LUXEMBURGSVEN WOHL

Neue Buchreihe nimmt das Großherzogtum aus verschiedenen Winkeln in den Blick

Zu oft wird Luxemburg im akademischen Diskurs auf seine Sprache reduziert. Umso erfrischender wirkt die Buchreihe mit dem Titel „Luxemburg-Studien/Études luxembourgeoises“, die eine wirklich breite Themenpalette bietet und Luxemburg aus mehreren Blickwinkeln betrachtet. Das Außergewöhnliche dieser Reihe erschöpft sich jedoch nicht in der Vielfalt, sondern auch in ihren Machern: Jede wissenschaftliche Arbeit kann in diese Reihe aufgenommen werden. Dabei spielt es keine Rolle wo die Arbeit geschrieben wurde, nur dass das Thema Luxemburg berührt wird, ist von wesentlicher Bedeutung.

Kohärente Qualitätsprüfung

Dass jeder dort publizieren kann heißt aber noch lange nicht, dass es jeder tun wird. Denn ein „Peer-Review“-System soll dafür sorgen, dass ein gewisses Minimum an Wissenschaftlichkeit und Qualität erreicht wird. Beim „Peer-Review“ kommen unabhängige Gutachter zum Einsatz, um eine wissenschaftliche Arbeit zu beurteilen.

Die Bücher erscheinen leider nicht bei einem luxemburgischen Verlag , was Michel Pauly, Professor an der Universität Luxemburg, schnell erklärt: „Kein Verlag in Luxemburg konnte eine internationale Distribution garantieren“

Drei Publikationen sind bereits bei der Edition Peter Lang erschienen und stehen für eine bemerkenswert breit gefächerte Themenvielfalt: So behandelt Christian Wille in seiner überarbeiteten Dissertation „Grenzgänger und Räume der Grenze - Raumkonstruktionen in der Großregion SaarLorLux“ die kulturwissenschaftlichen Aspekte der Grenzgänger und somit ein Feld, das bei der wirtschaftlichen Betrachtung dieses Phänomens zu kurz kommt.

Einzigartiges Luxemburg

Thematisch nahe wirkt der zweite Band mit dem Titel „Nationenbildung und Demokratie“: Der Tagungsband vereint dabei Beiträge verschiedener Autoren wie etwa Norbert Franz und Jean-Paul Lehners, Michel Pauly oder Pit Péporté. Thematisiert wird dabei vor allem der einzigartige Prozess der Bildung einer Nation in Luxemburg, wobei ein gewisses Augenmerk auf fünf Gruppen von „Minderheiten“, in diesem Fall Frauen, Juden, Arbeiter, Bauern und Migranten, und deren Beteiligung an der Schaffung dieser Nation sowie an den demokratischen Prozessen.

Vergangenheitsbewältigung

Ebenfalls ein Thema ist der Zweite Weltkrieg. So versucht die Arbeit von Vincent Artuso mit dem Titel „La collaboration au Luxembourg durant la Seconde Guerre mondiale (1940-1945) - Accommodation, Adaption, Assimilation“ die Kollaboration in Luxemburg im Zweiten Welt genauer zu untersuchen.

Michel Pauly unterstrich bei der Präsentation noch einmal, dass Luxemburg mittlerweile ein gefragtes Thema in internationalen akademischen Kreisen darstellt. Was die neue Regierung angeht, sind die Wünsche eindeutig: „Wir hoffen, dass die neue Regierung die Luxemburger Studien stärkt“, so Michel Pauly.