LUXEMBURG
KIM GREIS

Gekonnt und humorvoll vermittelt Mai-Thi Nguyen-Kim naturwissenschaftliche Faktenüber ihren YouTube-Kanal „The Secret Life of Scientists“

Mai-Thi Nguyen-Kim (29), genannt Mai, ist Deutsche mit vietnamesischen Wurzeln. Sie ist Doktorandin der Chemie am Fraunhofer Institut für Angewandte Polymerforschung IAP. Durch ihren YouTube-Kanal „The Secret Life of Scientists“ versucht sie, die Chemie, aber auch Naturwissenschaften im Allgemeinen, näher an die Menschen zu bringen. Neben lustigen naturwissenschaftlichen Fakten klärt Mai in manchen Videos auch über das Chemiestudium auf. Dabei greift sie nicht nur auf eigene, sondern auch auf Erfahrungen von Kollegen zurück, die grade promovieren oder bereits in der chemischen Industrie arbeiten. Wir haben Mai zu Ihrer Tätigkeit als YouTuberin befragt.

Wie bist Du dazu gekommen, Videos für YouTube zu
drehen?

Mai-Thi Nguyen-Kim Am Anfang der Doktorarbeit habe ich begonnen, mich nebenbei als Hobby mit Wissenschaftskommunikation zu beschäftigen. Zunächst habe ich bei „Falling Walls Berlin“ mitgemacht, wo man innerhalb von drei Minuten erklären muss, wie die eigene Forschung die Welt verändert könnte. Dann gab es noch ein Ausschreiben zu „Forscher Tanzen“, das eigentlich aus den Vereinigten Staaten stammt. Da ich nebenbei als Hip-Hop Lehrerin tätig war, hatte ich mich mit einigen Freunden dazu entschieden, ein Video für die Ausschreibung zu drehen. Das Video dazu findet man auch auf meinem YouTube-Kanal. So habe ich nach und nach gelernt, wie man professionell Videos aufnimmt und bearbeitet. Anschließend habe ich meinen YouTube-Kanal gegründet.

Manche Themen Deiner Videos sind ziemlich abgefahren, wie kommst Du darauf?

Mai Es gibt mehr Themen, als ich Zeit habe, Videos zu drehen. Meistens finde ich die Anregungen zu Themen im eigenen Facebook-Feed. Oft finde ich darin Artikel zu populärwissenschaftlichen und skurrilen Themen. Bei interessanten Themen überprüfe ich die Artikel mit den originalwissenschaftlichen Publikationen und drehe ein Video dazu. Oft schicken mir auch Zuschauer und Freunde Themenvorschläge. Zudem nehme ich meine Ideen oft aus dem Laboralltag und spiele gerne mit Nerd-Stereotypen.

Fiel es Dir leicht, Naturwissenschaften mit YouTube zu verbinden?

Mai Ja, eigentlich schon. Es gibt sehr viele gute naturwissenschaftliche Kanäle, jedoch versuche ich neben der Wissenschaft auch den Wissenschaftler in den Fokus zu rücken, sodass sich mehr Menschen damit identifizieren können und so den Zugang zu Naturwissenschaften finden. Nebenbei zeige ich auf lustige Weise, dass die Stereotypen vom typischen Chemiestudenten nicht stimmen.

Hast Du durch Dein Schaffen als YouTuberin besondere Erfahrungen machen können?

Mai Ich habe viel positives Feedback bekommen und erhalte großes Interesse. Das sogenannte „YouTube-Deutschland“ wird oft als die BILD-Zeitung der Jugend kritisiert. Doch zumindest bei meinen Zuschauern kann ich diesen Trend nicht erkennen. Im Gegensatz dazu werden zu meinen Videos konstruktive Fragen gestellt.

Du hast innerhalb eines Jahres mehr als 3.000 Abonnenten bekommen, hast Du mit einer solchen Resonanz
gerechnet?

Mai Ich habe nicht mit so vielen Abonnenten gerechnet, da ich im Gegensatz zu andern YouTubern verhältnismäßig alt bin und erst spät mit YouTube angefangen habe. Zudem habe ich den Kanal in erster Linie gegründet, weil ich gerne Videos drehe. Erst hatte ich auch nur wenige Abonnenten, bis ich das Video „Die 5 Phasen einer Doktorarbeit“ veröffentlicht habe, das viel auf Facebook geteilt wurde. Ab dann ging es dann bergauf.

Wer schaut sich Deine Videos hauptsächlich an?

Mai Zu Beginn waren die Zuschauer hauptsächlich in meinem Alter, jedoch wird der Altersdurchschnitt immer geringer und liegt momentan zwischen 18 und 25 Jahren. Ich hoffe, dass sich in Zukunft mehr 13- bis 17-Jährige meine Videos anschauen, da es grade bei ihnen wichtig ist, dass sie Begeisterung für die Naturwissenschaften gewinnen.

Du hast den Kanal während Deiner Promotion gegründet, ging das zeitlich auf?

Mai Es war sehr anstrengend, jedoch ist man als Doktorand sehr flexibel. Manchmal ist es jedoch absolut nicht möglich gewesen, sich nebenbei um sein Hobby zu kümmern, sodass es gelegentlich dazu kam, dass ich zwei bis drei Wochen lang kein Video hochgeladen habe.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Mai An erster Stelle steht die Promotion. Die Dissertation habe ich bereits eingereicht, jetzt warte ich noch darauf, meine Doktorarbeit verteidigen zu können. Ansonsten bin ich noch unentschlossen, wo ich danach arbeiten will. Fest steht, dass ich die Chemie und die Forschung liebe. Solange ich auf die Verteidigung warte, werde ich mich weiterhin mit der Wissenschaftskommunikation beschäftigen.