Kultur
Neu im Kino: „Inception“
Träume sind Schäume!
29.07.2010
Dieses Vorhaben, das Cobb „Inception“ nennt, muss extrem gut geplant sein, und daher braucht er Verstärkung für sein Team. Er rekrutiert die junge Architektin Ariadne (Ellen Page), den Fälscher Eames (Tom Hardy), den Chemiker Yusef (Dileep Rao) und schließlich Saito selbst. Ein schlimmer Zwischenfall in Cobbs Vergangenheit bedroht allerdings das neue Unterfangen. In den Träumen taucht immer wieder Cobbs verstorbene Frau Mal (Marion Cotillard) auf und durchkreuzt seine Pläne.
Der britische Regisseur Christopher Nolan gilt als neues Filmgenie, nachdem er mit Filmen wie „Memento“ (2000), „Insomnia“ (2002), „The Prestige“ (2006), „Batman Begins“ (2005) und „The Dark Knight“ (2008) das Publikum wie die Kritiker weltweit begeisterte. Mit seinem neuesten Werk „Inception“ (Utopolis, CineBelval, Starlight) feiert er erneut einen Publikumserfolg, und die Kritiker überschlagen sich wieder mit Lob. Aber man kann diesem Film auch äußerst kritisch gegenüber stehen. In erster Linie ist „Inception“ ein visueller Film, der extrem gut realisiert ist – die Tricktechnik scheint einen Quantensprung in eine neue Ära gemacht zu haben –, und primär für das Auge konzipiert wurde: Schaumschlägerei. Darum fällt es schwer, die Logik der Geschichte auf den ersten Blick zu prüfen.
Jede Menge Action – und Fragen ohne Antworten
Zuerst gilt es, die Spielregeln des Films zu akzeptieren, z.B. bedeutet der Tod im Traum, dass der Getötete erwacht. Wenn diese Regeln einmal angenommen sind und bewusst ist, dass in Träumen alles möglich ist, geht das Ausspionieren der schlafenden Menschen los. Wie z.B. Fischer in die Architektur von Cobbs Traum gezwungen wird, bleibt eher rätselhaft. Da der Auszuspionierende selbst Personen in den Traum projizieren kann, artet der Plan in eine wilde Schießerei und Verfolgungsjagd aus, wiederum, nur um dem Zuschauer das Überlegen zu erschweren – weitere Schaumschlägerei. Kann man einen Traum auf drei verschiedenen Ebenen noch akzeptieren, also einen Traum im Traum im Traum, dann bleibt allerdings Cobbs Frau der Knackpunkt aller logischen Überlegungen. Sie ist tot, lebt aber in seinen Erinnerungen weiter.
So weit so gut. Mal lebt aber hier als eigenständige Person, die nicht mehr von Cobb kontrolliert werden kann. Das scheint nicht logisch, außer Cobb würde sie selbst als Störenfried in seine Träume projizieren. Dann stellt sich die Frage, warum er überhaupt herumspioniert, wenn von vorneherein der Ausgang unsicher ist. Außerdem bleibt die Frage, warum Cobb seine Kinder nicht sehen kann. Ihm wird der Tod seiner Frau vorgeworfen. Warum also spricht sein Schwiegervater (Michael Caine) noch mit ihm? Könnte der ihn nicht von einem Mordvorwurf entlasten? Und mit wem zum Teufel telefoniert Saito, damit Cobb wieder unversehrt in die Staaten einreisen kann?
150 Minuten Laufzeit bieten jedenfalls genauso viel Action wie Fragen ohne Antworten. Aber „Inception“ ist ein Film, ein Traum, und wer will schon Fragen in seinen Träumen beantwortet bekommen? Es gibt aber Leute, die sich nicht mit solchen Schaumschlägereien zufrieden geben! › CH.S.




