JaNein
Kultur

Volkstheater im besten Wortsinn
Kehlen: Superjhemp fliegt wirklich
29.07.2010
Vor einer Woche fand „op Schéimerech“ die Premiere des Freilichtspektakels „De Superjhemp géint de Pnömonni“ statt. Gespannt wartete das Publikum auf die neue, von Jemp Schuster verfasste Geschichte unseres Nationalhelden.

Charel Kuddel im Heldengewand: Superjhemp und die Joffer Léonie Lamesch Photo: cs

Obwohl man schon in der Presse einige Fotos und Reportagen sehen konnte, beeindruckte die Bühne, welche aus einem riesigen monströsen Schiff aus Reifen besteht. Die Arche des Bösewichtes Filip von Filoux nimmt fast die ganze Breite der Naturbühne ein und sorgte demnach für das erste Aha-Erlebnis, das, so viel sei schon verraten, nicht das Einzige blieb. Über 12 Tonnen alte Reifen wurden hier verarbeitet, bekam man nach der Vorstellung erklärt.
Arche gegen Klimawandel
Gleich zu Beginn klagen die Sklavenkinder des Pnömonnis (alias Filip von Filoux) in einem ergreifenden Lied ihr tägliches Leid. So müssen sie dafür sorgen, dass die angelieferten Reifen gesäubert werden, ehe sie von den Männern an der Arche verarbeitet werden. Auch die Männer, alle in Gefangenenkleidung mit Sträflingsnummer, verkünden missmutig ihren Willen, die Welt durch ihre Arbeit zu retten. Hier hört man ebenfalls eine entsprechende Melodie welche, wie übrigens die ganze Musik, von Paul Pepin komponiert oder arrangiert wurde.
Die ganze Geschichte dreht sich um die globale Erderwärmung. Das Schmelzen der Polkappen lässt den Wasserpegel weltweit steigen, und Filip von Filoux gedenkt sich und einige wenige mit seiner Arche zu retten. Bis es allerdings so weit ist, lässt er sich fürstlich bezahlen für die Entsorgung der Reifen und hat natürlich die volle Unterstützung der Regierung, welche seinem Projekt den Status „d’utilité publique“ gewährte.
Selbstverständlich wehrt sich eine kleine Bürgerinitiative gegen dieses Projekt, die Umweltpolizei ist machtlos, und keiner traut sich, offen gegen den Tyrannen aufzubegehren. So weit zur Geschichte.
Identischer Comiclook
Es dauert nicht lange, bis man Superjhemp zu sehen bekommt. Obwohl er zu früh erscheint und deswegen eine Rüge der Regisseurin erhält, ist es das zweite Aha-Erlebnis des Abends. Jeder Kenner der Superjhemp-Reihe hat seine präzise Vorstellung des Heldens aufgrund von Roger Leiners Zeichnungen. Die Reaktion des Publikums war eindeutig: er ist es, wie er leibt und lebt! So wie jede andere Figur der Comic-Reihe, ob Kommissar Harespel, Inspektor Schrobildgen, Joffer Lamesch, Jessica Jaguar, die ganze Familie Kuddel-Fleck usw.: Sie alle sind lebendige Eins-zu-Eins-Figuren der Superjhemp-Welt. Die wunderbaren Kostüme von Sylvie Hamus verleihen den Schauspielern den identischen Comiclook. Auch die tollen Frisuren tragen ebenso dazu bei wie das extra hergestellte Superjhemp-Mobil.
Die Techniker von Lemon Event tauchen das düstere Schiff und die gesamte Bühne in teils stimmungsfrohes und farbiges Licht, und unter der Leitung von Regieassistentin Michèle Turpel werden die technischen Spezialeffekte punktgenau eingesetzt.
Feuerwerk der Zweideutigkeiten
Die beiden Väter von Superjhemp, Lucien Czuga und Roger Leiner, sind bekannt dafür, dass sie in ihren Geschichten, sowohl visuell als auch wörtlich, sehr viele mehrdeutige Hinweise auf Personen und Ereignisse einbauen. Auch Jemp Schuster ist für seine spitze Feder berüchtigt, so dass der Mix dieser drei Künstler ein Feuerwerk an versteckten und offensichtlichen Zweideutigkeiten beinhaltet, welche es schon alleine zum Vergnügen machen, sich diese einmalige Produktion anzusehen.
Wer dies noch nicht tun konnte, sollte es unbedingt noch diese Woche nachholen und zwar am 29., 30. oder 31. Juli jeweils um 21:00 Uhr bei Kehlen „op Schéimerech“. Reservierungen online unter www.luxembourgticket.lu oder unter der Telefonnummer 47 08 95-1.
› cs
Archenbauer und Abzocker Filip von Filoux alias Pnömonni, Seite an Seite mitJessica Jaguar
„Die Arche“ als staatlich subventioniertes Projekt „d’utilité publique“