PARIS
CHRISTIAN SPIELMANN

„Bô - Le voyage musical“, ein musikalisches Spektakel von Catherine Lara

Im Alter von fünf Jahren begann Catherine Lara mit dem Studium der Violine. 1966 schloss sie ihre Ausbildung mit einem ersten Preis im Pariser Konservatoriums ab und gründete ein Kammerorchester. Sie begleitete unter anderem auch Showgrößen wie Claude Nougaro, Nana Mouskouri oder Françoise Hardy auf der Bühne oder bei Aufnahmen im Studio. Sie komponierte unter anderem für die Sängerin Barbara oder schrieb die Filmmusiken zu „Docteur Françoise Gailland“ oder „Les hommes préfèrent les grosses“. 1992 wurde ihr erstes Musical „Sand et les Romantiques“ im Théâtre du Châtelet aufgeführt, während ihr zweites, „Graal“, 2004 nur auf CD erschien. Zusammen mit Cyrille Lehn und Eric Mouquet komponierte sie die Tanzshow „Bô - Le voyage musical“, die am Donnerstag im Theater „Le 13eme Art“ in Paris uraufgeführt wurde. Giuliano Peparini („1789 - Les amants de la bastille“, „La légende du Roi Arthur“) führt Regie und erschuf die Tanzeinlagen.

Die letzte Reise

Das Resümee der Show ist mehr als irreführend. Eine Gruppe Menschen soll auf der Suche nach den Schönheiten im Leben sein, wobei „bô“ eine andere Schreibweise für „beau“ ist. Nach ein paar Szenen, entdeckt man, dass dem nicht so ist. Der Schauspieler Sinan Bertrand erzählt verschiedene Geschichten, die dann von den Ensemble-Mitgliedern - Braham Aïache, Gabriele Beddoni, Jocelyn Laurent, Grégoire Malandain, Olivier Mathieu, Aurore Mettray, Adrien Ouaki, Théo Legros-Lefeuvre und Charlotte Gauthier - getanzt werden.

So wird ein junger Mann von vier Maskierten brutal geschlagen, ein Schiff gerät in einen Sturm, zwei Brüder müssen in den Krieg ziehen, oder ein Mann brutalisiert seine Frau. Der Tod zeichnet sich am Schluss der unkonventionellen Tanzeinlagen ab, die von Peparini stets akrobatische und kampfbetonte Elemente erhalten oder ganz aggressiv wirken. Am Ende stehen acht Menschen auf der Bühne, ihre Koffer in der Hand, und bewegen sich in Richtung eines hellen Lichts.

Visuelles Spektakel

Riesige Holzkästen dienen dem Ensemble als Unterschlupf oder als Wand für Videoprojektionen von unter anderem Heiligenbildern, Bäumen, mathematischen Formeln, Meereswellen oder den Texten, welche der Erzähler vorträgt. Die Beleuchtung setzt die Tanzenden oft in ein irreales Licht, das gut zu ihrer Reise ins Jenseits passt.

Besonders auffällig tanzt Braham Aïache. Er verlor bei einem Unfall ein Bein und ist seitdem ein begnadeter Tänzer geworden, der seine zwei Krücken wie ein zusätzliches Paar Beine einsetzt, was sehr spektakulär wirkt. Théo Legros-Lefeuvre bewährt sich unterdessen als Akrobat an einem Mast oder auf einem Seil.

Komponistin Catherine Lara spielt ihre Kompositionen auf der Geige auf der Bühne mit und wird von Charlotte Gauthier und Benjamin Pras am Piano begleitet. Viele Titel, wie „Almach“ und „Nodus“, sind orientalisch angehaucht, oder sind eine Mischung aus sanften Rockklängen mit italienischer Volksmusik, wie zum Beispiel in „Sélène“, oder anderen musikalischen Genres. Leider ähneln sich die Kompositionen ziemlich und passen sich nur schwer der Atmosphäre der Szenerie und den Choreografien an. Des Weiteren fehlt ein klarer roter Faden in den Geschichten der einzelnen Protagonisten, so dass die Fantasie der Zuschauer das Gezeigte ergänzen muss.

Das Theater „Le 13eme Art“ befindet sich auf der Place d’Italie im Geschäftskomplex „Italie 2“. Vormals war das Theater ein Kino, das „Grand Ecran Italie“, mit der größten Kinoleinwand in Europa. Das Theater wurde im September 2017 eröffnet und besteht aus einem großen Saal mit 900 Sitzplätzen und einem kleinen Saal mit 130 Plätzen. „Bô - Le voyage musical“ läuft dort bis zum 15. April.


Weitere Informationen und Tickets findet man unter

www.le13emeart.com.