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Finanz Journal

DTZ beleuchtet Gewerbeimmobilienmarkt in Luxemburg
Agieren statt reagieren
10.03.2010
Zwischen dem 16. und 19. März findet in Cannes eine wichtige internationale Messe für Gewerbe-Immobilien statt. 2010 wird ein wichtiges Jahr für den Sektor, denn die Weltwirtschaftskrise hat den Markt ordentlich durcheinander gewirbelt. Luxemburg konnte sich diesem Trend nicht entziehen, auch wenn sich der Markt besser hielt als in so manch anderem EU-Mitgliedsstaat. Nicolas Ollier und Jean-Pierre Lequeux, die für die Luxemburger Tochter des internationalen Immobilienberaters DTZ arbeiten, sehen die Krise als eine Art Chance für den Neuanfang.

Mit einem Preis von 40 Mio. Euro belegte der Kauf einer Immobilie in der „avenue Emile Reuter“ durch die Banque de Luxembourg den vierten Platz unter den größten Aufkäufen des letzten Jahres. Platz eins belegte der Fonds CommerZreal welcher der Car

Die Zahlen, die Ollier, Leiter der Abteilung „Vermietung und Verkauf“, sowie Lequeux, Generaldirektor von DTZ Luxemburg sowie Mitglied beim britischen Berufsverband der Immobilienfachleute RICS, gestern vorlegten, ließen auf jeden Fall leichten Optimismus aufkommen. Insgesamt fanden im letzten Jahr 119.271 Quadratmeter Bürofläche einen Abnehmer, womit sich der Markt nach den außergewöhnlich guten Jahren 2007 und 2008 wieder einpendelte und das Niveau des Jahres 2000 erreichte.
Am meisten Bürofläche wurde in Esch/Belval vermietet
Gesucht waren vor allem Immobilien im Hauptgeschäftsviertel am Boulevard Royal sowie im Bahnhofsviertel. Auf diese beiden Regionen entfielen 2009 rund 45 Prozent der gesamten Gewerbeimmobiliengeschäfte. Die dort angemieten Flächen waren aber mit durchschnittlich 304 Quadratmetern wesentlich kleiner als jene am Stadtrand. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen nutzten die Gunst der Stunde, um sich zentral niederzulassen. 2009 könnte man auch als das Jahr Esch/Belvals bezeichnen, zumindest was Gewerbeimmobilien betrifft. Ein Fünftel aller im letzten Jahr angemieteten Büroimmobilien befand sich in diesem Distrikt. Auf Platz zwei folgte der Flughafen gefolgt vom Hauptgeschäftsviertel.
Die größte Nachfrage kam aus dem Finanz-, Banken- und Versicherungssektor. Dieser nahm 2009 insgesamt 52 Prozent der Büroimmobilien ab. Grund dafür waren unter anderem Dexia, Nord LB und Lombard International, die zusammen fast 30.000 Quadratmeter anmieteten. Wenn man diese Zahlen relativiere, und solch große außergewöhnliche Transaktionen außen vor lasse, erklärte Ollier gestern, so zeige sich, dass der Markt insgesamt sehr stabil geblieben sei.
Leerstand könnte 2010auf 7 Prozent ansteigen
Auch wenn der Zeitpunkt nicht wirklich günstig war, so wurde der Markt im letzten Jahr dennoch von einem neuen Areal von insgesamt 158.800 Quadratmetern geflutet. Der Leerstand stieg bis Ende 2009 auf 5,9 Prozent (4,8 Prozent Ende 2008). In diesem Jahr sollen weitere 93.000 Quadratmeter hinzukommen. Die Experten von DTZ erwarten deshalb einen weiteren Anstieg des Leerstands bei Gewerbeimmobilien auf rund 7 Prozent. Dies bedeutet für Bauträger mehr Konkurrenz am Markt und für Mieter mehr Auswahl und bessere Mietkonditionen. Laut Ollier sind 7 Prozent Leerstand das Optimum für einen ausgeglichenen Markt. 2010 könnte also zu einer Erholung des Marktes führen. Die Preise auf dem Büroimmobilienmarkt dürften dennoch nicht purzeln, zumindest nicht bei Neubauten. Mietgarantien und abwartende Bauträger sorgen dafür, dass die Mieten hoch bleiben. Einzige Ausnahme bilden ältere Gebäude deren Mieten je nach Lage und Marktsituation um 10 bis 15 Prozent nachgeben könnten.
Verkäufe dürften in diesem Jahr zunehmen
Der Markt für Handelsflächen (Boutiquen, Geschäfte,...) und halb-industrielle Immobilien (Hallen, Lager,...) hielt sich 2009 relativ konstant. Insgesamt ist allerdings anzumerken, dass die Nachfrage nach halb-industriellen Immobilien in letzter Zeit stark angestiegen ist. Der Markt kann sie jedoch nicht bedienen. Die Mieten sind deshalb von durchschnittlich 6 bis 9 Euro/Quadratmeter in 2007 auf 8 bis 12 Euro/Quadratmeter angestiegen.
Für das laufende Geschäftsjahr erwarten sich die Experten von DTZ Luxemburg, dass mehr Verkäufe auf dem Markt für Gewerbeimmobilien stattfinden werden. Jean-Pierre Lequeux geht davon aus, dass eine hohe Liquidität am Kapitalmarkt herrschen wird und Investoren daher weniger wählerisch bei der Auswahl der von ihnen finanzierten Objekte sein dürften. Im Bereich der Vermietung wird es wohl zu einer Zunahme von Untermietverträgen kommen. Viele Unternehmen nutzen den von ihnen angemieten Platz nicht komplett und vermieten diese Flächen aus Kostengründen weiter. Dadurch wird sich die Konkurrenzsituation für Investoren verschärfen. Da allerdings weniger neue Immobilien auf dem Markt angeboten werden dürften, geht man davon aus, dass sich die Situation einpendeln wird. Nicolas Ollier meinte gestern, dass sich die Zeiten zwar ingesamt verändert hätten, dies aber noch lange nicht das Ende der Welt bedeute. Die Prämisse für erfolgreiches Wirtschaften auf dem Markt heißt nun agieren statt reagieren. › lw