LUXEMBURG
SVEN WOHL

Wenn eine luxemburgische Telefonsexanbieterin auspackt, kommt viel Bizarres ans Licht

Eigentlich macht das doch kein anständiger Luxemburger. Also, Telefonsex. Aber dann stößt man im Internet, rein zufällig, wie das nun einmal immer passiert, auf den Blog einer Telefonsexanbieterin. Und siehe da, diese Anbieterin, die ihre skurrilsten Berufs-Erfahrungen mit dem Internetpublikum teilt, arbeitet auch noch in Luxemburg. Schlimmer noch: Sie hat aus ihrem Blog ein Buch gemacht!

Eine Idee mit Folgen

Wie kommt man bloß auf diese Idee? „Die Idee mit dem Blog ist schon sieben Jahre alt. Damals fiel mir auf, dass sehr viele Job-Blogs starteten und es einen Blog über Telefonsex noch nicht gab.“, meint die Bloggerin, die unter dem Pseudonym „Phonebitch“ ihre Geschichten aus dem Arbeitsalltag online stellt. „Der Piper Verlag aus Deutschland wurde Anfang 2012 aufmerksam auf den Blog und nahm Kontakt zu mir auf zwecks Buchveröffentlichung.“, erklärte sie weiter. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mittlerweile hat es die Printversion bereits in die dritte Auflage geschafft.

Auch die digitale Version kann sich nicht eines mangelnden Interesses beklagen. Hat Sie denn keine Angst, ihre bestehenden beziehungsweise zukünftigen Kunden damit zu vergrämen? „Meine Kunden wissen nicht, dass ich die Frau mit dem Buch bin und eigentlich soll es auch so bleiben“, erklärt sie. Und gerade deshalb wirbt sie in ihren Anzeigen eben nicht mit ihrem Pseudonym.

Dafür ist sie im Internet natürlich umso leichter zu finden und ist auch auf Twitter sehr präsent. Über 2.700 Nutzer folgen ihr bereits, womit sie sich im luxemburgischen Umfeld in der absoluten Spitzenregion der luxemburgischen Nutzer des Dienstes ansiedelt.

Unerwünschte Literatur

Das Buch scheint sich also nicht schlecht zu verkaufen. Das sollte die luxemburgischen Büchereien natürlich erfreuen. Leider falsch gedacht, denn: „Das Buch ist in den Buchhandlungen und Kiosken nur auf Bestellung zu erhalten. Und diese erfolgt erst nach mindestens zehn Tagen.“ Ihre Vermutung: Das Buch soll nicht auf den luxemburgischen Bestsellerlisten auftauchen. Denn der Luxemburger hat ja keinen Telefonsex. Aber die Phonebitch macht weiter. Sie wird weiter über ihren Job bloggen, denn solange etwas Spannendes an der Strippe passiert, wird sie darüber schreiben.
Wer einen Blick auf Blog und Buch wirft, wird auch schnell feststellen, wieso beide so beliebt sind. Nicht nur sind die kurzen Dialoge und Geschichten ur-komisch und authentisch, sondern sie sind auch auf erfrischende Art und Weise erzählt. Ebenfalls überraschend ist die thematische Breite, die teils mit der Vielfalt der dargestellten Kunden einhergeht.


Bevor die Sammlung auch nur ansatzweise monoton werden kann, ist sie dann auch schon zu Ende. Die Sammlung im Buch ist kurz und knackig, eigentlich nur ein Teaser auf den eigentlichen Blog. Dessen Archiv reicht bereits bemerkenswert weit zurück: seit 2005 schreibt sie regelmäßig Blogeinträge. Nur eine Auswahl davon sind im Buch verarbeitet worden. Wer also vom Buch nicht genug bekommen kann, der kann ruhig auf dem Blog weiterlesen. Interessante Einblicke sind fast immer garantiert.        

Für mehr schmutzige Nummern steht der Blog von Phonebitch zur Verfügung. Er ist unter http://phonebitch.blogspot.com zu finden