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Finanz Journal

Luxemburg
Internethandel weiter auf Erfolgszug
09.02.2010
Die Begeisterung für den Handel via Internet (neudeutsch: e-commerce) hat in Luxemburg 2009 trotz allgemeiner Krisenstimmung zugenommen. Dies geht aus einer EU-weiten Studie hervor, die der STATEC (service central de la statistique et des études économiques) gestern veröffentlichte. Die Ergebnisse der Umfrage, bei der 1.500 Einwohner befragt wurden, lassen schlussfolgern, dass die Einwohner des Großherzogtums die Vorteile des „virtuellen Einkaufsbummels“ sehr zu schätzen wissen. 66 Prozent der Internetnutzer gaben zumindest an, in den zwölf Monaten vor der Befragung, online eingekauft zu haben.

Luxemburg belegt den 6. Rang in einer EU-weiten Studie, laut der zwei Drittel das Internet für ihren Einkauf nutzen Photo: FACT-Finder

Damit belegt Luxemburg den 6. Rang unter den Mitgliedern der EU27. Laut der Studie, die Anfang des letzten Jahres durchgeführt wurde, kaufen die Briten am liebsten übers Internet ein (79 Prozent). Dahinter folgen Internetnutzer aus Dänemark (73 Prozent) und Deutschland (71 Prozent). Wahre „Kaufmuffel“ und damit Schlusslichter sind dagegen Litauen, Bulgarien und Rumänien, wo im Durchschnitt weniger als 15 Prozent das Internet zum Einkaufen nutzen. Der EU-weite Durchschnitt liegt laut STATEC bei 54 Prozent.
Dass in Luxemburg zwei Drittel aller Internetnutzer, das www als Hypermarkt sehen, mag auf den ersten Blick zu erstaunen. Die Rate verblasst jedoch im direkten Vergleich mit ausländischen Internetnutzern, vor allem dann, wenn man in Betracht zieht, dass 89% aller Einwohner Zugang zum Internet haben. Das Potenzial dieses Marktes ist demnach noch nicht vollends ausgeschöpft.
Klare Unterschiede zwischen Nutzern
Vor allem Männer locken die Angebote im Netz an die heimischen Computer (70%) während 62% der weiblichen Internetnutzer ihre Einkaufstour gerne mal von zu Hause aus erledigen. Die Alterspyramide fällt dabei wenig überraschend aus. Es sind vor allem Menschen zwischen 25 und 54 Jahren, die im Internet einkaufen. Über 74 Prozent dieser Altersgruppe erwerben Dienstleistungen und Güter über im Netz. Insgesamt tätigten alle „e-commerce“ Nutzer in Luxemburg im Jahr vor der Befragung zwischen 1 und 5 Bestellungen. Bei einem Viertel waren es sogar zwischen 6 und 10 Käufen. Bei den meisten Einkäufen (44 Prozent) gaben die Nutzer dabei insgesamt zwischen 100 und 500 Euro aus.
In diesem Zeitraum wurden vor allem Bücher, Magazine und Bildungsmaterial übers Internet bestellt (58 Prozent), dicht gefolgt von Buchungen für Ferienunterkünfte (53 Prozent) und Reisen (49 Prozent). Das Internet ersetzt immer mehr das traditionelle Reisebüro. Dieser Trend war in den vergangenen Jahren laut STATEC deutlich zu erkennen. Ebenfalls beliebt bei den Kunden war der Ticketkauf für Live-Shows wie Konzerte und Musicals. Die Altersgruppe der 16 bis 24-jährigen kaufte dagegen vor allem Musik und Filme übers Internet. Insgesamt bevorzugten alle Kunden vor allem Händler innerhalb der EU (87 Prozent), dabei fiel der inländische Umsatz relativ gering aus. Nur weniger als ein Drittel der Nutzer gab an, etwas von Verkäufern aus Luxemburg erworben zu haben. Bei Medikamenten (3,4 Prozent) und Glücksspiel (6,1 Prozent) verhielten sich die Luxemburger Nutzer besonders zurückhaltend.
Genauso wie man klare Vorlieben bei den gekauften Gütern und Dienstleistungen erkennen kann, so gibt es auch teils große soziale Unterschiede zwischen den Käufern. Vor allem unter Führungskräften (71,9 Prozent), Wissenschaftlern (71,1 Prozent) und Menschen mit einem Hochabschluss (78,7 Prozent) finden sich Online-Käufer. Dicht gefolgt werden sie von Angestellten aus dem Diensleistungs- und Verkaufsbereich (70,3 Prozent). Besonders auffällig ist, dass Angestellte, die handwerklich tätig sind, nur wenig übers Internet einkaufen. Nur knapp die Hälfte von ihnen (47,2 Prozent) mag diese Form des Handels. Ähnliches gilt für Menschen mit niedrigem Bildungsniveau. Der STATEC hat bei der Auswertung der Umfrage festgestellt, dass mit dem Grad an Bildung auch die Bereit-schaft zum Internethandel sinkt.
