verdächtige Transaktionen mit möglichem Zusammenhang mit Kriminalität und Terrorismus, eingehender untersucht würden. Dieser Anteil habe sich seit 2006 nicht verändert.

Und selbst wenn zusätzliche Ermittlungen angestellt werden, könnten lediglich ein Prozent der kriminellen Gelder von den nationalen Behörden sicher gestellt werden. Es geht um Milliarden Euro: Laut Europol stellen die verdächtigten Vermögen einen Wert von zwischen 0,7 und 1,28 Prozent des Jahres-Bruttoinlandsprodukts der EU dar.

Kritik an Luxemburg

Gemeldet werden verdächtige Transaktionen meist von Banken und Geldüberweisungsdiensten. Übrigens gehen rund 65 Prozent der Meldungen an niederländische und britische Behörden. Ein Kritikpunkt von Europol ist, dass Geldwechselstuben oder Händler von hochwertigen Gütern relativ wenig verdächtige Transaktionen melden.

Europol meldet besonders auch Kritik an Luxemburg an, denn, obwohl es der Gebrauch von viel Bargeld ist, der die meisten Verdachtsmeldungen auslöst, gelte das hierzulande nicht als Grund für ein Reporting. Die Behörde unterstreicht, dass Luxemburg eines der wenigen Länder in der EU ist, das das so handhabt.

Sie unterstreicht ebenfalls, dass in Luxemburg jährlich Summen Bargeld in insgesamt doppelter Höhe des Bruttoinlandsprodukts des Landes ausgestellt werden.

Digitale Herausforderung

Die Mehrheit der Verdachtsberichte aus dem Großherzogtum würden von elektronischen Bezahlinstituten stammen.

Die digitalen Transaktionen bereiten Europol eine Menge Kopfzerbrechen. Das Transaktionsvolumen steige unentwegt an, und es brauche enorme Rechenpower, um aus den Datenmassen mögliche Muster oder Verbindungen herauszufiltern, die auf Geldverschiebungen für kriminelle Zwecke hindeuten. Die Anti-Geldwäsche-Maßnahmen müssten sich an diese neuen Herausforderungen anpassen. Das müsste auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. „Die Bekämpfungsmaßnahmen von Geldwäsche funktionieren immer noch nur auf nationaler Ebene“, sagt Europol-Direktor Robin Wainwright, „zwar gibt es Strukturen zur Erleichterung der grenzüberschreitenden Kooperation in dem Bereich, aber deutliche Hürden in der internationalen Kooperation und beim Informationsaustausch bleiben. Das unterstreicht die dringende Notwendigkeit für eine supranationale Übersicht immer globalisierterer Märkte“. Der Kampf gegen Geldwäsche sei zentral, unterstreicht Europol. Nicht nur würden dadurch kriminelle Organisationen zerschlagen und die Verantwortlichen vor Gericht gebracht, sondern er trage auch zur systemischen Integrität des Finanzsystems und der globalen Wirtschaft insgesamt bei.