LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Parlamentarische Geheimdienst-Kontrollkommission will Premier Juncker anhören

Tagte der parlamentarische Geheimdienst-Kontrollausschuss gemeinhin nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern drang bislang auch absolut nichts über den Inhalt der dort geführten Gespräche nach draußen, so richtete sich die sonst so stille Kammerkommission gestern mit einer Mitteilung an die Öffentlichkeit. Ausschusspräsident François Bausch (déi gréng), wie auch seine Kommissionskollegen, ist nämlich alles andere als amused, was die jüngste Entwicklung im Dossier „Bommeleeër“ bzw. die Aufzeichnungen eines (mit einer Uhr heimlich aufgenommenen) Gesprächs zwischen dem früheren Geheimdienstchef Mille und Premier Juncker anbelangt. Auch soll es eine Diskette eines Gesprächs zwischen Juncker und Großherzog Henri geben, bei dem es um die Beteiligung von Prinz Jean in der „Bommeleeër“-Affäre geben, die aber anscheinend keiner entschlüsseln kann.

„D’entendre Monsieur le Premier Ministre en sesexplications quant à ces faits“

Der parlamentarische Kontrollausschuss, dem neben François Bausch auch noch die Fraktionschef der beiden Mehrheitsparteien Marc Spautz und Lucien Lux, sowie DP-Präsident Claude Meisch angehören und der heute Nachmittag um 14 Uhr zu einer weiteren Sitzung zusammenkommt, will Jean-Claude Juncker nun zu dieser Angelegenheit anhören und fordert auch die Tonbandaufnahmen: „ (...) de s‘enquérir auprès du Service de Renseignement sur la disquette cryptés et le contenu de l‘enregistrement fait par Monsieur Mille moyennant montre-enregistreuse; d‘entendre Monsieur le Premier Ministre en ses explications quant à ces faits; de répondre à la demande du Parquet qui a demandé la communication de certains extraits de rapports“.

Kommission erstaunt über Mille-Aussagen

Erstaunt zeigen sich die Mitglieder des Geheimdienst-Kontrollausschusses auch über die am Montag vom Ex-Geheimdienstchef Marco Mille über einen Siemens-Sprecher (der neue Arbeitgeber von Mille) im deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gemachten Aussagen, dass sich der „parlamentarische Kontrollausschuss in Luxemburg mit dem Thema befasst hatte und den Vorgang ohne Konsequenzen für seine Person abgeschlossen hat“.

Der Kontrollausschuss zeigt sich zudem betroffen, „de se voir confrontés périodiquement à des informations semées par différents acteurs dont la véracité des déclarations s‘avère quasiment impossible à vérifier“.

Der Geheimdienst-Kontrollausschuss fordert nun eine schnellstmögliche Reform der Gesetzgebung über den Geheimdienst sowie eine bessere Zusammenarbeit zwischen dem Geheimdienst und der Abgeordnetenkammer („qu‘il soit légalement garanti que les responsables du Service de Renseignement ainsi que le supérieur hiérarchique du Service fassent continuellement preuve d‘une attitude proactive vis-à-vis de la Commission, c‘est-à-dire qu‘ils informent celle-ci d‘office et de sa propre initiative de tout fait devant intéresser de plus près la Commission. Toute omission devra être sanctionnée pénalement“.

Prinz Jean und sein Bruder Guillaumeals Zeugen vorgeladen

Wie RTL gestern Abend zu melden wusste, hat Me Gaston Vogel nun auch Prinz Jean und seinen Bruder Guillaume als Zeugen in der „Bommeleeër“-Affäre vorgeladen.