Ein gewisser Leichtsinn beim Online-Handel ist jedoch bei allen Käuferschichten, unabhängig von deren Bildung oder Stand, zu bemängeln. Nur 43 Prozent der Befragten gaben an, vor Vertragsabschluss immer die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchgelesen zu haben. 12,4 Prozent lasen sie nie. Sicherlich gibt es kaum jemanden, der im Alltag in ein Geschäft geht und dort nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen fragt bevor er etwas erwirbt. Nichtsdestotrotz ist dieser Apekt ein wichtiger Bestandteil eines jeden Handels und sollte deshalb gerade beim Kauf übers Internet peinlichst genau unter die Lupe genommen werden. Sonst kann das vermeintliche Schnäppchen schnell zum Albtraum werden. Vor allem Männern darf man in diesem Zusammenhang einen Hang zur Leichtsinnigkeit vorwerfen. Während 47 Prozent der Frauen angaben, immer die Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Online-Händlers zu beachten, taten dies nur 39,5 Prozent der Männer.
Gründe für den Einkauf im www immer die selben
Die Gründe wieso der Einkauf übers Internet so beliebt ist sind fast immer die gleichen. 73 Prozent der Nutzer schätzen vor allem den Zeitgewinn, die zeitliche Uneingeschränktheit und den Handel über die Landesgrenzen hinaus. Ganze 10 Prozent suchen gezielt nach Produkten, die im Großherzogtum nicht angeboten werden. Nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch die Jagd nach eventuellen Schnäppchen. Knapp 50 Prozent der hiesigen Internetnutzer sind auf der Suche nach dem billigsten Preis.
Nicht alle sehen im Online-Handel jedoch nur Vorteile. 58 Prozent der Befragten wollen ein Produkt lieber zuerst in Augenschein nehmen, ehe sie es erwerben. 46 Prozent meiden den Internethandel, da sie die Zahlungssicherheit anzweifeln. 38 Prozent, der vom STATEC Befragten, haben kein Vertrauen in die Verkäufer oder schätzen ihre Chancen im Falle einer Klage als zu gering ein. Interessant ist, dass der Datenschutz für viele immer mehr an Bedeutung gewinnt. 34 Prozent, darunter vor allem Frauen, befürchten laut der Umfrage, dass Einkäufe übers Internet ihre Privatsphäre bedrohen könnten.
Ein Grund dafür könnte sein, dass eine Kreditkarte so manches über ihren Besitzer preis zu geben vermag und ihre Daten bei schlechtem Virenschutz schnell abgefangen und missbraucht werden können. Nichtsdestotrotz bleibt sie das beliebteste Zahlungsmittel (82 Prozent). Weit abgeschlagen folgen Überweisungen über Internet (22 Prozent) oder klassische Zahlungswege wie eine Überweisung über die Bank (18 Prozent).
„Klingelton“-Generation wird Boom nachhaltig stützen
Bleibt die Frage wie der Umstand bewertet werden muss, dass 8 Prozent der Nutzer angaben, in den vergangenen zwölf Monaten Probleme beim Handel übers Internet gehabt zu haben. Zur Beruhigung sei gesagt, dass es sich dabei meist um verspätete Lieferungen oder schlechte Produktangaben handelte. Dabei sollten die meisten Online-Käufer wissen, dass sie laut EU-Recht auf eine Lieferung binnen 30 Tagen bestehen können. Egal wie die Nutzer diese Frage für sich beantworten werden, die dürfte dem Eroberungszug des Internethandels wohl kaum Einhalt gebieten.
Der Generation X (also jene Altersgruppe, die in den 60er und 70er Jahren gebohren wurde) folgt eine „Youtube“- und „Klingelton“-Generation, deren Konsum vom Medium Internet maßgeblich bestimmt sein wird und so immer mehr von der Ausnahme zur Regel mutiert...
› lw