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Politik

Tëscheruff
Zerreißprobe
10.03.2010
Gemeinhin gilt Athen als Wiege der Demokratie. Aristoteles hat in seiner 1890 entdeckten „Verfassung von Athen“ den langwierigen institutionellen Weg der Athener bis zur Restauration der Demokratie im Jahre 403 v. Chr. aufgezeichnet und damit auch für die politische Wissenschaft noch heute gültige Konzepte überliefert. Doch in diesen Tagen wird das gerne von Millionen Touristen aufgesuchte Griechenland mit seiner Hauptstadt einer regelrechten Zerreißprobe unterstellt. Nicht die hochwertige Kultur, die verzaubernde Landschaft oder das längs der unzähligen Meeresstrände herrschende reizvolle Klima, sondern seriöse wirtschaftliche Schwierigkeiten verhelfen dem Land augenblicklich zu zweifelhaftem internationalen Ruhm. Das jetzt vom griechischen Parlament beschlossene Sparpaket in Höhe von 4,8 Milliarden Euro, um das Haushaltsdefizit zu beseitigen, fand zwar in der Eurozone allgemeine Anerkennung, dürfte aber diesem Staat noch turbulente Zeiten bereiten, ist doch die überwiegend große Mehrheit der Griechen mit diesen schmerzhaften Entscheidungen nicht einverstanden. Das Land wird demnach seit Tagen von Demonstrationen heimgesucht.


Nach dem Tod eines 15-Jährigen war es schon Ende 2008 in Athen zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen und Jugendliche marodierten tagelang durch die Hauptstadt. Diese unschönen Szenen lieferten damals den Beweis, dass es unter der griechischen Oberfläche brodelt und nur wenige Funken genügen, um eine Eruption zu entfachen. Premierminister Giorgos Papandreou und seiner PASOK stehen sonder Zweifel schwere Zeiten bevor. Nicht von ungefähr wirbt er im Ausland um politische, und gegebenenfalls in einer späteren Phase, um finanzielle Unterstützung.
Wie sollen die Bürger aber von diesen notwendigen Sparmaßnahmen überzeugt werden, wenn sie wissen, dass Korruption und Steuerhinterhinterziehung ebenfalls für die defizitäre Haushaltslage verantwortlich sind? Um den Abbau der Neuverschuldung auf drei Prozent zu erreichen, sind des Weiteren in den Jahren 2011 und 2012 sicherlich zusätzliche finanzielle Opfer notwendig. Falls also dann die Unruhen zu bürgerkriegsähnlichen Aufständen eskalieren sollten, hätte nicht nur Griechenland ein Problem. Nein, die gesamte Europäische Union würde in eine schwere Krise rutschen. › Gusty Graas