Politik
Anfang 2012 soll die Reform der oberen Klassen im Sekundarunterricht auf den Instanzenweg
Fitter werden für den „Berufdes Studenten“ und die Arbeitswelt
09.03.2010

So stellt sich die Unterrichtsministerin die künftigen Wege zum Sekundarabschluss vor. Im technischen Unterricht käme vor allem die Spezialisierung auf „communication“ und „sciences appliquées“ (praktische Anwendung von Biologie und Chemie) daz
Autonom arbeiten können
Wobei jede Medaille eben auch eine problematische Seite hat: So stellt die Vielsprachigkeit, die die Luxemburger Sekundarschuldiplomanden auszeichnet andererseits für zu viele Schüler eine hohe Hürde dar. So bringt die Spezialisierung in den oberen Klassen des Sekundarschulunterrichts zwar ein hohes Niveau in besagten Fächern, andererseits droht dadurch zur Allgemeinkultur gehöriges Wissen vernachlässigt zu werden und werden Wechsel in andere Klassen währen der letzten drei oder vier Sekundarschuljahre sehr schwierig. Aus den Vorgesprächen zum Orientierungsdokument ging auch hervor, dass den Sekundarschulabsolventen Arbeitsmethodologien fehlen, sie oft nicht in der Lage sind, autonom zu arbeiten oder in einer Mannschaft. Beanstandet wurde ebenfalls die hohe Zahl der bei den Abschlussexamen abgefragten Fächer...
Demnach wurden in dem Orientierungsdokument sechs Schlüsselpunkte zurück behalten: die bessere Vorbereitung auf den „Beruf des Studenten“ und die Arbeitswelt, die Förderung der Allgemeinkultur, der Spezialisierungsweg, der Sprachenunterricht, Mathematik und die künftige Form des Abschlssexamens.
Bei Thema eins steht beispielsweise in der Diskussion, ob man von den Schülern von 2e/12e eine eigene umfangreiche Arbeit über ein von ihnen ausgesuchtes Thema in einer gewählten Sprache verlangen sollte, das von einer Jury auf Inhalt und Methode bewertet werden soll. Fächerübergreifende Zusammenarbeit ist das Stichwort für eine stärkere Förderung der Allgemeinkultur der Schüler, deren außerschulische Kompetenzen mit in ein „Portfolio“ einfließen könnten. Die nationalen Programmausschüsse sollen sich um eine bessere transdisziplinäre Kohärenz bemühen. Kohärenz ist auch das Stichwort bei den Spezialisierungen. So soll der technische Sekundarunterricht auf den 10e/11e Klassen in drei Hauptrichtungen unterteilt werden: „sciences et technologie“, „commerce/administration et communication“, sowie „artistique“. Auf 12e/13e soll sich dann zwischen zahlreicheren Spezialisierungen entschieden werden können (s. Tabelle). Im klassischen Sekundarunterricht könnte der Schüler künftig auf 4e wählen, ob er sich mehr auf Mathe („die Sprache der Wissenschaft“) oder auf Französisch fokussieren will, oder auf beide. Auf 3e muss er dann eine „dominante“ wählen, entweder Wissenschaften und Mathematik oder Humanwissenschaften und Sprachen.
An Englisch führt kein Weg vorbei
Auf 2e und 1ère dann muss er dann wissen, was er in die „drei Kästen“ - Sprachen, Spezialisierung und Allgemeinbildung packt. Englisch soll auf jeden Fall obligatorisch sein, weil heute unumgänglich in der globalisierten Welt. Auch die Spezialisten in den Humanwissenschaften und Sprachen sollen künftig die Mathematik nicht mehr vor den Abschlussklassen abhaken können. Auch späterhin, bei weiterführenden Studien sowie im Beruf, sei das Verständnis von Statistiken beispielsweise auch für Humanwissenschaftler sehr wichtig, so die Unterrichtsministerin, die beim Abschlussexamen künftig nur mehr sechs Fächer schriftlich prüfen will, und zwei mündlich. Über die Finalität und die grundsätzlichen Ausrichtungen der Reform, die mit den durch die Grundschulreform einher gehenden Anpassungen auf den unteren Sekundarschulklassen - hier sollen bis zum Ende des Schuljahres sämtliche Kompetenzsockel definiert sein - ineinandergreifen soll, sei man sich weitgehend einig, bilanzierte die Ministerin die ersten Konsultierungen. Den bedeutendsten Reibungspunkt sieht sie in der Anpassung der Stundenpläne: „erfahrungsgemäß wird es hier die heftigsten Diskussionen geben“. Zweifelsohne dürfte auch lange über die Bewertungsinstrumente und Promotionskriterien debattiert werden. Wobei die Ministerin das Punktesystem im Sekundarschulsystem beibehalten will. Im kommenden Mai will Delvaux-Stehres den Rahmen eines Reformprojekts für die höheren Klassen des Sekundarschulunterrichts abgesteckt haben, nach einer zweiten Konsultierung der Beteiligten. Danach sollen Arbeitsgruppen die großen Orientierungen verfeinern und ihre Umsetzung vorbereiten.
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