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Politik

Opgepikt
Süßes Gift
06.02.2010
Nachdem er am Mittwoch die erste Runde im Tripartitevorbereitungsmarathon einigermaßen stabil über die Bühne gebracht hatte, konnte er sich alsdann endlich wieder seiner - neben dem Flippern - liebsten Lieblingsbeschäftigung widmen: dem Schreiben in seiner eigenen Zeitung, ist Jean-Claude Juncker doch nicht nur Premier-, Staats- und Tresorminister sowie Eurogruppeboss, sondern auch noch einer der Herausgeber des „Rheinischer Merkur“. Hier sinierte er diese Woche über die zunehmende Verschuldung der Staaten, um schlusszufolgern, dass Schulden „nicht weh“ tun und „keinen sofort feststellbaren, unangenehmen Geruch“ haben. „Sie sind süßes Gift, das vermeintlich sanft einschläfert, das aber de facto unsere Gesellschaft in ein Wachkoma versetzt, das uns zur vollständigen Bewegungslosigkeit verdammt“.
Und um seinen Überlegungen Taten folgen zu lassen, ließ Juncker gestern dann auch wieder mal das Pressebriefing sausen und düste dafür in seiner neuen Funktion als richtiger Eurogruppechef ins kanadische 7.250-Einwohner-Nest Iqaluit (dem Verwaltungssitz der Region Qikiqtaaluk), um dort, wo die februarliche Durchschnittstemperatur bei frostigen -28°C liegt, an einem zweitägigen G7-Finanzministertreffen teilzunehmen. Hier befindet sich derweil nicht nur der wohl schönste Sakralbau der Arktis (natürlich in Iglu-Form), sondern auch - beim Auftauchen von Globalisierungsgegnern nicht unwichtig - ein neu erbautes Polizeipräsidium und ein Gefängnis.
Iqaluit heißt übrigens auf eskimoisch „Ort mit viel Fisch“ - und den mag der Eurogruppechef nun aber gar nicht. Ein Schnitzel wird sich aber auch hier schon auftreiben lassen... › St.