Uechter d'Land
Aérosport Fly-Out ins „Land der Trolle“
29.07.2010
Am 9. Juli 2010 erfolgte bei bestem Wetter der Take-Off (9 Flugzeuge, 13 Piloten, 8 Passagiere) in Richtung des ersten Etappenziels, des Flughafen Bromma bei Stockholm. Einige Flugzeuge, deren Reichweite diese 1.300 km nicht durchgehend zuließen, mussten in Malmö einen kurzen Tankstopp einlegen. Trotzdem kamen die Teilnehmer eine Stunde früher als ursprünglich geplant in Stockholm an, da sie auf dem Weg über Deutschland und die Ostsee ein starker Rückenwind mit 40 km „beflügelt“ hatte. Bevor es dann am nächsten Tag in Richtung Finnland weiterging, stand in Stockholm noch die Besichtigung der auf Hunderten von Inseln gebauten historischen Hauptstadt auf dem Plan.
Der nächste Flug führte die Teilnehmer - ebenfalls mit hilfreichem Rückenwind - über die Insel Mariahaam zum nächsten Etappenziel: Jämijärvi in Finnland. Dort fand gerade eine Airshow mit Fly-In statt, zu der die Aérosport-Piloten als geladene VIP-Gäste herzlichst von der Flieger-Föderation empfangen wurden. Tagsüber konnte man die Airshow und die Gastfreundschaft der finnischen Piloten-Kollegen genießen, später den traditionellen finnischen Tanzabend. Man hätte gerne noch einige Tage in dieser tollen Seen-Landschaft mit 5-Sterne-Spa-Hotel verbracht, doch das straffe Reiseprogramm ließ diesen Spielraum nicht zu. Folglich ging es am nächsten Nachmittag weiter zur „Kleeschen“-Stadt Rovaniemi. Unterwegs überflog man einen Großteil der finnischen See-Platte, die sich von Jävaskyla über Kuopio bis Lapenrentaa erstreckt. In Rovaniemi verläuft der nördliche Polarkreis genau durch die Runway.
Bislang hatten die Teilnehmer großes Glück mit den meteorologischen Bedingungen gehabt, doch dies sollte sich bald ändern. So ging dann am Montag der Flug über die unvorstellbar weiten Seen- und Waldgebiete Finnlands zum nördlichsten Flughafen Europas, dem norwegischen Mehamn. Je weiter man auf den Nordkap - das definitive Reiseziel - zuflog, umso wilder, rauer und lebensfeindlicher wurde die Landschaft, die unter den Teilnehmern vorbeizog. Als dann die ersten Berge in dieser kargen Tundra-Landschaft auftauchten, änderte sich auch schlagartig das Wetter - von tief hängenden Wolkenschichten und Regen bis zu heftigsten Windböen.
Diese Bedingungen sollten die Teilnehmer auf ihren weiteren Flügen entlang der norwegischen Küste bis nach Dänemark begleiten. In Honningsvåg (nahe dem Nordkap) konnte man am vorgesehenen Tag nicht landen, da 25-35 Knoten Crosswind mit Gusting und seinem dort gefürchteten Wind-shearing auf der Piste herrschte.
Am Dienstag erlebten die Teilnehmer den Höhepunkt ihrer Reise, der Vorbei- und Überflug am Nordkap. Diese Passage war ein Erlebnis der besonderen Art, da man zwischen den tief hängenden schwarzen Wolken und der aufgewühlten, nur 5° C kalten Barentsee flog. Der stark böige Wind sorgte dafür, dass die düster wirkende See voller Gischtkronen war und die Flugzeuge sich wie Spielbälle bewegten und kräftig durchgeschüttelt wurden. Im Gegensatz zu anderen Touristen hatten die Aérosport-Piloten jedoch den Vorteil, dass sie das Nordkap mit seinen, über 300 m aus dem Meer herausragenden steilen Felsklippen von oben und von der Seeseite aus bewundern konnten.
Nach diesem Erlebnis ging es der Coastline folgend in Richtung Süden - vorbei an den teils schneebedeckten Bergen - zum Etappeziel Skagen, landschaftlich wunderschön in einem Fjord der Lofoten gelegen. Einige Teilnehmer hatten diese (Hurtig-) Route schon mit dem Postschiff bereist, doch auch für sie war der Überflug ein Traum. In Skagen verbrachte man einen Tag mehr als geplant, denn das Wetter war „not flyable“.
Zwar fiel damit ein Etappenziel aus, doch irgendwie schienen die Teilnehmer die norwegischen Trolle über Nacht besänftigt zu haben, so dass das Wetter am Donnerstag sehr schön war. Nun galt es, die doppelte Strecke fliegen, um den Zeitverlust wieder auszugleichen. So ging es weitere 1.000 km über das Nordmeer (mit Tankstopp in Bronnoysund) in Richtung Bergen.
Der Flug dorthin führte wieder vorbei an einer traumhaften Landschaft mit schroffen Bergen, Fjorden und tausenden von vorgelagerten Inseln. Diese rauhe und zugleich faszinierende Landschaft ließ den Flug trotz großer Distanz sehr kurzweilig erscheinen. In Bergen hatten wir den Freitag, der als Karenztag geplant war, zur freien Verfügung. Jeder konnte ihn nach seiner Façon nutzen - zum Shoppen, zur Stadt-Umgegend-Besichtigung oder einfach nur zum Relaxen. Dabei machte diese Stadt ihrem Ruf als regenreichster Ort der Welt alle Ehre.
Am Samstag war die erlebnisreiche Reise mit einem Tankstopp in Dänemark und der Rückkehr nach Luxemburg leider schon zu Ende. In der mehr als 25-jährigen Geschichte der in alle Himmelsrichtungen organisierten Fly-Outs des Aérosport dürfte diese Reise als Highlight gewertet werden.
Zu erwähnen bleibt, dass die Teilnehmer auf der gesamten Reise von den jeweiligen skandinavischen Flugaufsichts-Organen (FIS) und den Flughafen-Controllern (ATC) mit sehr großer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft behandelt wurden, wie sie leider noch nicht in allen europäischen Ländern anzutreffen sind. Man spürte in ganz Skandinavien förmlich den Führsorgeauftrag dieser Instanzen. So gesicherte Flugreisen sind das reinste Vergnügen und werden auch dadurch unvergesslich bleiben.
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