Kultur
Für den „Lëtzebuerger Owend“ am Kapuzinertheater gibt es nur ein Wort: Zugabe!
Gassenhauer, professionell inszeniert
10.03.2010

Gespielter und gesungener Witz - auch wenn es um großspurig-kleingeistige Restaurantbesucher geht Photo: Christophe Olinger
Dass „den Olinger“ endlich mal wieder so auf die Bühne getreten sei, „wéi viru foffzeg Joer“, ist zwar ins Reich der Legendenbildung zu verweisen, denn diese Gleichung geht rein altersmäßig überhaupt nicht auf. Wohl aber wähnte das Publikum der Jubiläums-Reprisen sich zurückversetzt in die „gute, alte Zeit“, in der die nachmalig legendäre „lustige Gurkentruppe“ singend, kalauernd, parodierend und spielend durchs Ländchen zog. Weil ein Großteil der dabei fröhlich frech intonierten Gassenhauer aber seit eh und je buchstäblich Jenni a Menni mitpfeifen können, hat sich die Inszenierung dieser schmissigen Songs durch die fidele Truppe derart ins kollektive Gedächtnis eingenistet, dass man rückblickend glaubt, sie sei schon immer dagwesen.
Und was sind schon 50 Jahre im Angesicht des ewig unveränderlichen Humors? Noch 2060 wird man über Fernand Foxens Interpretation der angesäuerten Madame am Arme ihres Gatten schmunzeln, wird Josiane Peiffers wilde „Wirsch“ (die mit den schönen Waden) bejubeln, wird herzlich lachen, wenn Marc Olinger den „Jean-fait-tout“ gibt oder zusammen mit Fernand Fox vor dem Fenster vom „Mariännchen“ ein lautstarkes Ständchen darbietet.
Deftig, derb - undvoll auf die Zwölf
Auch wenn das sangliche Werben um diese holde Maid weniger deftig umschlägt als jenes ums „Réiseli kléng“ oder gar das allzu bereitwillig sein Türchen öffnenden Lorchen, so ist die Stoßrichtung der Lieder eindeutig: deftig, derb und voll auf die Zwölf. Unverblümt und unverkrampft geht es hier zur Sache, und dazwischen mengt sich eine gehörige Portion voll handfesten Spotts. Sei dieser nun gegen den gefallenen Pfaffen gerichtet, der den hinterrücksen Reizen einer frommen Stammkundin auf dem Betschemel nicht widerstehen kann, oder gegen den vom „Trini“ nur so lange bezirzten Freier, wie die eigenen Kräfte reichen - der kräftig zupackende Humor der Darsteller macht vor nichts und niemandem Halt. Auch nicht vor dem Mann, der eben noch so überschäumend fröhlich die Freude darüber hinausgesungen und -getanzt hatte, „wéi de Knued mer steet, wéi de Schlapp mer geet“. Er muss sich von seinem weiblichen Counterpart (Josiane Peiffer) den direkten Griff „ins Gefühl“ gefallen lassen.
Luc Feit schießt - bei aller überbordenden Spielfreude, mit der Josiane Peiffer und die „Veteranen“ Fox und Olinger zu Werke gehen - nicht nur als lebende Karikatur des „schéine Poli“ den Vogel ab in Sachen 3D-Karikatur. Wie er im Wägelchen am Daumen nuckelt, verklemmt x-beinig über die Bretter hopst und dabei lauthals plärrt, dass einem Michael Mittermeier ganz schlecht werden müsste vor Neid oder wie er den selbstgefälligen Gockel gibt, dessen Atem leider nicht ganz so lang ist wie sein... Wille durchzuhalten, das zeigt einmal mehr, wie ein professioneller Mime mit nichts als sich selbst die unterschiedlichsten Szenerien heraufbeschwören kann.
Überschäumende Spielfreude - auf den Brettern wieauf Tasten und Saiten
Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn jeder der vier Akteure darf in vielen, gar köstlichen Szenen auf die tätige Mithilfe der anderen zählen, die durch Vokal-, Mimik- und Ganzkörpereinsatz einen höchstvergnüglichen „Chor“ bilden.
Nicht zu vergessen die nachgerade konzertante, aber ebenfalls von der eigenen wie auch der kollegialen Spielfreude mitgerissene Musikbegleitung, der zuzuhören ein Hochgenuss für sich war. Daniel Bertucci, André Mergenthaler, Luciano Pagliarini und Sergio Rodrigues interpretierten nicht nur den ganzen Strauß bekannter Volksweisen erfrischend neu, sondern improvisierten zwischen manchen Mini-Dramoletten an Cello, Schlagzeug, Saxophon, Akkordeon und Piano so jazzig gut gelaunt drauf los, dass man sich wünschte, nicht nur die köstlich selbst- wie sozialkritischen Spitzen gegen allgemein menschliche Irrungen und Wirrungen der angeblichen „Gurkentruppe“ aufzeichnen zu können, sondern auch die vergnüglich musikalischen Intermezzi.
A propos Truppe: wie gut eine Verfeinerung, Weiterentwicklung und Diversifizierung der szenischen Ausdrucksmittel den „scho viru foffzeg Joer“ vergnüglichen Musiksketchen tut, wurde an den vier Abenden im Kapuzinertheater eindrucksvoll bewiesen. Lustig waren die im Lauf der Jahre erkennbar professionalisierten Mimen allemal, aber eine „Gurkentruppe“ definitiv nicht. Auch wenn sauer lustig macht - dieser herrlich vergnügte Abend ging eindeutig auf das Konto einer Profitruppe. › may


