MAMER
SIMONE MOLITOR

Marschroute für die nächsten zehn Jahre: Der definitive Kulturentwicklungsplan liegt vor

Es ist vollbracht: Der Kulturentwicklungsplan für die Jahre 2018 bis 2028 steht. Ende Juni war die provisorische Version KEP 0.1 vorgestellt und anschließend mit den Akteuren aus dem Kultursektor diskutiert worden. Danach blieb ein Monat Zeit, weitere Ideen oder Verbesserungsvorschläge in schriftlicher Form einzureichen. 51 Stellungnahmen gingen bei der zuständigen Stelle im Kulturministerium ein. Ein Teil der vorgebrachten Empfehlungen wurde dann bei der Ausarbeitung der definitiven Fassung berücksichtigt. Der KEP 1.0, der die Marschrichtung für die nächsten zehn Jahre vorgeben soll, wurde gestern in Anwesenheit von rund 130 Kulturschaffenden im Kinneksbond in Mamer präsentiert.

„Die Kultur hat nun ihren Plan, nicht das Kulturministerium und auch nicht der Kulturminister. Der KEP gehört euch Künstlern, Autoren, Kulturschaffenden, Freunden der Kultur und allen Bürgern von Luxemburg. Es ist eine ,feuille de route‘, ein Aktionsplan, der ab morgen umgesetzt werden muss, und zwar unabhängig vom Ausgang der Parlamentswahl am 14. Oktober und vom neuen Mieter im ‚Hôtel des Terres-Rouges‘ am Boulevard Roosevelt“, brachte es Kulturstaatssekretär Guy Arendt erneut auf den Punkt.

Die ewige Frage nach dem politischen Wert

Während der Diskussionen im Rahmen der „Assises culturelles“ genau wie in den Medien sei es immer wieder um die Frage nach dem politischen Wert dieses Dokuments gegangen. „Am 3. Juli wurde der KEP 0.1 in der Chamber diskutiert und eine Motion - von allen Parteien, außer einer - gestimmt. Diese legt fest, dass die Umsetzung des Kulturentwicklungsplans alle zwei Jahre einem Monitoring vom Parlament unterzogen wird“, bemerkte Arendt in diesem Kontext. Am heutigen Freitagmorgen bereits steht die gestern präsentierte Fassung indes auf dem Programm des Regierungsrats. „Mit dieser letzten Aktualisierung der Strategie haben wir nun unseren Handwerkskasten für eine nachhaltige Kulturentwicklung verbessert und erweitert“, meinte der Staatssekretär.

Über 200 Seiten mit 62 Empfehlungen

Zwei neue Kapitel sind gegenüber der ersten KEP-Version hinzugekommen, verschiedene Empfehlungen wurden angepasst oder neu formuliert, andere gestrichen oder unter einem Punkt zusammengefügt. Am Ende des rund 200 Seiten starken Dokuments, das 62 Empfehlungen enthält, wurde ein möglicher Kalender für die künftige Umsetzung hinzugefügt. „Es ist eine Zeitschiene für den Aktionsplan“, so Arendt. Vorschläge von Seiten der Kulturschaffenden oder aus der Zivilgesellschaft, die ihren Weg nicht in den Kulturentwicklungsplan gefunden hätten, seien nicht verloren, versicherte er: „Sie wurden gesammelt und sollen weiter in einen konstruktiven Austausch einfließen, damit wir zusammen ein solides kulturelles Ökosystem aufbauen können, so wie wir es für die nächsten Jahre vorgesehen haben“.

Kein Vorbeikommen am KEP 1.0

„Mit dem KEP 1.0 nehmen wir jetzt einen nächsten wichtigen Anlauf. Ich glaube nicht, dass eine nächste Regierung am Kulturentwicklungsplan vorbeikommen kann. Es gilt nun in den nächsten Jahren, die Prioritäten zu definieren, aufzuarbeiten, zu budgetieren und umzusetzen“, sagte der zuständige Staatssekretär, „vielleicht trifft diese Umsetzung nicht immer den Geschmack oder die Zustimmung jedes Einzelnen, deshalb ist eine regelmäßige und kritische Evaluation wichtig“. Im Zweijahresrhythmus sollen auch weiterhin „Assises culturelles“ abgehalten und in der Abgeordnetenkammer debattiert werden, um eine Bilanz der Umsetzung zu ziehen. „Einerseits muss das Ministerium seine Verantwortung übernehmen, andererseits wird aber nichts ohne die Spezialisten aus dem kulturellen Sektor möglich sein. Wir sind in den nächsten Jahren alle gefordert. Idealerweise müsste der KEP 2018-2028 in seiner Essenz unabhängig gegenüber politischen Entscheidungen bleiben. Er darf also nicht zurückgezogen oder in seinem Inhalt wesentlich von zukünftigen Kulturministern und Regierungen geändert werden. Das kommende Koalitionsabkommen wird die Prioritäten für den Bereich Kultur nach den Empfehlungen des KEP richten“, zeigte sich Arendt zuversichtlich und unterstrich: „Et kënnt kee méi laanscht de KEP!“.

Ohne die nötigen Mittel kaum möglich

Mit den Worten „Dir hätt jo all gär e Plang gehat, lo hutt der een. E Plang am Sënn vun enger Timeline“ begann Jo Kox, Koordinator des Kulturentwicklungsplans, anschließend seine Präsentation. Viele Maßnahmen seien nicht von heute auf gleich umsetzbar, weil sie eine gewisse Vorlaufzeit mitsamt Analyse voraussetzen würden, bemerkte er. Verschiedene Pisten werden aufgezeigt, die verfolgt werden können, wenn es um die Konkretisierung gehe. „Die nächste Regierung muss das Kulturbudget natürlich erst einmal auf zwei oder drei Prozent hochsetzen und mindestens 20 neue Leute im Kulturministerium einstellen, um dies alles in dieser Zeitspanne bewerkstelligen zu können“, sagte Kox mit ironischem Unterton. Das Wichtigste sei, dass es sich beim KEP um ein Rahmendokument handele. „An diesem Rahmen darf nicht mehr gerüttelt werden. Es ist aber nicht ein Kox und auch kein KEP, der vorschreibt, wer was zu machen hat. Ein gewisser Spielraum muss permanent bei allen 62 einzelnen Empfehlungen gegeben sein“, betonte er.

In unserer Samstagsausgabe werden wir näher auf den Inhalt des KEP 1.0 eingehen und auch Koordinator Jo Kox in einem kurzen Interview zu Wort kommen lassen. Den Kulturentwicklungsplan finden Sie derweil unter www.kep.public.lu