Politik

ASTI stellt TNS-ILRES-Studie zum Wohlbefinden der Luxemburger Bevölkerung vor
Getrennte Zufriedenheit
16.12.2009
30 Jahre Asti - das muss gefeiert werden. Wo andere allerdings nur sich selbst feiern würden, begeht die kämpferische Ausländerorganisation ihr Jubeljahr mit einer Studie über das Lebensgefühl der in Luxemburg lebenden Bevölkerung - und über die Perspektiven eines echten Miteinander. „Die Studie lebt durch den Vergleich“, so Charles Margue von TNS-ILRES, der einräumen muss, das diese Aussage sich auf den Vergleich zwischen im Großherzogtum wohnhaften Luxemburgern und Ausländern beschränkt. Die Pendler, die immerhin einen erheblichen Prozentsatz der aktiven Bevölkerung stellen, konnten in der Studie nicht berücksichtigt werden. Die Studie sei „die erste Gelegenheit, die Temperatur zu messen“, so ASTI-Präsidentin Laura Zuccoli in Bezug auf die Frage nach dem multikulturellen Miteinander in Luxemburg. Der Zufriedenheitsfaktor spricht Bände. Die Fragen, die in der Internetbefragung 508 Luxemburgern und 502 Ausländern gestellt wurden, zeigen ein unerwartetes Bild:Dass 78 % der befragten Luxemburger im Großherzogtum das Land sehen,in dem sie jetzt am allerliebstenleben würden mag zunächst wenig erstaunen, dass aber 77% der befragten Ausländer dieselbe Antwort geben, ist bemerkenswert.


Dass 96 Prozent der Luxemburger ihr Land als ihre Heimat betrachten scheint auf den ersten Blick eine banale Aussage zu sein, dass aber immerhin 47% der Ausländer in Luxemburg ihre Heimat sehen, ist eine kleine Sensation. Wohl gemerkt: ihre Heimat, leur Patrie. Besonders viele Deutsche (60%) sehen Luxemburg als Heimat, immerhin 52% der in Luxemburg lebenden Portugiesen, 51% der Italiener, noch 41 % der Belgier und 38 Prozent der Franzosen.
Noch bezeichnender sind die Ergebnisse des TRI*M Index, der nach der Gesamtzufriedenheit mit Luxemburg, zweitens nach dem Wunschland, wenn man denn die Wahl hätte, sich im Falle einer Wiedergeburt für eines zu entscheiden, drittens der Frage nach dem Grad der Weiterempfehlung und viertens dem Grad der empfundenen Vorteilhaftigkeit in Bezug auf den Wohnort Luxemburg ermittelt wird.
Die Gesamtauswertung dieser Punkte zeigt erstaunlicherweise, dass 79 Prozent der Luxemburger und 79 Prozent der Ausländer das Großherzogtum gleichermaßen schätzen. Man sei fast gezwungen, den ASTI-Slogan „Vivons ensemble, Typesch Lëtzebuerg“ auf das Ergebnis anzuwenden, so Charles Margue. Wobei man sich wohl in zukünftigen Studien die Frage stellen müsse, ob es sich hier um zwei parallele oder um ein gesamtes Ergebnis handle, gab ASTI-Sprecher Jean Lichtfous zu bedenken. Die Hypothese, dass die Luxemburger Realität trotz gleichzeitig wahrgenommenem Wohlbefinden eher von zwei Parallelgesellschaften, denn von einer Gemeinschaft wahrgenommen wird, lässt sich durch die Zusatzfragen der TNS-ILRES-Studie in Bezug auf politische Ausländerpartizipation nicht entkräften.
Die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft - so scheint es - hat den Integrationswillen der in Luxemburg lebenden Ausländer beflügelt. Von den befragten Ausländern, die bereit sind, die Luxemburger Staatsbürgerschaft zu erwerben möchten 82% ihre ursprüngliche Nationalität nicht aufgeben, nur 18% sind bereit, auf ihre nationalen Wurzeln zu verzichten. Dass die politische Partizipation über den Schritt zur doppelten Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt wird, scheint den politischen Willen der Ausländer angespornt zu haben.
90 Prozent der befragten Ausländer sind für das kommunale Wahlrecht für Ausländer (nur 68% der Luxemburger sind dafür, obwohl das rechtliche Fundament längst gegossen wurde). 77% der befragten Ausländer befürworten die Einführung der Möglichkeit auch bei den Parlamentswahlen seine Stimme abgeben zu können (hier hört für 50% der Luxemburger der „Spaß auf, nur 48 % können sich ein nationales Wahlrecht für Ausländer vorstellen. Während 75% der Ausländer das passive kommunale Wahlrecht befürworten, sind - wieder 48% der Luxemburger dagegen, sprechen sich also 50% der Luxemburger gegen die bestehende politische Realität aus. Bei dem passiven nationalen Wahlrecht, trauen sich immerhin 56% der Ausländer, dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, während sich 66% der Luxemburger bereit sind, sich diesem Szenario zu widersetzen. Es scheint also, als ob die politische Realität Luxemburgs trotz gleichermaßen gefühlten Wohlbehagens, bei Ausländern und Luxemburgern zu jeweils anderen Projektionen der Realität führt.
Was gestern der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und unter www.asti.lu einsehbar ist, stellt nur einen Teil der Gesamtstudie dar. Im neuen Jahr will ASTI ein Buch zum Gesamtergebnis veröffentlichen, in dem dann auch die linguistischen Aspekte der Integration und des gemeinsamen Nebeneinanders beleuchtet werden sollen. › ask